Gesunde Arbeit

Das Arbeitsgebäude als Krankmacher

Kaum jemand denkt bei länger andauernden gesundheitlichen Beschwerden unmittelbar an das Arbeitsgebäude als Quelle des Übels. Manchmal würde dies jedoch viel Leid ersparen. Denn: Auch Gebäude können krank machen.
Arbeitnehmerin bedeckt Augen mit Händen Sick-Building-Syndrom in Arbeitsgebäuden.

Frau H. ist verzweifelt. Seit zwei Monaten tränen ihr beim Arbeiten die Augen, die Nase läuft und ein Kratzen im Hals zwingt sie dazu, sich ständig zu räuspern. Ihr Hausarzt hat ihr zwar Medikamente verschrieben, diese scheinen aber nicht richtig zu helfen. „Seit diesem Umzug in das neue Bürogebäude bin ich völlig aus dem Gleichgewicht – damit hat das alles angefangen“, denkt sie sich.

Krank ohne Ursache?
Beim Sick-Building-Syndrom (SBS) entwickeln Beschäftigte in neu gebauten, neu bezogenen oder renovierten Bauten verschiedene unspezifische Symptome. Laut dem Arbeitsprogramm Psyche der gemeinsamen deutschen Arbeitsschutzstrategie müssen mindestens 20 Prozent der in einem Gebäude beschäftigten Personen Symptome zeigen, um von einem SBS zu sprechen. Objektive Ursachen sind meist keine zu finden: Werden Schadstoffmessungen durchgeführt, zeigen diese meist nur Belastungen unterhalb der Grenzwerte auf. Vom SBS ist die sogenannte Building Related Illness (BRI) abzugrenzen – bei dieser können die Symptome durch eine vorliegende schädliche Substanz erklärt werden.

Von Niesen über Müdigkeit bis Kopfschmerzen und Rheuma
Die Symptome des SBS sind vielfältig: Reizungen von Augen, Nase und Rachen, Trockenheitsgefühle, Beklemmungsgefühle in der Brust oder Hautreizungen sind Beispiele hierfür. Auch Kopfschmerzen, Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Gedächtnis-, Geruchs- und Geschmacksstörungen, Abgeschlagenheit, Gliederschmerzen oder rheumatische Beschwerden können auftreten. Wichtig in dem Zusammenhang: Verlassen die betroffenen ArbeitnehmerInnen das Gebäude, verbessern sich die Beschwerden oder verschwinden sogar völlig.

Des Rätsels Lösung – viele Möglichkeiten
Oft werden als Ursache des SBS leicht flüchtige, chemische Substanzen genannt, die jedoch nur in sehr geringen Konzentrationen vorhanden sind (zum Beispiel Formaldehyd oder Lösungsmittel). Auch mikrobielle (Schimmelpilze und Bakterien, verbreitet z. B. durch Klimaanlagen) oder klimatische Bedingungen (Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Zugluft) können Auslöser sein – selbst wenn Grenzwerte nicht überschritten werden. Ebenso physikalische und physiologische Einflüsse (Lärm, Schwingungen, ungünstige Arbeitsgestaltung) und nicht zuletzt psychische Belastungen (wie Arbeitsorganisation, Betriebsklima, Überforderung etc.) werden als Auslösefaktoren diskutiert. Klar ist: Menschen reagieren auf verschiedene Belastungen unterschiedlich sensibel.

Frau H. ist überglücklich – ihre Beschwerden sind wie weggeblasen. Arbeitsmedizinerin, Sicherheitsfachkraft und Arbeitspsychologe haben im Team das Gebäude genau unter die Lupe genommen, die Ursache gefunden und beseitigt.

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