Gesunde Arbeit

Von Eulen und Lerchen und der chronisch müden Gesellschaft

Hierzulande beginnt der Arbeitsalltag früh. Spätestens um acht Uhr sind die meisten am Arbeitsplatz und die Kinder in der Schule – und das ist schon spät! Warum dieses Verhalten langfristig nicht gesund ist und was das mit Chronobiologie und Schlafforschung zu tun hat, zeigen Forschungsergebnisse.
Die Chronotypen – zur Vergrößerung bitte auf die Abbildung klicken!
Statistik zu Chronotypen: Umfrageergebnisse zu Schlafzeiten an arbeitsfreien Tagen von ca. 150.000 ZentraleuropäerInnen Die Chronotypen – zur Vergrößerung bitte auf die Abbildung klicken!

In der Chronobiologie (Disziplin der zeitlichen Organisation physiologischer Prozesse) werden Morgenmenschen als „Lerchen“ und SpätaufsteherInnen als „Eulen“ bezeichnet. Beide schlafen gleich viel, unterscheiden sich allerdings deutlich in ihrem Aktivitätsmodus. Während Lerchen früh wach werden und ebenso früh wieder müde, haben Eulen ihre Aktivitätsspitzen am Nachmittag. Der persönliche Chronotyp, also zu welcher Tageszeit wir aktiv sind und wann wir besser schlafen sollen, ist genetisch festgelegt und unveränderbar.

Arbeits- und Schulbeginnzeiten zu früh
MitteleuropäerInnen sind überwiegend den Eulen zuzurechnen. Sie schaffen es nur dank eines Weckers rechtzeitig zur Arbeit oder in die Schule. Laut Studien stehen vier von fünf Menschen an Werktagen unausgeschlafen auf. Die Arbeits- und Schulbeginnzeiten sind eher für Lerchen ausgerichtet. Die Arbeitszeiten nehmen wenig Rücksicht auf die unterschiedlichen Chronotypen. Im Idealfall ermöglichen Gleitzeitmodelle eine gewisse individuelle Anpassungsmöglichkeit.

Der soziale Jetlag
Unsere Schlafzeiten werden von der „inneren Uhr“ (Schlaf-Wach-Rhythmus), die uns zu einem bestimmten Chronotypus macht, und von der äußeren Uhr (morgendlicher Wecker) kontrolliert. Je abweichender diese beiden Uhren „ticken“, desto schwieriger kann es für Menschen sein, an allen Tagen ausreichenden Schlaf zu finden. Die Abweichung zwischen der biologisch geprägten Schlafenszeit an freien Tagen und der real möglichen an Arbeitstagen bezeichnet die Schlafforschung als „sozialen Jetlag“. Arbeitszeiten sind eher an FrühaufsteherInnen angepasst, deswegen haben diese seltener ein Schlafdefizit.

Trotz wissenschaftlicher Erkenntnis ist das Thema keineswegs im politischen und betrieblichen Fokus. Viel zu oft ist das Thema von massiven Vorurteilen wie „Der frühe Vogel fängt den Wurm“ oder „Am Abend wird der Faule fleißig“ geprägt. Das verhindert eine seriöse Diskussion. Dabei haben die verschiedenen Chronotypen nichts mit mehr oder weniger Leistungsfähigkeit zu tun.

Mehr Information:
Langfassung des Artikels auf dem A&W-Blog
http://tinyurl.com/eulen417

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