Gesunde Arbeit

Frauenarbeit: Einfach und sicher?

Arbeit, die Frauen verrichten, wird häufig noch als weniger gefährlich angesehen als Arbeit, die Männer verrichten. Tätigkeiten von Frauen sind seltener mit akuten Gefahren wie einem schweren Arbeitsunfall assoziiert, häufiger dagegen mit Belastungen, deren Folgen sich erst nach längerer Zeit zeigen können.
Bei der Reinigung von Büroräumen ist die akute Unfallgefahr geringer, jedoch ist die chronische Belastung der Arbeitnehmerinnen höher.
weibliche Reinigungskraft Bei der Reinigung von Büroräumen ist die akute Unfallgefahr geringer, jedoch ist die chronische Belastung der Arbeitnehmerinnen höher.

Auswirkungen dieser Art von Belastungen können chronische Schäden des Muskel-Skelett-Systems oder auch stressbedingte Erkrankungen sein.

Reinigungsdienstleistungen umfassen eine große Zahl unterschiedlicher Tätigkeiten, von der Fenster- und Fassadenreinigung über die Reinigung von Wartungsschächten bis hin zur täglichen Grundreinigung. Die ersten Beispiele stehen mit der sehr offensichtlichen, akuten Absturzgefahr in enger Verbindung. Diese Tätigkeiten werden meist von Männern ausgeübt. Dagegen wird die Reinigungstätigkeit von Büroräumen überwiegend von Frauen übernommen. Diese Arbeiten sind deutlich weniger durch akute Unfallgefahren bedroht, jedoch mit einer Vielzahl an chronischen Belastungen der Beschäftigten verknüpft.


Beispiele für chronische Belastungen

  • Belastung des Muskel-Skelett-Systems durch häufige repetitive Bewegungsabläufe (z. B. Heben, Tragen, Ziehen und Schieben)
  • Möglichkeit der Schädigung der Haut durch Reinigungsmittel
  • Gefahr des Aufweichens der Haut und der Zerstörung ihres schützenden Mikrobioms durch übermäßigen Wasserkontakt oder langes Tragen von Handschuhen
  • Möglichkeit der Schädigung der Atmungsorgane durch inhalierte Dämpfe von Reinigungsmitteln
  • Gefahr von Schnittverletzungen durch spitze oder scharfkantige Abfälle
  • Exposition gegenüber biologischen Arbeitsstoffen oder Krankheitserregern
  • Psychische Belastungen aufgrund ungünstiger Arbeitszeiten und deren Auswirkungen für Kommunikation und soziale Beziehungen
  • Stress durch Arbeitspensum und Zeitdruck
  • Unsichtbarkeit der Tätigkeit

Erkrankungen
Während bei einem Arbeitsunfall Ursache und Wirkung in einem zeitlich engen und leicht erkennbaren Zusammenhang stehen, ist es beim Auftreten chronischer Erkrankungen oft schwieriger, die Ursache eindeutig zu ermitteln. Meist handelt es sich um sehr lange Zeiträume, in denen die Belastung chronisch auf die erkrankte Person einwirken konnte und die die Feststellung eines ursächlichen Zusammenhanges erschweren oder unmöglich machen.

Gesundheitsgefahren und gesellschaftliche Anerkennung
Akuten Gesundheitsgefahren wird seitens der Gesellschaft derzeit noch ein wesentlich höherer Stellenwert eingeräumt als jenen, die durch chronische Belastungen entstehen und sich erst Jahre oder Jahrzehnte später manifestieren. Arbeit, die Frauen verrichten, wird daher häufig noch als weniger gefährlich angesehen.

Die gesellschaftliche Anerkennung von Reinigungsarbeit zu stärken und Reinigungsarbeit sichtbar zu machen, ist wichtig. Zudem ist es an der Zeit, dass sich unser Gefahrenbewusstsein im Sinne eines umfassenden und für alle gleich wirksamen Arbeitnehmer- und Arbeitnehmerinnenschutzes erweitert.

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