Gesunde Arbeit

Stolperfalle Homeoffice: Darauf müssen Beschäftigte jetzt achten

Um die Verbreitung von COVID-19 einzudämmen, arbeiteten viele Beschäftigte von zu Hause aus: Die Homeoffice-Quote stieg seit Corona von 10 auf 40 Prozent. Die Beschäftigten sehen Vorteile im Arbeiten von zu Hause aus und wünschen sich das auch künftig, zumindest tageweise.

Probleme gibt es aber bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. „Homeoffice führt nicht automatisch zu mehr Zufriedenheit oder weniger Stress“, betont AK-Präsident Peter Eder. „Damit das Potenzial voll genutzt werden kann, braucht es klare Regeln und eine gute Vorbereitung.“ Aus diesem Grund hat die Arbeiterkammer Salzburg jetzt die Broschüre „Home Office“ herausgegeben. „Mit diesem Ratgeber beantworten wir nicht nur die wichtigsten Fragen, darüber hinaus erhalten die Beschäftigten ein Rüstzeug, um die Chancen und Risiken von Homeoffice selbst abschätzen zu können. Denn klar ist: Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben“, so Eder.

Homeoffice ist kein Phänomen, welches erst durch die Corona-Krise in Erscheinung getreten ist. Diese Arbeitsform gab es schon davor, wurde aber nur von 10 Prozent der Beschäftigten genützt. Erst durch das Ausbrechen von COVID-19 stieg die Homeoffice-Quote rapide an: Fast jeder zweite Beschäftigte (42 Prozent) arbeitete während des Lockdowns von zu Hause aus. „Homeoffice wurde vom Großteil der Beschäftigten positiv bewertet, doch es tauchten mit fortlaufender Dauer immer mehr Probleme und Fragen auf“, so AK-Präsident Peter Eder. „Das Ursache: Homeoffice ist kaum gesetzlich geregelt.“

Mit einer brandaktuellen Broschüre leuchtet die Arbeiterkammer Salzburg die Grauzone Homeoffice aus und beantwortet die häufigsten Fragen aus dem Beratungsalltag. Die Beschäftigten erhalten das Rüstzeug, um Chancen wie Risiken selbst abschätzen zu können sowie Checklisten mit den wichtigsten Infos zum Arbeiten in den eigenen vier Wänden.

Tausende Beratungen zu Homeoffice
Bei der Erstellung der Broschüre war es ein zentrales Anliegen, aus dem Erfahrungsschatz des AK-Beratungsalltags zu schöpfen – und dieser ist groß: In den ersten sechs Wochen nach Beginn des Lockdowns führte die Arbeiterkammer Salzburg 50.000 Beratungen durch. „Ein erheblicher Teil der Fragen drehte sich auch um das Homeoffice“, bestätigt Heimo Typplt, Leiter der AK-Rechtsberatung. „Es war ganz klar ersichtlich, dass die Beschäftigten als auch die Betriebe vom Homeoffice überrumpelt wurden. Von heute auf morgen wurde der Esstisch zum Büro, die eigenen 4 Wände zum Arbeitsplatz, ohne sich davor über die Rahmenbedingungen genauer Gedanken machen zu können.“ Die für viele neue Situation warf und wirft bis heute noch zahlreiche Fragen auf – zum Beispiel: Wie sind Arbeitszeiten zu regeln? Wer zahlt für Internet, Handy, Strom etc.? Muss mir der Arbeitgeber Büromaterialien zur Verfügung stellen? Was ist mit dem Datenschutz? Wer haftet bei einem (Arbeits-)Unfall? Antworten auf die brennendsten Fragen zum Homeoffice liefert der neue AK-Ratgeber. Zusätzlich geben Checklisten einen Überblick über die wichtigsten Punkte, die in einer Homeoffice-Vereinbarung zwischen ArbeitgeberIn und ArbeitnehmerIn geregelt werden sollen. „Da das Arbeiten von zu Hause aus auf Freiwilligkeit basiert und nicht einseitig angeordnet werden kann, ist es ganz wichtig, eine schriftliche Vereinbarung abzuschließen“, so Heimo Typplt.

