Gesunde Arbeit

Die Arbeit nicht auf die leichte Schulter nehmen

ArbeitnehmerInnen von Paketdiensten sind rund um die Feiertage meist im Dauereinsatz. Diese Berufsgruppe ist ein Sinnbild dafür, dass immer noch viele Tätigkeiten von belastenden Hebe- und Tragearbeiten betroffen sind. Täglich werden von ihnen Tonnen an Waren transportiert, oftmals mit langfristigen Folgen.
Symbolbild Arbeitnehmer eines Paketdienstes ArbeitnehmerInnen von Paketdiensten heben und tragen täglich schwere Lasten.

Probleme mit den Bandscheiben, eingeschlafene Beine oder schmerzende Gelenke kennen viele ArbeitnehmerInnen aus eigener Erfahrung. Beschwerden mit dem Bewegungs- und Stützapparat sind in der Arbeitswelt immer noch präsent und führen bei Betroffenen über viele Jahre oftmals zu Berufsunfähigkeit oder Invalidität. Gesetzliche Grenzen zum Schutz dieser Leistungsträger sind lange überfällig.

Großes Übel: Muskel- und Skeletterkrankungen
Innerhalb der EU klagen circa ein Viertel der ArbeitnehmerInnen über Rücken- und Muskelschmerzen. Muskel- und Skeletterkrankungen sind seit Jahrzehnten im Top-Bereich der arbeitsbedingten Gesundheitsprobleme. Alle ExpertInnen sind sich einig, dass die Folgekosten dieser Erkrankungen immens hoch sind. Die Kosten dafür werden jedoch nicht von den Verursachern, sondern von der Allgemeinheit getragen. Hier gilt es daher, viel intensiver in der Prävention anzusetzen, damit es erst gar nicht zu diesen Erkrankungen kommt. Aktuell ist jedoch aufgrund der massiven Kürzungen der AUVA-Beiträge das Gegenteil, eine Verringerung der Präventionsmaßnahmen, zu erwarten.

Belastungen beurteilen – Maßnahmen setzen
Betroffenen fehlt oft das Wissen, welche konkrete Belastung Beschwerden verursacht. Eine fachgerecht durchgeführte Arbeitsplatzevaluierung zeigt rasch, welche Lasten bei den jeweiligen Tätigkeiten umgesetzt werden. Besonders zu beachten ist natürlich auch die Haltung bei diesen Belastungen. Inhaltliche Hilfestellung bei dieser Bewertung leisten hier zum Beispiel die Last-Handhabungs-Tabellen (LHT) der Arbeitsinspektion. Betriebsintern sind ArbeitsmedizinerIn und Sicherheitsfachkraft die ersten AnsprechpartnerInnen, wenn es um die Bewertung der manuellen Lasthandhabung sowie um die Festlegung von Präventivmaßnahmen geht. Sicherheitsvertrauenspersonen und Betriebsräte sollten ebenfalls eingebunden werden. Im Idealfall werden die besonders belastenden Arbeitsschritte durch technische Hilfsmittel (höhenverstellbare Arbeitsmittel, Hebewerkzeuge usw.) ergänzt oder ersetzt.

Verordnung fehlt noch immer – die nächste EU-Kampagne kommt
Bereits im Jahr 2007 gab es eine Kampagne zu Muskel- und Skeletterkrankungen, initiiert von der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz. Unter dem Titel „Pack‘s leichter an“ wurde versucht, das Thema im Bewusstsein der ArbeitnehmerInnen zu verankern. Für die Jahre 2020–2022 ist die nächste europäische Kampagne zu diesem Thema geplant. Die Forderung von Arbeiterkammern und Gewerkschaften nach einer Verordnung zur manuellen Lastenhandhabung wurde bisher nicht umgesetzt.

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