Gesunde Arbeit

Forderungen an die nächste Bundesregierung

Die Arbeiterkammer hat in acht wesentlichen Themenbereichen Forderungen an die nächste Bundesregierung formuliert. Hier finden Sie die AK-Forderungen zum Themenbereich „Arbeitsbedingungen – Druck in der Arbeitswelt“.

Österreich steht in der Welt gut da, die ArbeitnehmerInnen leisten Hervorragendes, sie halten das Land am Laufen. In den vergangenen eineinhalb Jahren wurden ihre Interessen allerdings ignoriert, die vorige Bundesregierung hat den Erfolgsweg des Dialogs und des sozialen Ausgleichs verlassen.

Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer spüren, dass der Druck auf sie immer größer wird. Für die Arbeiterkammer ist – insbesondere unter den Vorzeichen eines Wirtschaftsabschwunges – klar: Die kommende Bundesregierung muss sich wieder um die Anliegen der ArbeitnehmerInnen kümmern, sie haben Respekt und Anerkennung für ihre Leistungen verdient.

Die Arbeitsverdichtung nimmt zu, die beruflichen Anforderungen steigen, Arbeit und Freizeit verschwimmen für viele immer mehr. Damit steigt auch der Druck im Privatleben. Die ArbeitnehmerInnen brauchen in vielen Bereichen dringend Entlastung, vom Arbeitsleben übers Wohnen bis zur Mobilität oder der Betreuung ihrer Kinder und Pflege ihrer Angehörigen.
 
Die Arbeiterkammer hat in acht wesentlichen Themenbereichen Forderungen an die nächste Bundesregierung formuliert. Allem voran stellt die AK die Forderung auf, den Weg des Dialogs, der Österreich in den vergangenen Jahrzehnten erfolgreich gemacht hat, wieder zu beschreiten.


Hier die AK-Forderungen zum Themenbereich „Arbeitsbedingungen – Druck in der Arbeitswelt“:
Die arbeitenden Menschen verdienen mehr!
Die Menschen in Österreich leisten extrem viel und verdienen Respekt. In den letzten Jahren ist die Produktivität ständig gestiegen – und damit auch der Arbeitsdruck auf die Beschäftigten. Während Konzerne immer größere Gewinne verzeichnen können, bleibt der Gewinn für die arbeitenden Menschen auf der Strecke. Österreichs Beschäftigte sind enorm fleißig – nur in Großbritannien und Zypern werden wöchentlich noch mehr Arbeitsstunden geleistet als bei uns. Trotzdem hat der Großteil der ArbeitnehmerInnen kaum Mitspracherecht bei der Arbeitszeit.

In vielen Firmen wurde es in den letzten Jahren als selbstverständlich erachtet, dass MitarbeiterInnen rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Profit stand oft an erster Stelle, und den Preis dafür zahlen die arbeitenden Menschen. Personalmangel und eine unfaire Verteilung der Arbeitszeit gefährden die
Gesundheit der Beschäftigten. Sie bekommen für ihre harte Arbeit zu wenig Ausgleich. Dabei wäre es ganz einfach: Klare Spielregeln, Mitbestimmung bei den Arbeitszeiten und mehr Freizeit müssen sein. Aus Sicht der AK darf Ausbeutung kein erfolgreiches Geschäftsmodell sein. Wir wollen, dass Österreich in Sachen Fairness bei den Arbeitsbedingungen Weltspitze wird.

Ein Recht auf Fairness, ein Recht auf Freizeit
Österreichs Vollzeitbeschäftigte haben 2018 im Durchschnitt 41,2 Stunden pro Woche gearbeitet. Im selben Jahr wurden 255 Millionen Mehr- und Überstunden geleistet! Das zeigt, dass die Arbeitszeit unfair verteilt ist: Die einen leisten Überstunden bis zum Umfallen, während die anderen (z. B. jede 2. berufstätige Frau) oft unfreiwillig in Teilzeit arbeiten oder arbeitslos sind. Kürzere Arbeitszeiten können hier Ausgleich schaffen.

Unter Hochdruck zum Burn-out
Fast 40 Prozent der Beschäftigten arbeiten immer oder häufig unter Zeitdruck – Tendenz steigend. Viele Menschen halten diesem Dauerstress nicht mehr stand: Burn-out, Depressionen sowie Herz-Kreislauferkrankungen sind die Folge. Wer von der Arbeit krank wird, ist nicht selbst daran schuld. Die Unter-nehmen müssen endlich ihrer Verantwortung nachkommen und dafür sorgen, dass MitarbeiterInnen am Arbeitsplatz gesund bleiben können, z. B. indem sie genügend Personal einstellen.

Was einen nicht umbringt, kann trotzdem krank machen
3 von 4 Beschäftigten sind in ihrer Arbeit zumindest einer körperlichen Gesundheitsgefahr ausgesetzt. Das hat schwerwiegende Konsequenzen: z. B. schmerzhafte Schäden an Muskeln, Sehnen und Gelenken und im schlimmsten Fall sogar arbeitsbedingte Krebserkrankungen. Dabei wäre es nicht schwierig, das zu verhindern. Nur wer gesunde Arbeitsbedingungen vorfindet, kann auch volle Leistung bringen. Gesundheit und Sicherheit der arbeitenden Menschen müssen immer Vorrang haben.

Mitbestimmung und Demokratie in der Arbeitswelt
Unternehmen mit einem Betriebsrat haben größeren wirtschaftlichen Erfolg, eine höhere Produktivität und ein besseres Arbeitsklima. Sogar ManagerInnen bestätigen, dass sich das Engagement von BetriebsrätInnen extrem positiv auf Arbeitsbedingungen und Arbeitsklima auswirkt. Auch was das sensible Thema Datenschutz betrifft, haben Unternehmen mit Betriebsrat die Nase vorn.

Lebensqualität heißt auch einmal abschalten dürfen
Der Arbeitsdruck steigt. Die arbeitenden Menschen erledigen immer mehr Aufgaben. Während die ArbeitnehmerInnen jeden Tag ihr Bestes geben, steht es mit der Qualität des Arbeitsumfeldes leider nicht zum Besten: Hier liegt Österreich nicht einmal im Mittelfeld der Industrienationen.
8 von 10 Beschäftigten sind auch in der Freizeit, im Urlaub oder im Krankenstand für die Arbeit erreichbar.
Lebenszeit ist ein hohes Gut, und die ArbeitnehmerInnen brauchen längere Erholungsphasen. Die AK fordert daher ein modernes Arbeitszeitrecht mit Mitbestimmung durch Betriebsräte und ArbeitnehmerInnen, planbaren Arbeitszeiten und einem Anspruch auf die 4-Tage-Woche.

Hitzeschutz am Arbeitsplatz
Die Anzahl der Hitzetage steigt kontinuierlich an und damit auch die gesundheitlichen Belastungen am Arbeitsplatz. Die AK fordert daher technische und organisatorische Schutzmaßnahmen durch die Arbeitgeber bei Arbeiten über 25 Grad Innentemperatur und ab 32 Grad Außentemperatur.

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