Gesunde Arbeit

Krank im Urlaub – schon wieder?

Eine neue Studie beleuchtet das Phänomen Leisure Sickness. Die Freizeitkrankheit zieht sich mittlerweile quer durch alle Berufsgruppen und Hierarchien.
Symbolbild fürs Kranksein Leisure Sickness: In der Freizeit, wenn der Druck endlich abfällt, treten die Krankheitssymptome an die Oberfläche.

Kennen Sie das? Sie haben in den letzten Monaten hart und viel gearbeitet. Nun endlich ist er da – der langersehnte Urlaub. Die Vorfreude ist groß: Doch was passiert (wieder)? Ein schmerzender Kopf, ein Kratzen im Hals und eine rinnende Nase kündigen einen handfesten Infekt an. Nun heißt es, das Bett zu hüten, anstatt Urlaubsfreuden zu genießen.

Bereits jede/r Fünfte betroffen
Dieses Phänomen – Leisure Sickness (Freizeitkrankheit) genannt – wurde in einer aktuellen Untersuchung des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der IUBH (Internationale Hochschule Bad Honnef Bonn) genauer unter die Lupe genommen. Hierbei gaben 22 Prozent der 2.000 Befragten an, in ihrem Leben bereits von Leisure Sickness betroffen gewesen zu sein – dies entspricht mehr als jedem/jeder Fünften der befragten Personen. Bei 18 Prozent der Befragten trat das Phänomen sogar in den letzten zwölf Monaten auf. Laut Untersuchung tendieren Personen, die häufig unter Leisure Sickness leiden, eher dazu, in ihrer Freizeit per Mail oder Telefon beruflich erreichbar zu sein. Auch unbezahlte Überstunden werden vermehrt in Kauf genommen, um das Arbeitspensum zu schaffen. Nicht zuletzt wird häufiger über einen schlechten und unruhigen Schlaf geklagt.

Nach dem Stress kommt der Infekt
Aber warum werden wir eigentlich im Urlaub eher krank? Die Antwort: Einerseits tendieren wir unter Stress dazu, Warnsignale des Körpers zu übersehen oder schlichtweg zu ignorieren. Andererseits liefern uns körpereigene Stoffe bei Stress zusätzliche Ressourcen und schützen uns so kurzfristig vor Erkrankungen. Erst in der Freizeit, wenn der Druck endlich abfällt, treten die Krankheitssymptome an die Oberfläche.

Quer durch Berufsgruppen und Hierarchien
In älteren Studien wurde Leisure Sickness eher als Problem der „oberen Etagen“ gesehen. Die vorliegenden Ergebnisse zeichnen jedoch ein neues Bild: Leisure Sickness zieht sich mittlerweile quer durch alle Berufsgruppen und Hierarchien. Nicht nur Führungskräfte, sondern auch Selbstständige/FreiberuflerInnen und Angestellte klagen darüber, zunehmend am Wochenende oder in der Freizeit zu erkranken. Leisure Sickness ist offenbar zum Thema der breiten Masse geworden. Kein Wunder: Für viele Beschäftigte steigt der Druck am Arbeitsplatz, ebenso wie die Arbeitsmenge und Geschwindigkeit. Dauerstress ist heute kein Randphänomen mehr, sondern allgegenwärtig spürbar. Ständig auf Vollgas führt in die gesundheitliche Sackgasse. Die ArbeitgeberInnen müssen beim vorgeschriebenen Schutz vor krank machenden Arbeitsbedingungen endlich einen Gang zulegen und in Fahrt kommen – Gewerkschaften, Arbeiterkammern und BetriebsrätInnen leisten gerne Starthilfe.

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