Gesunde Arbeit

Flexibilisierung – Risiken und Nebenwirkungen

Die Flexibilisierung der Arbeitswelt ist in aller Munde. Damit sind vor allem flexible Arbeitszeiten und -orte gemeint. Diese stellen sowohl Chancen als auch Risiken für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dar. Einerseits erhofft man sich individuell mehr Entscheidungsfreiheit. Andererseits kann die erhöhte Flexibilität unser psychisches Wohlbefinden aus dem Gleichgewicht bringen. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Arbeiterkammer Salzburg.
Es gibt einen nachweislichen Zusammenhang von sogenannter entgrenzter Arbeit und Stress, Depression und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Ständige arbeitsbezogene Erreichbarkeit wirkt sich negativ auf unsere Gesundheit aus.
Symbolbild zur Flexibilisierung der Arbeitswelt Es gibt einen nachweislichen Zusammenhang von sogenannter entgrenzter Arbeit und Stress, Depression und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Symbolbild zur Flexibilisierung der Arbeitswelt Ständige arbeitsbezogene Erreichbarkeit wirkt sich negativ auf unsere Gesundheit aus.

Ob Flexibilisierung für Beschäftigte negativ oder positiv besetzt ist, hängt, wie aus einer Studie der Technischen Universität Wien hervorgeht, davon ab, inwieweit diese selbstbestimmt ist oder vom Arbeitgeber oder der Arbeitgeberin eingefordert wird. Hohe Autonomie und Entscheidungsfreiheit bezüglich Arbeitszeit und Arbeitsort können die Arbeitszufriedenheit steigern. Mit einher geht auch das Gefühl, Berufs- und Privatleben besser vereinbaren zu können. Nicht selten zeigen sich dadurch eben höhere Zufriedenheit und auch bessere Leistungen.

Die zwei Seiten der Medaille
Allerdings gibt es auch eine Kehrseite der Medaille, da oben beschriebene Bedingungen leider nicht die Regel sind. Oft stehen kurzfristiger wirtschaftlicher Erfolg und Konkurrenzfähigkeit im Vordergrund, weshalb flexible Zeiten und Orte eher vom Arbeitgeber oder der Arbeitgeberin gefordert und bestimmt werden. Aufgrund heutiger Kommunikationstechnologien steigen auch die Anforderungen an die Beschäftigten und damit steigt auch unausweichlich der Zeitdruck. Smartphones, Computer etc. sorgen für Stress, da diese eine ständige Erreichbarkeit ermöglichen. Laut einem Bericht der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin wirkt sich jedoch genau diese ständige arbeitsbezogene Erreichbarkeit negativ auf unsere Gesundheit aus. Weniger Erholung, geringere Schlafqualität, Stress und Erschöpfung belasten nicht nur unseren Körper, sondern auch die Psyche. Ebenso treten vermehrt Konflikte zwischen Arbeits- und Privatleben auf. Sind außerdem kein Abschalten und keine wirkliche Auszeit mehr möglich, werden psychische Erkrankungen, wie Erschöpfungssyndrome, nicht ausbleiben.

