Gesunde Arbeit

Mehr Arbeitskräfte durch bessere Arbeitsbedingungen

Erwerbstätige Menschen verbringen viele Stunden ihrer Lebenszeit in der Arbeit. Die Arbeitsbedingungen prägen daher in vielerlei Hinsicht ihr Wohlergehen. AK Präsidentin Renate Anderl: „Wir wollen darüber reden, wie man Arbeitszeiten und damit Arbeitsbedingungen zum Wohl und zum Profit aller gestalten kann.“ Die Arbeitszeit-Forschungs- und Beratungs-Gesellschaft XIMES stellt heute die Ergebnisse der wissenschaftlichen Evaluierung der 30-Stunden-Woche bei eMagnetix vor.
Ein nicht gedeckter Bedarf an Arbeitskräften muss für die Unternehmen der Anstoß sein, sich stärker an den Arbeitszeitwünschen der Menschen zu orientieren.
Pressekonferenz der AK Wien Ein nicht gedeckter Bedarf an Arbeitskräften muss für die Unternehmen der Anstoß sein, sich stärker an den Arbeitszeitwünschen der Menschen zu orientieren.

Viele Unternehmer:innen und ihre Vertretungen klagen regelmäßig über angeblichen Arbeitskräftemangel, sie sind aber selbst nicht bereit, Entgelt und Arbeitsbedingungen zu verbessern. Dabei haben sie es in der Hand: Ausbildung, Weiterbildung, gute Arbeitsbedingungen, die eine gute Work-Life-Balance ermöglichen – das nutzt allen. Immer mehr Betriebe erkennen das. AK Präsidentin Renate Anderl ist davon überzeugt: „Eine gute Zukunft in der Arbeitswelt für alle Beteiligten, Betriebe und Beschäftigten, liegt in kürzeren Arbeitszeiten, daran wird kein Weg vorbei führen.“

Dass Arbeitszeitverkürzung tatsächlich einen großen Anteil an Produktivität, Zufriedenheit und mehr hat, hat die Arbeiterkammer anhand eines Beispiels nun auch wissenschaftlich belegt. Die Online-Marketing-Agentur eMagnetix hat 2018 als Reaktion auf einen Mangel an Bewerber:innen die 30-Stunden-Woche eingeführt, und das bei vollem Lohnausgleich. Die Arbeitszeit-Forschungs- und Beratungs-Gesellschaft XIMES hat die Umstellung mit Unterstützung der Arbeiterkammer wissenschaftlich begleitet.


Best-practice: Die 30-Stunden- und 4-Tage-Woche bei eMagnetix „Vor sechs Jahren hatten wir keine Chance mehr zu wachsen“, sagt Klaus Hochreiter, Geschäftsführer von eMagnetix. „Wir hatten vor Einführung der 30-Stunden-Woche 12 Mitarbeiter:innen, Ende diesen Jahres werden es 40 sein. Vor sechs Jahren hatten wir für eine Junior-Stelle zehn Bewerbungen, jetzt bis zu 100. Für eine Senior-Stelle hatten wir vor zehn Jahren keine Bewerbung, jetzt bis zu 80. Das ist absoluter Luxus und ein klarer Wettbewerbsvorteil. Aber vor allem können wir mit diesen attraktiven Arbeitsbedingungen die Mitarbeiter:innen auch halten. Sie sagen klar: Ich will nie wieder 40 Stunden pro Woche arbeiten.“ Die Produktivität wuchs um 34 Prozent. „Der Großteil geht auf die 30-Stunden-Woche zurück.“ sagt Hochreiter.

… aus wissenschaftlicher Sicht Die Ergebnisse der begleitenden wissenschaftlichen Evaluierung durch die Firma XIMES beeindrucken. Anna Arlinghaus berichtet, dass die tatsächlichen Arbeitszeiten nachhaltig verkürzt wurden, insbesondere die Tageslänge. Die Beschäftigten fangen weiterhin um etwa die gleiche Zeit an, hören jedoch deutlich früher auf zu arbeiten. Pausen werden vorrangig aus sozialen Gründen weiterhin genommen, auch wenn dies bei einem 6-Stunden-Tag rein rechtlich nicht notwendig wäre.

Die Arbeitszeitverkürzung hat sich zudem sehr positiv auf Zufriedenheit, Motivation und Work-Life-Balance der Beschäftigten ausgewirkt:

  • Über 90 Prozent der befragten Belegschaft sind zufriedener mit ihrer Arbeitszeit und berichten von einer deutlich besseren Work-Life-Balance.
  • Knapp 90 Prozent verbringen aufgrund der kürzeren Arbeitszeit mehr Zeit mit der Familie und mit Hobbys.
  • Etwa 2/3 der Befragten wenden mehr Zeit für gesunde Ernährung auf, 43 Prozent haben mehr Zeit für Weiterbildung außerhalb der Arbeit, und 40 Prozent schlafen länger.
  • Die Arbeitsaufgaben können dabei trotz der kürzeren Arbeitszeit ohne zu hohe Belastung oder Ermüdung erledigt werden.

Mit besseren Arbeitsbedingungen Arbeitskräftebedarf decken Ein nicht gedeckter Bedarf an Arbeitskräften muss für die Unternehmen der Anstoß sein, sich stärker an den Arbeitszeitwünschen der Menschen zu orientieren. Wie die Erfahrungen von eMagnetix zeigen, machen kürzere Arbeitszeiten die Menschen nicht nur gesünder und zufriedener, sondern auch produktiver. Daher fordert die AK vom Bundesminister für Arbeit und Wirtschaft, Anstrengungen für eine Arbeitszeitverkürzung zu unternehmen und sozialpartnerschaftliche Gespräche darüber aufzunehmen. Die AK schlägt zwei kurzfristig realisierbare Ansätze vor: Das AK-ÖGB-Modell „Familienarbeitszeit“ und das „Solidaritätsprämienmodell“.

Mehr darüber im Download „Presseunterlage der Pressekonferenz 7.11.2022“.

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