Gesunde Arbeit

Frisch bleiben ohne Nebenwirkungen

Alle sprechen von CO2 (Kohlendioxid). Der Anstieg dieses Verbrennungsproduktes in der Atmosphäre von 170 bis 280 ppm vor der Industrialisierung auf nun 415 ppm ist die Hauptursache für die Klimaerwärmung. Ist CO2 auch in Arbeitsräumen eine unterschätzte Belastung?
Frau steht bei offenem Fenster CO2 in Arbeitsräumen ist eine vielfach unterschätzte Belastung für den Organismus – Lüften hilft!

CO2 ist erst ab 20.000 ppm (parts per million) toxisch, bei Mund-zu-Mund-Beatmung gibt man 40.000 ppm weiter – aber da geht es um den Erhalt von Lebensfunktionen. Schon ab 1.000 ppm sinkt unsere Aufmerksamkeit. Dadurch steigt die Zahl der Fehlleistungen und Unfälle, zum Beispiel, wenn wir vergessen, im Auto die Umluft nach einer Tunneldurchfahrt auszuschalten. Der Arbeitsplatzgrenzwert für acht Stunden (MAK) ist 5.000 ppm, ab 3.000 ppm muss bei Arbeit mit CO2 – z. B. mit Trockeneis – ein optischer und akustischer Alarm aktiv werden.

Lüften macht mehrfach Sinn
Fehlende Frischluft, die am leichtesten über eine CO2-Messung festzustellen ist, kann viele Folgewirkungen nach sich ziehen! Gesichert sind gesenkte Motivation, reduzierte Leichtigkeit des Denkens und erhöhte Müdigkeit bei – häufig in Büros messbaren – Werten zwischen 1.400 und 2.000 ppm. Bei über 2.000 ppm kann es zu Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen kommen. Ohne regelmäßiges Lüften würde sich die Raumluft mit Keimen, Gerüchen, Feinstaub durch Textilabrieb, Ausgasungen von Oberflächen wie Möbeln oder Böden sowie eingesetzten Chemikalien anreichern. Der menschliche Atem bewirkt ein Ansteigen der Luftfeuchtigkeit und kann zur Schimmelbildung beitragen.

Es gibt aber auch ein Zuviel an Lüften, wenn z. B. im Sommer Hitze hereingelüftet wird. Zwar wird der Luftzug als kühlend empfunden, aber man bringt immer mehr Wärme herein. Bei sehr kalten Außentemperaturen sinkt bei ständig gekipptem Fenster im Winter die Luftfeuchtigkeit in Büros oft auf ca. 20 %. Das Austrocknen der Schleimhäute ist die Folge, das führt zu Augenbrennen, Hustenanfällen, Erkältungskrankheiten usw. Üble Gerüche oder Gestank können zum Dauerlüften motivieren und so die daraus resultierenden Symptome verursachen.

Geruchsquellen sollten deshalb möglichst beseitigt werden, und es sollte auf Stoßlüften umgestellt werden. Bei Fortbestand der Beschwerden kann eine arbeitsmedizinische Analyse eingeholt werden.


Kombinierte Messung von CO2, Temperatur und Feuchte
Am besten misst man CO2, Temperatur und Feuchte kombiniert (CO2-Ampeln gibt es ab ca. 140 Euro). „Schlechte Luft“ zu verspüren kann aber auch andere Gründe haben: ein schlechtes Betriebsklima, Psychosomatik (vor allem Angst und fehlende Mitsprache), aber auch eine bedrückende Architektur. Moderne Klimaanlagen sind bei richtiger Wartung und Steuerung (nicht zu viel und nicht zu wenig) eine gute Lösung.

Hitze und Unwetter machen klar, dass wir alles unternehmen müssen, um katastrophale Entwicklungen durch steigende CO2-Werte in der Atmosphäre zu vermeiden. Ein schleichender Anstieg in unseren Büros ist ein stiller Beeinträchtiger von Wohlbefinden und Leistung. CO2 zu messen, die vorhandenen Möglichkeiten zu effizienter Lüftung zu nutzen und gegebenenfalls technisch nachzurüsten, lohnt sich daher.

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