Gesunde Arbeit

Flexible und gesunde Arbeitszeitmodelle gestalten

Flexible Arbeitszeitmodelle können den Betrieben ermöglichen, auf schwankende Bedarfe zu reagieren, und gleichzeitig Gestaltungsspielräume für die Beschäftigten eröffnen.
Dr. Anna Arlinghaus Dr.in Anna Arlinghaus
Dr. Karin Boonstra-Hörwein Dr.in Karin Boonstra-Hörwein

Wer bestimmt über die Flexibilität?
Viele Berufe erfordern flexibles Reagieren auf Kundenwünsche, Bestellungen etc. Gleichzeitig stellt das Privatleben so manche Flexibilitätsanforderung an Beschäftigte (z. B. durch Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen, Weiterbildung).
Bei flexiblen Arbeitszeiten schwanken die Dauer, die Lage und die Abfolge von Arbeits- und Ruhezeiten, kurzfristig – wenn auch nach Spielregeln:

  • Legt sie vornehmlich der Betrieb fest, so handelt es sich um „fremdbestimmte“ flexible Arbeitszeiten (z. B. Bandbreiten- oder Durchrechnungsmodelle), wohingegen
  • von den MitarbeiterInnen festgelegte flexible Arbeitszeiten als „selbstbestimmt“ (typische Gleitzeitformen) gelten.

Wo liegen Chancen und Risiken in Bezug auf die Gesundheit und das Sozialleben?
Selbstbestimmte flexible Arbeitszeiten fördern die Work-Life-Balance der Beschäftigten und damit Gesundheit sowie soziales Wohlbefinden. Durch Spielregeln, Führungsarbeit und Monitoring können Fälle von Selbstüberforderung (z. B. überlange Arbeitstage zum Sparen für Zeitausgleich) oder Teamkonflikte (z. B. um Zeitausgleich am Freitag) vermieden werden.
Bei fremdbestimmten flexiblen Arbeitszeiten belasten vor allem unvorhersehbare, kurzfristige Einsätze. Sehr unregelmäßige Arbeitszeiten sind zudem häufig mit langen und biologisch sowie sozial ungünstigen Zeiten (abends, Wochenende) verbunden. Diese Kombination kann die Gesundheit und das soziale Wohlbefinden stark beeinträchtigen.

Entlastung schaffen:

  • Reduktion der durchschnittlichen Arbeitszeit, z. B. von XIMES entwickelte Ansätze zum Umgang mit schwer absehbarem Arbeitsende, bei dem eine Zeitgutschrift für angeordnetes früheres Gehen erfolgt, sowie der Ausgleich belastender Arbeitszeiten durch zusätzliche Freizeit
  • Wahlmöglichkeiten, z. B. Arbeitszeitausmaß
  • Fairer Umgang mit Flexibilität und aktive Suche nach Mitgestaltungsmöglichkeiten, z. B. selbstbestimmter, auch mehrtägiger Konsum von Zeitausgleich in Tiefphasen
  • Schulung der betroffenen MitarbeiterInnen und Führungskräfte, z. B. hinsichtlich der Auswirkungen bestimmter Arbeitszeitmuster

Autorinnen:
Dr.in Anna Arlinghaus & Dr.in Karin Boonstra-Hörwein
XIMES GmbH, Wien
arlinghaus@ximes.com

Weiterführende Literatur:
Arlinghaus, A.: Chancen und Risiken flexibler Arbeitszeitformen; in: WISO, 4/2013, S. 56-70
Gärtner, J./Baumgartner, P.: Faire Flexibilität – Wenn sich Arbeitszeiten kurzfristig ändern; in: Personalmanager, 2/2017, S. 58-61
Gärtner, J. et al.: Mehr Gleitzeit in die Schichtarbeit!; in: Z. Arb. Wiss., 2016, 70, S. 9-11

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