Gesunde Arbeit

AK: Überlanges Arbeiten ist krankheitsfördernd, Ausgleich dringend notwendig

Schlafstörungen, Herz-Kreislauf-Beschwerden, Muskel-Skelett-Erkrankungen: Überlange Arbeitstage begünstigen solche Krankheiten. Ein Ausgleich ist dringend notwendig laut AK-Präsidentin Renate Anderl.
AK Präsidentin Renate Anderl
AK Präsidentin Renate Anderl AK Präsidentin Renate Anderl

Laut Fehlzeitenreport 2019 ist die große Mehrheit der Krankenstände nur wenige Tage lang. So dauerten 2018 – so die aktuell verfügbaren Zahlen – rund 40 Prozent aller erfassten Krankenstandsfälle weniger als vier Tage. Aber: „Es gibt auch Krankmacher, die sich gravierend auf die Krankenstandsdauer auswirken. Dazu zählen insbesonders überlange Arbeitszeiten. Zu diesem Ergebnis kommen zahlreiche Untersuchungen“, sagt AK-Präsidentin Renate Anderl. Politische Entscheidungen haben die Türe zu noch längerem Arbeiten weit aufgemacht und damit die Arbeitsbelastung massiv erhöht. „Das muss kompensiert werden, denn Arbeit darf nicht krank machen“, sagt Anderl und fordert eine vorurteilsfreie Diskussion über Möglichkeiten, die Arbeitszeit zu verkürzen und die 6. Urlaubswoche leichter erreichbar zu machen. Arbeitszeitverkürzungen verbunden mit mehr Personaleinsatz schaffen erwiesenermaßen Abhilfe. So gingen durch die Umstellung von einem 4-Schichtbetrieb auf einen 5-Schichtbetrieb, in denen die Arbeitszeiten pro Schicht verkürzt wurden, die Krankenstände signifikant zurück.

Überlange Arbeitszeiten haben beträchtliche Auswirkungen auf die Gesundheit der betroffenen Beschäftigten. Insbesondere Schichtdienste, Nachtarbeit nagen an der Gesundheit. Schlafstörungen, Herz-Kreislaufbeschwerden, Muskel-Skeletterkrankungen, Magenbeschwerden oder Diabetes sind oft die Folge.


Hier einige Fakten:

  • Bei jeder Art der Arbeit nimmt mit der Dauer der täglichen Arbeitszeit die Ermüdung progressiv zu. Während eines 12-Stunden-Tages ist der Ermüdungszuwachs dreieinhalb Mal (!) höher als an einem arbeitsfreien Tag. Nach zwei aufeinander folgenden Tagen mit je 12 Stunden Arbeitszeit, braucht man drei (!) freie Tage, um sich vollständig zu erholen.
  • Bei praktisch jedem Menschen ist ab der 10. Stunde ein deutlicher Leistungsknick festzustellen – einschließlich einer erhöhten Unfallgefahr im Beruf oder im Straßenverkehr.
  • Ab der 9. Stunde nimmt das Unfallrisiko mit jeder Stunde stärker zu. In der 12. Stunde liegt das Unfallrisiko um 70 Prozent (!) höher. Pausen können das Unfallrisiko senken,
  • aber nicht ausgleichen.
  • Wird in der 13. Stunde die Heimfahrt mit dem Pkw angetreten, liegt das Verkehrsunfallrisiko bei fast dem Fünffachen – das ist so, als ob man mit einem Alkoholspiegel von 0,8 Promille fahren würde.
  • Es besteht auch kein positiver Zusammenhang zwischen Arbeitszeit und Produktivität. Eine Untersuchung in 18 Industriebranchen in den USA konnte nachweisen, dass in fast allen Sektoren der Einsatz von Überstunden in den Betrieben zu einer Reduktion der durchschnittlichen Produktivität führte.

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