Gesunde Arbeit

Geänderte Grenzwerte – sinnvoll oder nicht?

Die Ausdehnung der täglichen Arbeitszeit auf zwölf Stunden durch Türkis-Blau machte eine Überarbeitung der Grenzwerte für gefährliche Arbeitsstoffe nötig. Doch sind die neuen Grenzwerte wirklich sicherer?
Viele Arbeitsstoffe bergen unterschätzte Risiken, mehr Schutz ist erforderlich.
Glasbehälter mit toxischen Arbeitsstoffen Viele Arbeitsstoffe bergen unterschätzte Risiken, mehr Schutz ist erforderlich.

Bisher orientierten sich Grenzwerte an einem 8-Stunden-Tag. Mit dem 12-Stunden-Tag stellte sich die Frage, an welchen Grenzwerten sich Betriebe nun orientieren sollen. Mehr als 1.800 arbeitsbedingte Krebstote gibt es laut einer Studie jährlich in Österreich. Dies wurde medial aufgegriffen und konnte von der damaligen Regierung nicht ignoriert werden. Das Sozialministerium gab darum im Februar einen Erlass zur Vorgehensweise bezüglich der Grenzwerte aus. Für gefährliche Arbeitsstoffe soll künftig ein Reduktionsfaktor entlang der Tagesarbeitszeit (Modell von Brief und Scala) errechnet werden. Laut dieser Formel ergibt sich bei Ausdehnung der Arbeitszeit von 8 auf 12 Stunden eine Reduktion des Grenzwertes um die Hälfte.

MAK- und TRK-Werte
Die Grenzwerteverordnung enthält eine große Anzahl von MAK- bzw. TRK-Werten für Arbeitsstoffe. MAK steht für Maximale Arbeitsplatz-Konzentration. Diese Werte können für Stoffe angegeben werden, für die nach aktuellem Wissensstand ein sicherer Grenzwert gesetzt werden kann. Bei Einhaltung kann man gesundheitliche Folgen weitgehend ausschließen. Die Grenzwerte sind als Tagesmittelwerte oder Kurzzeitwerte angegeben. Bei längerer Arbeitszeit muss der Tagesmittelwert reduziert werden, um unter der gesundheitlichen Wirkschwelle zu bleiben. Denn durch lange Arbeitszeiten wird die Aufnahme des Stoffes im Körper erhöht und die Regenerationszeit verringert.

TRK-Werte geben die Technische Richtkonzentration für krebserzeugende Stoffe an. Hier gibt es keine ungefährlichen Grenzwerte. Es wird jener Wert angegeben, welcher technisch bestenfalls erreichbar ist. Man orientiert sich hier an der technischen Machbarkeit statt an der Gesundheitsgefahr! AK und ÖGB fordern deshalb eine Umstellung auf risikobasierte Grenzwerte, welche eine klare Reduktion des Krebsrisikos zur Folge hätte.

MAK-Werte bieten eine gute Orientierung für AnwenderInnen, die sich bei Einhaltung relativ sicher fühlen dürfen, und sind daher sinnvoll. Der Reduktionsfaktor bei langer Arbeitszeit kann zielführend angewendet werden. Bei den TRK-Werten bleibt das grundlegende Problem bestehen. Es gibt keine Null-Risiko-Schwelle! In der Praxis wird der TRK-Wert leider oft als sicher fehlinterpretiert. Der Sinn einer Reduktion von nicht sicheren Grenzwerten auf ein ebenso unsicheres Niveau ist zu hinterfragen.

Fazit
Die Reduzierung von Grenzwerten bei langer Arbeitszeit war wichtig, jedoch nur ein erster Schritt. Für wirkliche Verbesserungen braucht es umfassende Beratung der Betriebe und strenge Kontrollen. Die Ressourcen hierfür müssten bei Arbeitsinspektion und AUVA ausgebaut werden – anstatt hier einzusparen. Außerdem braucht es statt TRK-Werten risikobasierte Grenzwerte.

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