Gesunde Arbeit

Jährlich 1.800 Tote durch Krebs-Stoffe bei der Arbeit

EU nimmt zwar chemische Stoffe ins Visier, muss aber noch viel mehr tun! Regierung muss EU-Ratspräsidentschaft nutzen, um die Prävention bei chemischen und krebserzeugenden Schadstoffen voranzutreiben.

Die tägliche Bereitschaft, unter großem Risiko zu arbeiten, bezahlen viele Beschäftigte mit ihrem Leben. In Österreich sterben jedes Jahr 1.800 Menschen an Krebs, der von Arbeitsstoffen ausgelöst wurde – in der EU mehr als 100.000 Menschen. Die EU legte jetzt auf Druck der europäischen Gewerkschaften für 44 chemische Schadstoffe Grenzwerte fest, die auch in Österreich per Verordnung umgesetzt werden sollen. „Das kann aber nur ein Anfang sein. Die Regierung muss die EU-Ratspräsidentschaft nutzen, um die Prävention bei chemischen und krebserzeugenden Schadstoffen voranzutreiben. Die Karzinogene-Richtlinie muss beispielsweise dringend von derzeit 14 auf 50 Stoffe erweitert werden,“ pocht AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer auf rasche Maßnahmen.

Das Ziel der neuen Verordnung zu chemischen Arbeitsstoffen ist die Verhinderung von Erkrankungen und krebsbedingten Todesfällen. Mit der Festlegung von 44 Grenzwerten wurde die Prävention bei der Arbeit mit chemischen Schadstoffen verbessert: Die Betriebe in der Metall- oder Kunststoffverarbeitung, der chemischen Industrie, im Baugewerbe und der Gesundheitsbranche müssen nun die Belastungen mit chemischen Schadstoffen minimieren, regelmäßig die Belastungen der Beschäftigten kontrollieren und krebserzeugende Arbeitsstoffe auf Ersatz prüfen. Wo immer möglich, müssen gefährliche Arbeitsstoffe durch weniger oder nicht gefährliche Stoffe ersetzt werden.

Die Regulierung von 14 krebserzeugenden Arbeitsstoffen kommt in Österreich mindestens 200.000 ArbeitnehmerInnen zugute. Allerdings gibt es noch viel zu tun – diese Liste ist rasch um weitere 36 krebserzeugende Stoffe zu erweitern. Damit wären 80 Prozent der arbeitsbedingten Expositionen umfasst. AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer: „Österreich hat jetzt die große Chance, mit dem EU-Vorsitz Wind in die Verhandlungen zu bringen. Ich nehme hier die Sozialministerin beim Wort, die erst vor kurzem gesagt hat: „Unser Ziel muss es auch sein, das Auftreten von Krebserkrankungen zu verringern“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Obwohl es Pflicht des Arbeitgebers ist, für bestmögliche Prävention zu sorgen und die Beschäftigten über die Gesundheitsrisiken zu unterrichten, liegt hier vieles im Argen. Das bestätigen auch neue Zahlen der Arbeitsinspektion: Bei einer Schwerpunktaktion in 300 Unternehmen mit krebserzeugenden Arbeitsstoffen hat ein Drittel der Betriebe nicht einmal ermittelt, welche und wieviele ArbeitnehmerInnen diesen Arbeitsstoffen ausgesetzt sind. Und selbst dort, wo solche Erhebungen gemacht werden, gab es in jedem fünften Betrieb Grenzwertüberschreitungen!

Zwölf-Stunden-Tag birgt weitere Risiken

Die Ausweitung der Arbeitszeit auf einen Zwölf-Stunden-Tag erhöht zusätzlich das Risiko einer arbeitsbedingten Krebserkrankung. Denn alle Grenzwerte sind auf Basis von Acht-Stunden-Tagen berechnet. Deshalb braucht es dringend eine Neuberechnung. „Der Gesundheitsschutz der Beschäftigten muss Vorrang vor den Profitinteressen der Industrie haben. Ansonsten steht die Gesundheit von hunderttausend Beschäftigten auf dem Spiel“, warnt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

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