Gesunde Arbeit

Das „Maß der Dinge“ in der Arbeitsplatzevaluierung

Der männliche Vollzeitbeschäftigte gilt im ArbeitnehmerInnenschutz als Norm. Männer und Frauen erleben jedoch andere Belastungen in der Arbeit, die sich unterschiedlich auswirken. Dies muss sich künftig in der Arbeitsplatzevaluierung niederschlagen.
Besonders belastend – Arbeit in der Pflege. Besonders belastend – Arbeit in der Pflege.

Der männliche Vollzeitbeschäftigte gilt im ArbeitnehmerInnenschutz als Norm. Männer und Frauen erleben jedoch andere Belastungen in der Arbeit, die sich unterschiedlich auswirken. Dies muss sich künftig in der Arbeitsplatzevaluierung niederschlagen.

Das ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG) beinhaltet die gesetzliche Verpflichtung zur Arbeitsplatzevaluierung körperlicher und psychischer Belastungen. Auf die Frage nach Belastungen und den Folgen bei Männern und Frauen wird in der Praxis kaum eingegangen. Dabei bietet das ASchG die Grundlage, Arbeitsplätze geschlechtersensibel zu bewerten und zu gestalten (§§ 4, 6 und 7 ASchG).

In der Praxis wird meist vom männlichen Vollzeitbeschäftigten ausgegangen. Ausnahmen sind besonders schutzbedürftige Personen (z. B. werdende Mütter). Die besonderen Schutzbestimmungen finden sich im Mutterschutzgesetz, Behinderteneinstellungsgesetz und im Kinder- und Jugendlichen-Beschäftigungsgesetz.


Männer und Frauen haben andere Arbeitsbelastungen
Insbesondere bei Tätigkeiten mit viel KundInnenkontakt (Dienstleistung, Handel) sowie Kontakt mit Kranken und Notleidenden (Pflege) – also Branchen mit hohem Frauenanteil – zeigt der Arbeitsgesundheitsmonitor 2016/2017, dass Frauen stärker belastet sind als Männer (23 vs. 14 Prozent). Im Kontakt mit Schwerkranken ist ca. jede zehnte Frau (Männer nur zu vier Prozent) belastet. Durch Arbeitsumgebungsfaktoren (Hitze, Staub, Lärm etc.) sind Männer doppelt bis dreifach so hoch belastet wie Frauen. Zeitdruck und hohe Verantwortung empfinden Frauen und Männer in etwa gleich stark psychisch belastend (jede/r vierte).

Alarmierende Zahlen bei den Folgen
Der österreichische Arbeitsgesundheitsmonitor 2016/2017 zeigt: Mehr als die Hälfte aller Männer und Frauen hat Probleme mit dem Bewegungsapparat. 20 Prozent leiden unter Magen- und Verdauungsbeschwerden. 40 Prozent können nach der Arbeit nicht abschalten. Zwei Drittel sind gestresst. Auffallend ist: Mehr als jede zweite Frau leidet unter Kopfschmerzen, bei Männern jeder Dritte. Psychisch belastende Arbeit wirkt sich bei Frauen stärker aus als bei Männern. Sie sind nervöser, haben stärkere Erschöpfungsgefühle und häufiger Kopfschmerzen. Männer haben ein 4,2-fach höheres Risiko, an starkem Herzklopfen zu leiden.

Geschlechtersensibilität in der Praxis umsetzen
Bei Gendersensibilität geht es auch um die Verbesserung der Teilhabe und Handlungsmöglichkeiten von Frauen und Männern im Betrieb. Es ist wichtig, Frauen im ArbeitnehmerInnenschutz einzusetzen, in die Arbeitsplatzevaluierung einzubinden und Präventivfachkräfte zu Genderthemen zu sensibilisieren.

Die Arbeiterkammer fordert, dem Geschlechteraspekt in Zukunft bei der Arbeitsplatzevaluierung durch Konkretisierung der §§ 4 und 7 ASchG mehr Bedeutung beizumessen.

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