Gesunde Arbeit

Programm „Busfahren – ein Lebensberuf“ von Sabtours Reisebüro und Autobusbetrieb GmbH

Sabtours Reisebüro und Autobusbetrieb GmbH mit Sitz in Wels und weiteren Standorten in Oberösterreich ist seit fast 50 Jahren im Touristik- und Busbereich tätig.

Eine Altersstrukturanalyse der Belegschaft hat 2006 ergeben, dass vor allem im Busbetrieb ein dringender Handlungsbedarf besteht: 42 Prozent der ArbeiterInnen sind über 50 Jahre alt, während 11 Prozent unter 30 sind. Für das Unternehmen bedeutet dies einerseits, dass viele berufserfahrene MitarbeiterInnen in der Belegschaft sind. Andererseits heißt das aber auch, dass ein besonderes Augenmerk auf die Erhaltung der Gesundheit und der Arbeitsfähigkeit gelegt werden muss.

Ziele des Programms
2007 startete deshalb das betriebliche Gesundheitsförderungsprogramm „Busfahren – ein Lebensberuf“. Die Ziele sind die Erhaltung des Arbeitsvermögens und die Stärkung der Arbeitszufriedenheit bis zum Pensionsantritt sowie die Förderung des Wohlbefindens der MitarbeiterInnen am Arbeitsplatz. Dies soll mit vorbeugenden Maßnahmen für alle Altersgruppen und gemeinsam mit den MitarbeiterInnen erreicht werden.

Das Programm richtet sich an alle MitarbeiterInnen im Busbetrieb, ob sie nun als BusfahrerIn, im Verkauf, in der Werkstätte oder in der Verwaltung arbeiten.

Bausteine des Programms „Busfahren – ein Lebensberuf“ (Auswahl)
Die Steuerungsgruppe bestand aus Geschäftsleitung, Belegschaftsvertretung, Führungskräften, Arbeitsmedizinerin, OÖGKK, Beraterin und Programmleitung. Diese Gruppe hatte die Aufgabe der strategischen Lenkung des Programms. Die Bestandsaufnahme „ArbeitsGesundheit“ wurde mittels anonymer MitarbeiterInnenbefragung und Krankenstandsanalyse durch die OÖGKK durchgeführt.

Ein Entwicklungsprozess der Unternehmens- und Führungskultur wurde gestartet, in dessen Mittelpunkt die Einführung und Durchführung von Wertschätzenden Führungs-MitarbeiterInnen-Gesprächen (Gesunden Dialogen) stand, und zwar:

Der
Anerkennende Erfahrungsaustausch mit Gesunden und Gesundeten.
Dabei wurden u. a. Fragen gestellt wie z. B. „Wie müsste der Dienstplan ausschauen, den sie bis zur Pension gut bewältigen können?“ „Wäre für Sie ein Wechsel der Tätigkeit oder des Aufgabenbereichs interessant?“ „Was brauchen Sie, um die verbleibende Zeit bis zur Pension arbeitsfähig zu bleiben?“

» Das
Achtsame Arbeitsbewältigungsgespräch mit den gesundheitlich gefährdeten MitarbeiterInnen durch die Arbeitsmedizinerin und Arbeitspsychologin.

Aus diesen Gesprächen wurden in anonymisierter Form Anregungen gesammelt und in einem Workshop gemeinsam mit Führungskräften, BelegschaftsvertreterInnen, Arbeitsmedizinerin und MitarbeiterInnen für die erkannten Stärken und Schwächen Maßnahmen entwickelt: Stärken sollen gestärkt und Schwächen sollen geschwächt werden. Diese Maßnahmenpläne wurden von 2007–2009 abgearbeitet.