Selbst- oder fremdbestimmt?
Die fortschreitende Digitalisierung – auch der Arbeitswelt – wirft die Frage auf, ob moderne Technologien nun zu mehr selbst- oder fremdbestimmtem Arbeiten führen. Der Arbeitstag beginnt für viele Menschen mit dem Einschalten eines blendenden Displays von Smartphone, Tablet, Laptop & Co. Im Maschinenzeitalter war die Arbeit durch die Immobilität der Maschinen relativ einfach von der Nicht-Arbeit zu trennen. Es gab eine klare Grenze zwischen (gesellschaftlichen) Arbeitsräumen und Räumen der Nicht-Arbeit. Ein Arbeiter war, wie Karl Marx sinngemäß schrieb, „zu Hause, wenn er nicht arbeitete, und wenn er arbeitete, war er nicht zu Hause“. Heute ist diese Abgrenzung in vielen Arbeitsbereichen aufgehoben. Telework, Homeoffice, Working on call oder Stand-by. Es ist kein Geheimnis, dass es einen nachweislichen Zusammenhang von sogenannter entgrenzter Arbeit und Stress, Depression und Herz-Kreislauf-Erkrankungen gibt. Denn wenn die Arbeit zu einem ständigen Begleiter und nicht zu arbeiten zu einer bewussten Entscheidung, die man treffen und gegebenenfalls verantworten muss, wird, dann wird auch nachweislich länger und mehr gearbeitet. Das heißt, dass auch die tatsächlich geleistete Arbeitszeit steigt. Österreich ist übrigens nach Großbritannien Zweiter, wenn es um die wöchentliche Arbeitszeit geht. Dass ein Viertel aller Überstunden in Österreich unbezahlt geleistet wird, darf in diesem Zusammenhang natürlich auch nicht unerwähnt bleiben.

Digitalisierung erhöht Belastung
Ähnliches verdeutlicht die Erhebung des DGB-Index „Gute Arbeit“ von 2016, bei der 46 Prozent der Befragten angaben, dass sich ihre Arbeitsbelastung durch die Digitalisierung erhöhte. In einer Studie der TU Wien wurden Beschäftigte hinsichtlich des Anteils selbstbestimmter und fremdbestimmter Flexibilität in vier Gruppen eingeteilt. Dabei zeigte sich, dass die Gruppe der Fremdbestimmten ihre Handlungsautonomie, Arbeits- und Lebenszufriedenheit am geringsten einschätzte.
Letztendlich lassen die Ergebnisse aus oben angeführten Studien darauf schließen, dass fremdbestimmte Flexibilität und die damit häufig verbundene ständige Erreichbarkeit zu einer Zunahme an psychischen Belastungen und geringerer Arbeitszufriedenheit führen, was die Leistung sinken und den Krankenstand steigen lässt.

Tipps
Wie kann man nun den generellen Trend der Flexibilisierung in der Arbeitswelt für sich nutzbar machen? Hier einige Empfehlungen, wie man seine psychische Gesundheit unter solchen Arbeitsbedingungen aufrechterhalten kann:

  • Schalten Sie dienstliche Geräte wie Smartphones oder Computer in Ihrer Freizeit ab
    Denn: In der Freizeit sollten Erholung, Entspannung, PartnerIn und Familie oberste Priorität haben.
  • Nehmen Sie sich bewusste Auszeiten von der Arbeit!
  • Wird Arbeit zu Hause erledigt, sollte trotzdem eine klare Grenze zwischen Berufs- und Privatleben gezogen werden: Wo ist Ihr Arbeitsplatz zu Hause? Wann arbeiten Sie? Wann aber auch nicht?
  • Bevor Sie flexiblen Arbeitsverhältnissen zustimmen, sprechen Sie mit Ihrem Betriebsrat oder Ihrer Betriebsrätin über Ihre Rechte!
  • Und das Wichtigste zum Schluss:
    Wird Flexibilität von Ihnen verlangt, fordern auch Sie im Gegenzug klare Rahmenbedingungen und Grenzen dieser Flexibilität ein!

Der ArbeitnehmerInnenschutz achtet darauf, dass Arbeitsbedingungen herrschen, die physische und psychische Belastungen reduzieren beziehungsweise verhindern. Sollten Sie Fragen zur Flexibilisierung Ihrer Arbeit haben, stehen wir für Informationen und Beratungen gerne zur Verfügung.

Kontakt:
AK Salzburg, Referat für ArbeitnehmerInnenschutz und betriebliche Gesundheitsförderung
Mag.a Karin Hagenauer, Arbeitspsychologin
+43 (0)662/86 87-318
karin.hagenauer@ak-salzburg.at

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