Gesunde Arbeit

Arbeitszeit: Die Interessen der Beschäftigten berücksichtigen

Gabriela Hiden leitet die Abteilung „Arbeitstechnik, Sicherheit, Gesundheit“ in der Produktionsgewerkschaft PRO-GE. Sie berät BetriebsrätInnen in ganz Österreich bei der Gestaltung von Arbeitszeit und ist dementsprechend viel unterwegs. Sehr oft geht es um eine Änderung des bestehenden Schichtplans. Sie arbeitet seit 28 Jahren in der Gewerkschaft.
Gabriela Hiden, PRO-GE Gabriela Hiden berät BetriebsrätInnen in ganz Österreich zum Thema Arbeitszeitgestaltung.

Gesunde Arbeit: Mit welchen Anliegen kommen BetriebrätInnen in puncto Arbeitszeit am häufigsten zu dir?
Gabriela Hiden: Meistens geht es in den betroffenen Unternehmen um Anfragen, was die Ausweitung von Betriebslaufzeiten bzw. die Gestaltung von flexiblen Produktionszeiten betrifft. Die BetriebsrätInnen stehen vor der Herausforderung, dass die persönlichen Anforderungen der KollegInnen an die Arbeitszeit nicht gänzlich den wirtschaftlichen Interessen der Betriebe untergeordnet werden.

Wo siehst du die größten Probleme, die es mit der Arbeitszeit in den Betrieben gibt?
Hiden: Oft wissen Personalverantwortliche gar nicht, was alles möglich ist, wenn es um die Gestaltung der Arbeitszeit geht. Nicht nur die wirtschaftlichen Interessen der Betriebe können in einem Arbeitszeitmodell berücksichtigt werden – auch der Faktor Mensch kann zur Zufriedenheit aller in einem Modell beachtet werden. Das verursacht natürlich geringfügig Kosten, kommt den Betrieben aber letztlich nicht teurer, da motivierte gesunde MitarbeiterInnen auch den Unternehmen viel einbringen.

Wie schauen gute Arbeitszeitlösungen im Betrieb aus?
Hiden: Bei der Gestaltung der Arbeitszeit wird oft vergessen, dass man nicht nur Produktionszeiten plant, sondern auch die Freizeit der KollegInnen gestaltet. Ein gutes Arbeitszeitmodell sollte möglichst auf die Beschäftigten abgestimmt sein. Das Problem dabei ist, dass MitarbeiterInnen eines Betriebes diesbezüglich oft nicht die gleichen Interessen haben (z. B. Zeitzuschläge versus Geldzuschläge). In der Praxis geht es darum, Möglichkeiten zu schaffen, damit die ArbeitnehmerInnen auch einen gewissen Gestaltungsspielraum bekommen. Dies lässt sich zu einem großen Teil verwirklichen, wenn man sich ausreichend Zeit für die Gestaltung der Arbeitszeit nimmt. Ausgangspunkt sind für uns aber immer Betriebslaufzeiten. Es kann also letztendlich eine Win-win-Lösung entstehen.

Welche Tipps gebt ihr BetriebsrätInnen mit auf den Weg?
Hiden: Ich rate BetriebsrätInnen, dass sie nicht übereilt eine Betriebsvereinbarung abschließen sollen. Gerade weil es um sehr sensible Bereiche der MitarbeiterInnen geht, nämlich um private Verpflichtungen/Freizeitgestaltung/Überstundenentlohnung. Letztlich kann mit einem guten Arbeitszeitmodell auch die Gesundheit der KollegInnen gefördert werden. Für BetriebsrätInnen ist das eine große Herausforderung, es lohnt sich aber, sich mit dem Thema eingehend auseinanderzusetzen.

Vielen Dank für das Gespräch!
Interview: Ingrid Reifinger, ÖGB

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