Gesunde Arbeit

Fehlzeitenreport 2020: Immer mehr arbeiten krank

Der aktuelle Fehlzeitenreport belegt, dass die Zahl der Krankenstandstage kontinuierlich sinkt. Einer der Gründe laut Arbeiterkammer: ArbeitnehmerInnen arbeiten immer häufiger krank.
Immer mehr ArbeitnehmerInnen gehen krank arbeiten.
Arbeiter, der krank arbeiten geht Immer mehr ArbeitnehmerInnen gehen krank arbeiten.

Der aktuelle Fehlzeitenreport belegt, dass die Zahl der Krankenstandstage kontinuierlich sinkt. Im Frühjahr ist die Zahl sogar um zwei Drittel gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen – und das trotz des erleichterten Zugangs durch die telefonische Krankenstandsmeldung. Langfristig gesehen sind die Fehlzeiten von 17,4 Krankenstandstagen pro Kopf in den 80er Jahren auf ein Niveau von rund 13 Tagen pro Kopf gesunken. Einer der Gründe: ArbeitnehmerInnen arbeiten immer häufiger krank.

Der sogenannte „Präsentismus“ also das Phänomen, dass ArbeitnehmerInnen trotz Krankheit arbeiten gehen, spielt in Österreich nicht erst seit dem Lockdown eine relevante Rolle mit sehr nachteiligen Wirkungen auf die Gesundheit der ArbeitsleisterInnen und die Volkswirtschaft. So liegt nach dem Fehlzeitenreport des Jahres 2018 die Zahl der Präsentismustage durchschnittlich bei 4,5 Tagen pro Kopf und Jahr. Durch das Homeoffice hat sich diese Tendenz noch verstärkt, wie eine Studie des IFES für die AK zeigt. Mehr als die Hälfte aller Befragten (56 %) arbeitet eher von zu Hause als in den Krankenstand zu gehen. Beunruhigend ist der Anstieg der psychischen Erkrankungen. Sie machen laut aktuellem Fehlzeitenreport mehr als 9 % der Krankenstandstage aus, seit den 1990er Jahren hat sich diese Zahl fast verdreifacht!

Krankenstandsmissbrauch kommt vielleicht in Einzelfällen vor, ist aber ein absolutes Randphänomen. Vor diesem Hintergrund begrüßt die AK die Novellierung der Krankenordnung, sodass nunmehr endgültig klargestellt ist, dass die Krankenstandskontrolle nicht in der Wohnung stattfinden muss und dass Krankenstände nicht rückwirkend vom Chefarzt storniert werden können.

„Die Beschäftigten spüren, dass der Druck auf sie immer größer wird und die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit aufgeweicht werden“, warnt Wolfgang Panhölzl, Leiter der AK Abteilung Sozialversicherung. Gerade jetzt in der Pandemie zeigt sich: „Klare Regeln zum Krankenstand sind dafür da, den Gesundheitsschutz zu gewährleisten. Krank arbeiten gehen, darf sich nicht ausbreiten, so halten die Menschen nicht gesund bis zur Pension durch.“

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