Gesunde Arbeit

Schimmelpilze am Arbeitsplatz

Schimmelpilze begegnen uns im Alltag als integraler Teil von Lebensmitteln (Salami, Schimmelkäse), als unerwünschte Besiedler von Nahrungsmitteln oder als lästige Besucher in Innenräumen nach Feuchteschäden.
Schimmel - 1
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Pilzsporenbelastungen
Pilzsporenbelastungen
Bild eines Schimmelpilzes Schimmel - 1
Bild eines Schimmelpilzes Schimmel - 2
Bild eines Schimmelpilzes Schimmel - 3
Bild eines Schimmelpilzes Schimmel - 4
Grafik über die Größenordnungen von Pilzsporenbelastungen Pilzsporenbelastungen

Im ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG) sind Schimmelpilze unter dem Oberbegriff „Gefährliche Arbeitsstoffe“ als „Biologische Arbeitsstoffe“ zu finden. Sie gelten auch dann als „verwendet“, wenn sie bei der Arbeit „anfallen“. Eine eigene Verordnung biologische Arbeitsstoffe (VbA) regelt Details, wie man Mikroorganismen einstuft und welche Maßnahmen ArbeitgeberInnen ergreifen müssen. Die Verordnung unterscheidet beabsichtigte von unbeabsichtigter Verwendung.

Die beabsichtigte Verwendung von Schimmelpilzen an Arbeitsplätzen findet sich in der Lebensmittelerzeugung, in der Pharmaproduktion und in mikrobiologischen Labors. Vertreter der Pilzgattung Penicillium lassen Käse und Salamis reifen und produzieren Antibiotika. Aspergillus niger erzeugt aus Rückständen der Zuckerindustrie Zitronensäure für die Limonadenherstellung und für andere Lebensmittel. In mikrobiologischen Labors kommen MitarbeiterInnen beim Anzüchten und Vermehren von Mikroorganismen mit Schimmelpilzen in Berührung.

Unbeabsichtigt kommen weit mehr ArbeitnehmerInnen in Kontakt mit Schimmelpilzen: Landwirte bei Arbeiten auf Feldern oder bei der Tierhaltung, MüllverarbeiterInnen beim händischen Sortieren in der Abfallwirtschaft, HolzverarbeiterInnen beim Hantieren mit verschimmeltem Holz, MetallarbeiterInnen beim Einatmen kontaminierter Kühlschmierstoffe, BauarbeiterInnen beim Sanieren von schimmeligen Gebäuden, Servicepersonal beim Wechseln verschmutzter Filter und MitarbeiterInnen in vielen anderen Bereichen.


Pilzsporenbelastungen
Die auftretenden Belastungen durch Schimmelpilzsporen sind sehr variabel und werden meist durch die Ermittlung der koloniebildenden Einheiten (KbE) festgestellt. Dabei werden nur lebensfähige, kultivierbare Pilze erfasst. Die Grafik "Größenordnungen von Pilzsporenbelastungen" gibt einen Überblick über die Größenordnungen von Belastungen an Arbeitsplätzen. Sie beruht auf umfangreichen Messungen der AUVA und auf zahlreichen Angaben aus der wissenschaftlichen Literatur.

Aufgrund der durch die Natur vorgegebenen Schwankungen der Luftsporenkonzentrationen und der komplexen, schwierigen Analytik bedürfen Messungen und deren Bewertung einer fachkundigen und seriösen Institution. Geschäftemacher haben in den letzten Jahren die Verunsicherung von gesundheitlich Beeinträchtigten ausgenützt und unseriöse Messberichte abgeliefert. Umsicht bei der Auswahl der BeraterInnen und Firmen ist daher anzuraten!

Gesetzliche Grenzwerte an Arbeitsplätzen gibt es in Österreich nicht, weil klare Dosis-Wirkungs-Beziehungen bisher nicht bewiesen werden konnten und die einschlägige Analytik schwer normierbar ist. Richt- und Kontrollwerte ermöglichen in einigen Branchen wie z. B. in der Abfallwirtschaft eine Orientierung, ob Maßnahmen dringend erforderlich sind. Technische Orientierungswerte finden sich in der vom Lebensministerium und Umweltbundesamt veröffentlichten "Richtlinie für die mechanisch-biologische Behandlung von Abfällen".


Gesundheitliche Auswirkungen
Schimmelpilze zählen zu den Mikroorganismen und können durch Infektionen, Allergien und toxische Wirkungen die Gesundheit von Menschen beeinträchtigen. Infektionen durch Schimmelpilze sind nur bei stark immunsupprimierten Personen eine reale Gefahr, weswegen auf Intensivstationen in Krankenhäusern besondere Vorsicht geboten ist. Toxische Wirkungen sind selten und treten eventuell nach oraler Aufnahme von kontaminierten Lebensmitteln auf (Aflatoxine, Trichothecene, Satratoxine u. a.).

An Arbeitsplätzen spielen vor allem allergene Wirkungen von Schimmelpilzen eine wichtige Rolle. Hauterkrankungen, Asthma bronchiale und exogen-allergische Alveolitis sind in der Berufskrankheitenliste erfasst und führen bei speziellen Tätigkeiten öfters zu Problemen (Bäckerasthma, Befeuchterlunge, Salamibürsterlunge, Käsewäscherlunge u. a.).


Maßnahmen
Maßnahmen zur Minimierung von Belastungen sind primär ein verbessertes Belüftungs- und Entlüftungs-Management, Staubbekämpfungsmaßnahmen, räumliche Abtrennungen und bei Schimmelschäden in Innenräumen eine grundlegende Sanierung von Feuchteproblemen. Organisatorische Verbesserungen und in Einzelfällen auch persönliche Schutzausrüstung ergänzen die präventiven Möglichkeiten.

Deutschland hat über den Ausschuss für Biologische Arbeitsstoffe (ABAS) sehr nützliche Regelsammlungen publiziert. In den Technischen Regeln Biologische Arbeitsstoffe (TRBA) finden sich detaillierte Informationen zu verschiedenen Arbeitsbereichen, die Schimmelpilze inkludieren.

Das Buch Pilze in Innenräumen und am Arbeitsplatz liefert fundierte und gründliche Informationen zum Thema.

Der Arbeitskreis Innenraumluft des Ministeriums für ein lebenswertes Österreich erarbeitet einen "Leitfaden zur Ursachensuche und Sanierung bei Schimmelwachstum in Innenräumen“. Dieser stellt eine wichtige Informationsquelle für Betroffene und ExpertInnen dar (Veröffentlichung im Jahr 2017, Update 2019).


Beratungen, Messungen, Informationsmaterial, Seminare und Publikationen der AUVA
Dipl.-Ing.in Martina Seibert, Tel. 05 93 93-20793, E-Mail: martina.seibert@auva.at
Dipl.-Ing. Manfred Hinker, Tel. 05 93 93-20785, E-Mail: manfred.hinker@auva.at

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