Gesunde Arbeit

Gestaltung des digitalen Wandels

Die soziotechnische Gestaltung des digitalen Wandels war Thema des 63. Frühjahrskongresses der Gesellschaft für Arbeitswissenschaft (GfA) in der Schweiz. Ein Team der „Gesunden Arbeit“ war vor Ort.
Hildegard Weinke und Alexander Heider von der „Gesunden Arbeit“ beim Frühjahrskongress der GfA
Hildegard Weinke und Alexander Heider von der „Gesunden Arbeit“ beim Frühjahrskongress der Gesellschaft für Arbeitswissenschaft Hildegard Weinke und Alexander Heider von der „Gesunden Arbeit“ beim Frühjahrskongress der GfA

Die Gesellschaft für Arbeitswissenschaft vereint verschiedene Wissenschaftsbereiche wie z. B. Arbeitsphysiologie, Arbeitspsychologie, Ergonomie, Arbeitsmedizin, Sicherheitstechnik und Ingenieurwesen. Dementsprechend standen Fragen der kreativen, innovativen und sinnhaften Arbeitsgestaltung im Mittelpunkt des Kongresses.

Taylorismus 4.0
Der Taylorismus 4.0 kam zur Sprache. Kennzeichnend für den Taylorismus (um 1900) waren die Ansätze der Arbeitsteilung, Monotonie, die Vorgabe von einem Arbeits- und Lösungsweg („one best way“), Zeitvorgaben, Akkordlohn und keinerlei Persönlichkeitsförderlichkeit bei der Arbeit. Dieser Arbeitsgestaltungsansatz wird seit ca. 1970 als nicht menschengerecht angesehen. Durch die Digitalisierung und den vermehrten Einsatz von Robotern in der Arbeit besteht die Gefahr einer Rückkehr zu tayloristischen Arbeitsweisen.
Die „Ironie der Automatisierung“ war ebenfalls Thema. Mit Ironie ist gemeint, dass je mehr wir automatisieren und damit die Komplexitätsanforderungen zunehmen, wir die Automatisierung immer weniger verstehen, da sie sich von selbst weiterentwickelt.
Die Frage nach fehlerbasiertem Lernen wurde daraufhin diskutiert. Wer Fehler macht, lernt daraus. Dies wird durch die Automatisierung und das „Nicht-mehr-selbst-ausprobieren-Können“ unterbunden. In Zukunft wird daher die vermehrte und genaue Dokumentation von Lösungswegen und der Störungsbehebungen notwendig sein.

Wofür brauchen wir den Menschen?
Prof. Dr. Oliver Bendel von der Hochschule für Wirtschaft der FHNW hielt fest, dass der digitale Wandel sowohl die Menschzentriertheit mit den Treibern ArbeitnehmerInnenschutz und Gesundheitsförderlichkeit als auch die Technikzentriertheit, also die Machbarkeit und Verwertbarkeit beinhaltet. Im Idealfall kommt es zur Transaktion, in der die Arbeit im Vordergrund steht. Mensch- und Technikaspekte zielen dann auf den geteilten Nutzen für die Arbeit ab.
In weiterer Folge fragte Bendel: „Wofür brauchen wir noch den Menschen?“ aus der Perspektive der Maschinen. Der Mensch wird weiterhin gebraucht, z. B. um für den Saugroboter Schmutz zu hinterlassen. Der pflegebedürftige Mensch stellt die Aufgabe für den Pflegeroboter dar. Der Kooperationsroboter arbeitet mit dem Menschen an einem gemeinsamen Ziel. Der Mensch wird unter anderem für den prüfenden Blick nach dem „Zwei-Augen- und Roboterkamera(s)-Prinzip“ benötigt. Bei der Delegation von Arbeit bleiben dem Menschen also Aufgaben. Es wird jedoch darauf zu achten sein, dass der Mensch nicht Sklave der Maschinen wird.

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