Gesunde Arbeit

Prävention – auch bei Industrie 4.0 wichtig

„Gesunde Arbeit“ im Gespräch mit Dipl.-Ing. Georg Effenberger. Er leitet die Abteilung Prävention in der Hauptstelle der AUVA, ist verantwortlich für die Unfallverhütung und Berufskrankheitenbekämpfung sowie für das Forum Prävention. Prävention ist immer eine Investition in die Zukunft unserer Gesundheit und Sicherheit.
Hildegard Weinke (AK Wien) im Gespräch mit Georg Effenberger.
Dipl.-Ing. Georg Effenberger leitet die Abteilung Prävention in der Hauptstelle der AUVA Hildegard Weinke (AK Wien) im Gespräch mit Georg Effenberger.

Das Forum Prävention gilt als ein Highlight des Jahres. Was gibt es diesmal Neues?
Effenberger: Heuer haben wir die beiden Schwerpunkte „Arbeiten in einer digitalen Welt“ und „Übermüdung“, beides ganz aktuelle Themen. Viele reden von der Digitalisierung, von Industrie 4.0 oder ähnlichen Begriffen, wir wollen allerdings der Frage nachgehen, was diese Entwicklungen für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit bedeuten. Dabei wollen wir neben technischen Fragen auch beleuchten, was dies für die Organisation und Struktur von Betrieben bedeuten wird. Beim Thema „Übermüdung“ sind wir dann wieder nahe an der Frage der Arbeitszeit, auch ein gerade heiß diskutiertes Thema in Österreich. Aus Sicht der Prävention ist klar: Länger als acht Stunden arbeiten bedeutet ein höheres Unfallrisiko in der Arbeit, aber natürlich auch im Straßenverkehr.

Arbeitsbedingte Krebserkrankungen werden der AUVA nur selten als Berufskrankheit gemeldet. Welche Maßnahmen braucht es, um hier die hohe Dunkelziffer zu verringern?
Effenberger: Leider ist es tatsächlich so, dass die Meldung eines Verdachtes einer Berufskrankheit viel zu oft nicht erfolgt. Hier müssen wir alle, die im Bereich Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit tätig sind, alle beteiligten Berufsgruppen, im Besonderen die Ärzte, sensibilisieren und informieren. Leider halten sich auch Mythen nach wie vor hartnäckig, z. B. dass man nach so einer Meldung den Beruf aufgeben muss. Wir wollen in den nächsten Jahren aber nicht nur die Dunkelziffer deutlich verkleinern, wir wollen vor allem die Erkrankungen reduzieren. Daher wird sich unsere nächste Kampagne 2018/2019 mit den gefährlichen Arbeitsstoffen und nötigen Vorsichtsmaßnahmen beschäftigen.

Die Arbeitswelt verändert sich – Stichwort Digitalisierung. Was muss für menschengerechte Arbeit 4.0 getan werden?
Effenberger: Wie schon zuerst angesprochen, kann das Thema Digitalisierung ein sehr weitreichendes für die Arbeitswelt sein. Für menschengerechte Arbeit muss man sich jedenfalls mit den Fähigkeiten, Voraussetzungen und Bedürfnissen der Menschen auseinandersetzen und nicht nur die technische Machbarkeit im Blick haben. Aber auch in der technischen Umsetzung werden wir die Arbeitssicherheit der Beschäftigten stark im Fokus haben müssen. Zum Beispiel werden in weitgehend automatisierten Fabriken zwar weniger Menschen im Einsatz sein, Wartung und Instandhaltung werden jedoch wichtiger. Gerade hier passieren aber überdurchschnittlich viele Unfälle, also werden wir dafür gute Lösungen brauchen. Und auch die Frage nach dem Zusammenhang von Datensicherheit und Arbeitssicherheit wird uns noch vor ein paar Herausforderungen stellen. Darüber hinaus wirft die Digitalisierung aber auch gesellschafts- und sozialpolitische Fragen auf, denen wir uns stellen müssen. Prognosen sagen uns, dass in vielen Bereichen Arbeitsplätze verloren gehen könnten. Auch darauf werden wir Antworten brauchen, das geht jedoch über den Bereich der Prävention weit hinaus.

Auch die Forschung darf nicht vernachlässigt werden. Woran forscht die AUVA als Beitrag zu gesundem und sicherem Arbeiten?
Effenberger: Forschung hat sich auch für die AUVA in den letzten Jahren weiterentwickelt. Wir sind seit 2013 Mitglied in der europäischen Forschungspartnerschaft PEROSH und bearbeiten gemeinsam mit 13 anderen Partnern Forschungsthemen wie z. B. die Fragen zur UV-Strahlung oder zu Analysemethoden von Muskel- und Skeletterkrankungen. In anderen Forschungsprojekten beschäftigen uns aber auch Themen einer großen Bandbreite, wie z. B. die Verbesserung der Sicherheitskultur, die Wirkung elektromagnetischer Felder, die Risiken von kollaborativen Robotern usw.

Wir hörten, AUVAsicher braucht zur Erfüllung ihres Beratungsauftrags mehr Personal und Budget. Welche Maßnahmen setzen Sie?
Effenberger: Intern versuchen wir natürlich, die Organisation so effektiv und effizient wie möglich zu gestalten. Wir sind schon recht weit gekommen, da ist nicht mehr viel Potenzial zu heben. Es ist jedoch auch für die Prävention in der AUVA schwierig, mehr Mittel zu bekommen, wenn der Gesetzgeber die Einnahmen der Unfallversicherung senkt und zusätzlich die Regierung neue finanzielle Belastungen ankündigt, Stichwort Erhöhung der Entgeltfortzahlung für Kleinstbetriebe. Bereits seit einiger Zeit haben wir aber auch die Risikoorientierung verstärkt. Praktisch heißt das, dass wir risikoreichere Branchen verstärkt betreuen, risikoarme dagegen weniger intensiv.

Prävention aus einer Hand: In Deutschland sind die Unfallversicherungen darin erfolgreich. Wieso kümmert sich die AUVA nicht um die Prävention von arbeitsbezogenen Erkrankungen?
Effenberger: Wir kümmern uns im Rahmen unseres gesetzlichen Auftrages durchaus um arbeitsbezogene Erkrankungen. Gerade im Bereich der Kleinbetriebe, also bei AUVAsicher, haben wir auch den unmittelbaren Auftrag dazu. Wir haben aber auch Programme wie z. B. AUVAfit im Angebot, die hier schöne Erfolge in den Betrieben bewirken können. AUVAfit kann in zwei Bereichen besonders helfen: Erstens kann die Ergonomie an Arbeitsplätzen deutlich verbessert werden, zweitens können wir psychische Belastungen gezielt optimieren. Wenn man will, dass wir uns um die Prävention von weiteren arbeitsbedingten Erkrankungen noch stärker kümmern, dann muss uns der Gesetzgeber den Auftrag und auch die Finanzierung dazu geben.

Ich danke für das Gespräch!
Interview: Hildegard Weinke, AK Wien

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