Gesunde Arbeit

12-Stunden-Tag: Geld ist nicht alles

12-Stunden-Tage sind ein heiß diskutiertes Thema. Manche Diskussionsbeiträge konzentrieren sich auf Geld, aber es geht um viel mehr. Eine Übersicht über den Forschungsstand.
Dr. Anna Arlinghaus (links) und Dr. Johannes Gärtner von Ximes GmbH, Wien Anna Arlinghaus, Johannes Gärtner: „Ab der neunten Stunde nimmt das Unfallrisiko mit jeder Stunde stärker zu, in der zwölften Stunde liegt es um 70 Prozent höher.“

Viele Bereiche wären durch eine Verlängerung der Arbeitszeit betroffen. Es geht also lange nicht nur um die Tatsache, dass man „nicht zur gewohnten Zeit ausstempeln“ kann.

Sozialleben
Bei langen Arbeitstagen bleibt kaum Zeit für soziale Aktivitäten, z. B. mit der Familie, wenn zumindest sieben Stunden Schlaf benötigt werden und Zeit für Essen, Hygiene und Fahrt abgezogen wird. Oft kommt daher der Schlaf zu kurz.

Wenn die langen Tage nicht in Geld, sondern mit Zeit abgegolten werden, ist die Freizeit in ganzen Tagen für manche sehr attraktiv. Für andere ist es aber (fast) nicht zu schaffen, etwa wenn man auf typische Kindergartenzeiten Rücksicht nehmen muss.


Gesundheit und Leistung
In vielen Arbeitsbereichen sind Personen nach circa acht Stunden ermüdet. Länger zu arbeiten, würde gesundheitlich stark belasten. Bei Gefahrenstoffen gibt es Unsicherheit, was zwölf Stunden bewirken. Wie stark die Leistung sinkt, hängt von vielen Faktoren ab, aber hohe Leistung in diesen Zeiten ist – zumindest auf Dauer – eher nicht zu erwarten.

Unfall- und Fehlerrisiko
Als gesichert gilt: Ab der neunten Stunde nimmt das Unfallrisiko mit jeder Stunde stärker zu, in der zwölften Stunde liegt es um 70 Prozent höher. Bei mehr als zwölf Stunden ist von einer Verdopplung des Risikos auszugehen. Die Leistungsfähigkeit nimmt in ähnlicher Weise nach acht bis neun Stunden deutlich ab. Pausen können das Unfallrisiko senken, jedoch nicht ausgleichen. Mehrere Tage mit zwölf Stunden hintereinander lassen das Risiko noch deutlich stärker wachsen.

Überstundenzuschläge lösen das Problem nicht
Überstundenzuschläge reduzieren nicht die Unfallgefahren! Die Chance auf Zusatzeinkommen lockt und verschleiert manchmal den Blick für Gefahren. Nicht selten wollen Beschäftigte sogar problematische Arbeitszeiten wegen dieser Zusatzeinkommen.

Zusammenfassung

  • Einzelne zwölfstündige Arbeitszeiten untertags mit mehreren und insgesamt mehr Pausen in nicht unfallträchtigen Bereichen und bei geringer Belastung dürften von der Unfall- und Fehlerwahrscheinlichkeit her im Rahmen des Unfallrisikos sein, das auch sonst gesellschaftlich akzeptiert wird. In Bereichen z. B. mit Nachtarbeit oder bei mehreren längeren Diensten hintereinander ist von einer sehr hohen Unfall- und Fehlerwahrscheinlichkeit – mit all den sozialen, gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen – auszugehen.
  • Aus Unfall- und Gesundheitssicht sollten zwölf Stunden – soweit nicht vermeidbar – nur vereinzelt vorkommen und mit Zeit im unmittelbaren Anschluss ausgeglichen werden. Für manche Beschäftigte werfen aber auch einzelne lange Tage große Schwierigkeiten auf.

Artikel weiterempfehlen

Newsletterauswahl

Newsletter

Geschlecht
Geschlecht:
Name

Eine Initiative von ÖGB und ÖGB © 2018