Gesunde Arbeit

Weltkrebstag 4. Februar - 1.820 Tote durch arbeitsbedingten Krebs sind zu viel

ÖGB fordert neues Grenzwertesystem für krebserzeugende Substanzen am Arbeitsplatz
Bild von Bernhard Achitz, Leitender Sekretär des ÖGB Bernhard Achitz
Weltkrebstag, 4. Februar

"In Österreich sterben pro Jahr 1.820 Menschen an arbeitsbedingten Krebserkrankungen“, sagt Bernhard Achitz, Leitender Sekretär des ÖGB, anlässlich des Weltkrebstags am 4. Februar: „Das System der Grenzwerte für krebserzeugende Substanzen am Arbeitsplatz muss grundlegend reformiert werden. Es braucht risikobasierte Grenzwerte. Die Frage muss lauten: Wie hoch ist statistisch gesehen das Risiko, an Krebs zu erkranken, wenn jemand über 40 Jahre hinweg mit krebserzeugenden Substanzen arbeitet.“

Arbeitsbedingter Krebs tritt oft erst nach vielen Jahren auf
Denn die meisten Krebserkrankungen, die durch Belastungen am Arbeitsplatz, zum Beispiel durch Chemikalien, ausgelöst werden, treten erst nach vielen Jahren auf, oft erst, wenn die Betroffenen in Pension sind. Achitz: „Gegen arbeitsbedingte Krebserkrankungen braucht es verstärkt vorbeugende Maßnahmen, dass sie gar nicht erst entstehen. Auch in Österreich müssen wir uns die Frage stellen, wie viele arbeitsbedingte Krebstote will die Gesellschaft akzeptieren“, sagt Achitz. Deutschland hat sich etwa folgendes Ziel gesetzt: Unter 25.000 ArbeitnehmerInnen, die auf 40 Berufsjahre gerechnet krebserzeugenden Stoffen ausgesetzt waren, darf im Durchschnitt nicht mehr als eine/r an arbeitsbedingtem Krebs erkranken.

Arbeitsinspektorat weist auf Seriosität der Zahlen hin
Jedes Jahr sterben in Österreich ca. 1.820 Menschen an arbeitsbedingten Krebserkrankungen. Auf die Seriosität dieser Berechnungen weist Andrea Kernmayer, Leiterin der Abteilung für Arbeitsmedizin und Arbeitspsychologie im Zentral-Arbeitsinspektorat, in einem Artikel, der in der nächsten Ausgabe des Magazins „Gesunde Arbeit“ erscheinen wird, hin.

Die Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO gehen von weltweit 212.000 Todesfällen infolge arbeitsbedingter Krebserkrankungen aus. 102.500 dieser Todesfälle werden der EU zugerechnet. Der renommierte Wissenschaftler Jukka Takala hat eine grobe Verteilung der 102.500 Menschen auf die einzelnen EU-Länder präsentiert. Für Österreich war das Ergebnis die Zahl 1.820.

Auch mit österreichischen Daten ist eine annähernde Berechnung möglich: Anhand der Mortalitätsdaten der Statistik Austria und des aus Studien generierten Anteils des Faktors Arbeit an eben diesen erhält man insgesamt ca. 1.660 arbeitsbedingte Krebstote in Österreich für das Jahr 2011.

„Es wäre vermessen, nun darüber zu diskutieren, ob die tatsächliche Anzahl an arbeitsbedingten Krebstoten pro Jahr 1.660, 1.820 oder 1.875 beträgt, es sei denn, man könne auch nur die geringste Zahl an vermeidbaren Krebstoten akzeptieren“, schließt Kernmayer ihren Artikel.

Anmerkung der Redaktion: Weiterführende Infos finden Sie im Artikel "Zahlen mit Hand und Fuß".

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