Gesunde Arbeit

GBH: Arbeiten am Bau darf nicht krank machen

Bei der Hitze im Sommer ist Hackeln am Bau kein Honigschlecken

Die Gewerkschaft Bau-Holz (GBH) startet eine bundesweite Aufklärungstour in allen 9 Bundesländern zum neuen Arbeitszeitgesetz auf Baustellen und bei Betriebsversammlungen. Auftakt dazu war am 31. Juli 2018 ein Lokalaugenschein auf einer Baustelle in Wien.
Wolfgang Birbamer Wolfgang Birbamer

Die GBH ist nicht gegen flexible Arbeitszeiten, diese müssen aber fair, vernünftig und auf Augenhöhe vereinbart werden. Für Bauarbeiter gibt es beim neuen schwarz-blauen Arbeitszeitgesetz keinen einzigen Vorteil. Bis zu 15 Stunden Einsatzzeit bei Hitze ist unmenschlich.

Neben der schweren körperlichen Arbeit bei jedem Wetter steigen die Anforderungen an Arbeitstechniken, Arbeitsabläufen, Verarbeiten von Baustoffen und Materialien, Präzision bis hin zum Termindruck. Speziell für Bauarbeiter stellt das täglich eine besonders schwere Herausforderung dar. Zusätzlich kommt nun durch die schwarz-blaue Bundesregierung ein neues „Husch-Pfusch“-Arbeitszeitgesetz dazu, welches auf Branchen mit Schwerarbeit keine Rücksicht nimmt.

Beim bisherigen Arbeitszeitgesetz konnte die Arbeitszeit nur bei Bedarf und über Betriebsvereinbarungen bzw. Kollektivvertragspartnern ausgeweitet werden. Notwendige Erholungsphasen nach schweren Einsatzzeiten wurden vereinbart. Beim neuen Arbeitszeitgesetz ab 1. September 2018 kann das nun der Arbeitgeber einseitig auf Anordnung tun. Ohne Zustimmung des Betriebsrates, ohne Zustimmung des Arbeitsinspektors und ohne Zustimmung des Arbeitsmediziners. Ohne Fristen für eine Vorankündigung der Mehrarbeit, Verbrauch des Zeitguthabes und mit nicht vereinbarten und dadurch niedrigeren Zuschlägen. Laut neuer Regelung wird die Jahresarbeitszeit ausgedehnt. Bisher waren 320 Überstunden im Jahr möglich, nun sind es 416 jährlich. Das ergibt ein Plus von 96 Stunden und auf einen 8-Stunden-Tag umgerechnet 12 Freizeittage weniger bzw. 12 Arbeitstage mehr. Des Weiteren ermöglicht das neue Arbeitszeitgesetz an 208 Tagen im Jahr einen 12-Stunden-Tag, ohne notwendige zusätzliche Erholungszeiten. Das ist für Schwerarbeiter unzumutbar.

„Wir sind nicht gegen flexible Arbeitszeiten, diese müssen aber fair, vernünftig und auf Augenhöhe vereinbart werden. Für Bauarbeiter gibt es beim neuen schwarz-blauen Arbeitszeitgesetz keinen einzigen Vorteil, im Gegenteil. Das Gesetz geht auf Kosten von Einkommen, Familie, Freizeit und der Gesundheit der Beschäftigten am Bau. Damit verliert das Arbeitszeitgesetz die Funktion des Arbeitnehmerschutzes”, kritisiert GBH-Bundesvorsitzender Abg. z. NR Josef Muchitsch das neue Arbeitszeitgesetz anlässlich eines Lokalaugenscheins auf einer Baustelle in Wien.


Arbeiten am Bau darf nicht krank machen
Wolfgang Birbamer, GBH-Landesgeschäftsführer Wien: „Sämtliche Arbeitsmediziner bestätigen, dass gerade Bauarbeiter durch einen 12-Stunden-Tag enormen Mehrbelastungen ausgesetzt sind. Die Unfallgefahr steigt bereits ab der 8 Stunde massiv an. Bei der zusätzlichen Belastung durch die Hitze im Sommer ist es unverständlich, warum die Bundesregierung bei ihrem neuen Gesetz nicht alleine schon aus gesundheitlichen Gründen zwischen den Branchen unterscheidet. Das gefährdet die Gesundheit der mehr als 300.000 Beschäftigten am Bau in Österreich. Alle Wetterprognosen prophezeien, dass es zukünftig vermehrt zu Hitzewellen kommen wird.“  

Muchitsch stellt eine einfach Frage: „Wann ist die Hochsaison am Bau? Natürlich jetzt im Sommer. Genau dann, wenn es körperlich am Schwersten ist. Durch das neue Gesetz werden sich die tatsächlichen Einsatzzeiten für viele Bauarbeiter auf bis zu 15 Stunden täglich und das von Montag bis Freitag bis zu 7 Wochen hintereinander erhöhen. Die unmenschliche Formel, 12 Stunden Arbeiten 1 Stunde unbezahlte Pause plus 2 Stunden Fahrtzeit, wird gesetzlich ermöglicht.“


Verantwortungsvolle Unternehmer werden zusätzlichem Druck ausgesetzt
Bei zukünftigen Ausschreibungen werden erste Baufirmen mit einer 60-Stunden-Woche kalkulieren und somit verantwortungsbewusste und faire Arbeitgeber noch stärker unter Druck setzen. Auch diese werden früher oder später gezwungen sein, dieses asoziale Arbeitszeitgesetz auf Kosten der Beschäftigten voll auszuschöpfen.

Muchitsch abschließend: „Weniger Menschen werden in Zukunft noch mehr arbeiten müssen. Für das Image der Bauwirtschaft ist das neue Arbeitszeitgesetz ein großer Rückschlag und führt in der ständigen Image-Debatte um Nachwuchs – Stichwort Fachkräftemangel – zu einer noch schwereren Ausgangslage. Wer will schon bei Hitzewellen mit 35 Grad und mehr bis zu 15 Stunden täglich im Arbeitseinsatz sein? Kurz, Strache und ihre Abgeordneten wissen nicht, was sie den Beschäftigten mit diesem – von der Industriellenvereinigung be- und erstelltem Gesetz – antun.

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