Homeoffice nur tageweise gewünscht
Neben arbeitsrechtlichen Anfragen beinhaltet die neue Broschüre auch Praxis-Tipps, wie die psychische und physische Gesundheit auch im Homeoffice bewahrt werden kann. „Das Arbeiten in den eigenen vier Wänden führt nicht automatisch zu weniger Stress“, erklärt Karin Hagenauer, Leiterin des Referats Arbeitsbedingungen und ArbeitnehmerInnenschutz in der Arbeiterkammer Salzburg. „Gerade der Corona-Lockdown hat gezeigt, dass es bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie in den eigenen vier Wänden Probleme gibt – Stichwort: Kinderbetreuung. Es ist enorm belastend, wenn die Grenzen zwischen beruflich und privat immer mehr verschwimmen.“ So scheint es nicht zu überraschen, dass laut einer Umfrage von karriere.at 72 Prozent der Beschäftigten nur tageweise, nicht Vollzeit, in Homeoffice arbeiten möchten. 2 von 3 Befragten ist es zudem wichtig, dass sie den Kontakt zu den Kollegen im Betrieb nicht verlieren. „Der regelmäßige persönliche Kontakt mit den Kolleginnen und Kollegen ist gerade im Homeoffice enorm wichtig. Dieser bietet Halt und kollegiale Unterstützung in Zeiten großer Herausforderungen“, so Karin Hagenauer.

Betriebsräte als wichtige Anlaufstelle
„In der Corona-Krise wurde ein weiteres Mal die Wichtigkeit von Betriebsrätinnen und -räten unterstrichen“, so Peter Eder. „In Unternehmen mit Betriebsrat funktionierte das Umsetzen von Home Office deutlich besser und es gab im Nachhinein weniger Beschwerden.“ Das liegt vor allem daran, dass in Absprache mit dem Betriebsrat bereits vor Corona eine entsprechende Betriebs- bzw. Rahmenvereinbarung getroffen worden ist. Gab es eine solche nicht, setzten sich Betriebsräte dafür ein, dass Homeoffice im Sinne der Beschäftigten ausgelegt wird. „Um die Belegschaftsvertreter bei ihrer Arbeit zu unterstützen, beinhaltet der Ratgeber ein eigenes Kapitel, dass sich mit dem A und O einer Betriebsvereinbarung beschäftigt, um für zukünftige Herausforderungen gewappnet zu sein“, so Eder. „Bleiben dennoch Fragen offen, stehen Arbeiterkammer und Gewerkschaft telefonisch und persönlich mit Rat und Hilfe zur Seite.“

Klare Regelungen im Sinne der Beschäftigten
Corona hat gezeigt, dass Homeoffice auch in Zukunft eine immer größere Rolle spielen wird. Der Wunsch der Beschäftigten selbst nach Arbeit von zu Hause aus ist durchaus groß. Überdies kann zeitweises Homeoffice auch Zeit und Wege sparen, Pendler entlasten und einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. „Damit die Vorteile und das Potenzial von Homeoffice genutzt werden können, braucht es klare Regeln, Freiwilligkeit und entsprechend gute Arbeitsbedingungen. Homeoffice bietet Chancen, wenn die Arbeit im Sinne der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer geregelt wird. Auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist ebenso Rücksicht zu nehmen, wie generell auf Fragen der Arbeitszeit, denn Berufliches und Privates verschwimmen in der modernen Arbeitswelt immer mehr. Auch in Zukunft braucht es ein gemeinsames Arbeiten mit Kolleginnen und Kollegen über die virtuelle Welt hinaus. Das ist der Schlüssel zu und Voraussetzung für gelebte Mitbestimmung im Betrieb“, so Eder, der in diesem Zusammenhang die aktuellen Homeoffice-Verhandlungen erwähnt. „Es ist erfreulich, dass Arbeiterkammer und Gewerkschaft in der Rolle als Sozialpartner von der Regierung beauftragt wurden, klare Regelungen zu erarbeiten. Für uns ist es enorm wichtig, dass diese auch vom Gesetzgeber umgesetzt werden. Denn Homeoffice darf kein Mittel der Unternehmen werden, sich Kosten zu sparen und gleichzeitig mehr Arbeitsleistung von den Beschäftigten zu generieren. Homeoffice schön und gut, aber nicht auf Kosten der Beschäftigten.“

Die zentralen Forderungen

  • Schaffung eines eigenen Gesetzes für Homeoffice, das rechtliche Unklarheiten endlich beseitigt
  • Homeoffice muss grundsätzlich freiwillig sein, es braucht Vereinbarungen zwischen Beschäftigten und Arbeitgebern – und keine Anordnungen
  • Arbeitsmittel müssen vom Arbeitgeber gestellt werden
  • Auch im Homeoffice müssen ArbeitnehmerInnenschutzbestimmungen gelten
  • Ein Krankenstand bleibt auch im Homeoffice ein Grund, nicht zu arbeiten
  • Homeoffice ist Arbeit und nicht Kinderbetreuung: Neben Homeoffice noch andere Aufgaben zu haben wie Homeschooling oder Haushalt geht zulasten der Frauen – denn sie sind es wohl in der Mehrzahl – und der Kinder. Daher sind klare Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit wichtig.

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