Alterssensible Dienstplangestaltung
Wichtige Anregungen aus den Gesprächen betraf die Arbeitszeitgestaltung, deshalb wurde im Herbst 2007 der Dienstplan umgestellt. Das Ergebnis der Änderungen war eine alterssensible Dienstplangestaltung, die z. B. Entlastungsangebote bei den starken Linien für BusfahrerInnen über 55 Jahre und für gesundheitlich gefährdetete MitarbeiterInnen enthielten. Nach anfänglicher Skepsis und Widerständen wurden weitere Bedürfnisse in der Belegschaft geweckt, die erneut ein Jahr später in den Dienstplan eingearbeitet wurden.

Dabei ist auch der Bedarf an Teilzeitjobs für Ältere sichtbar geworden. Auch hier sollen gemeinsam mit dem Betriebsrat Angebote für die MitarbeiterInnen, z. B. zur Reduktion der Arbeitszeit wie gleitende Altersteilzeit, ausgearbeitet werden.

Ein breites
Spektrum von Gesundheitsangeboten und mehr als 50 Arbeitsverbesserungsmaßnahmen wurden von 2007 bis 2009 bereits umgesetzt. Im Folgenden eine Auswahl an Maßnahmen, die einen Beitrag zur Erhaltung der Arbeitsfähigkeit bei den Mitarbeiterinnen des Busbetriebs leisten sollen:

  • Einer Fahrergruppe wurde ein Dienstrad ermöglicht, das zur Schonung der Kräfte keine Zusatzdienste vorsieht.
  • Aufgrund von organisatorischen Veränderungen im Busplan gibt es mehr TurnusfahrerInnen und damit weniger SpringerInnen.
  • Bessere Vorausplanung im Reisebusverkehr in der Nebensaison, dadurch bessere Planbarkeit der Arbeitszeiten.
  • SchulungsfahrerInnen pro Linie wurden eingeführt, MitarbeiterInnen konnten sich dafür bewerben.
  • Fahrermappe und Dienstvorschrift wurden handlich in A5-Format gestaltet und mit Fahrplanunterlagen für Sonderverkehre wie z. B. Allerheiligen, 8. Dezember usw. ergänzt.
  • Standardisierung des Beschwerdemanagements.
  • Einführung von KommunikatorInnen pro Linie.
  • Teamsprecher zwischen Werkstätte und Fahrdienst wurden eingeführt.
  • Neue Arbeitskleidung für Busfahrer und Abenddienst.
  • Die sanitären Anlagen wurden verbessert und Ruheliegen im Gefolgschaftsraum eingerichtet.
  • Schutzvorrichtungen für die Linienfahrerarbeitsplätze.
  • Zur Vorbeugung von Haltungsschäden – Physiotherapeutisches Angebot für Busfahrer.

Das Programm dauerte von 2007 bis 2009, die konkrete Umsetzung aller Maßnahmen wird allerdings über 2009 hinausgehen. Die gesundheitsfördernden MitarbeiterInnengespräche werden in regelmäßigen Abständen weitergeführt.

Das Unternehmen Sabtours hat für die Aktivitäten zu „Alternsgerecht Arbeiten“ das Gütesiegel „Nestor Gold“ erhalten, eine Auszeichnung, die das Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz erstmals 2010 vergeben hat.

Ausgezeichnet wurde dieses Projekt auch mit dem Gütesiegel des Netzwerks für Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) und vom Europäischen Netzwerk für BGF zum „Model of good practice“ ernannt.

Ansprechperson im Betriebsrat der Sabtours Reisebüro und Autobusbetrieb GmbH

Name: Johann Eismair
Adresse 4600 Wels, Marcusstraße 4
Telefonnummer: 07242/416 26
E-Mail: betriebsrat@sabtours.at

Artikel weiterempfehlen

Newsletterauswahl

Newsletter

Geschlecht
Geschlecht:
Name

Mit dem Absenden dieses Formulars stimme ich der Verarbeitung meiner eingegebenen personenbezogenen Daten gemäß den Datenschutzbestimmungen zu.

Eine Initiative von ÖGB und ÖGB © Gesunde Arbeit 2020