Gesunde Arbeit

Salzburg: Gemeinsam für „Gesunde Arbeitsplätze“

AK Salzburg, ÖGB Salzburg und Sozialministerium bringen die EU-Kampagne in die Mozartstadt

Zur Informationsveranstaltung „Gesunde Arbeitsplätze – den Stress managen! – Eine Europäische Kampagne wirkt auch in Österreich“ luden angesichts drastisch steigender Krankenstände am Donnerstag, dem 2. Oktober 2014, Arbeiterkammer und ÖGB Salzburg in Kooperation mit dem österreichischen Sozialministerium und der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA).
Gemeinsam für "Gesunde Arbeitsplätze"

In den Räumlichkeiten der AK Salzburg fanden sich neben den Gastgebern Siegfried Pichler, AK-Präsident und ÖGB-Landesvorsitzender in Salzburg, und Mag.a Martina Häckel-Bucher, Sozialministerium, zahlreiche prominente Gäste ein. Gesichtet wurden u.a. die wieder in die AK zurückgekehrte frühere Landeshauptfrau Mag.a Gabrielle Burgstaller, Landesrat Hans Mayr und Landtagsabgeordneter Otto Konrad, MBA.

In Fachvorträgen und einer Podiumsdiskussion wurden Aspekte der Evaluierung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz, wissenschaftliche Standards zur Stressbekämpfung und konkrete Umsetzungsbeispiele thematisiert. Die Veranstaltung fand im Rahmen der laufenden EU-Kampagne 2014/2015 „Gesunde Arbeitsplätze – den Stress managen“ sowie der „Europäischen Woche für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz“ statt.
Weitere Infos: Gesunde Arbeitsplätze - den Stress managen


Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz ist machbar und gestaltbar
„Arbeitsbedingungen müssen so gestaltet sein, dass die Beschäftigten nicht nur physisch, sondern auch psychisch gesund bleiben. Prävention ist das Gebot der Stunde, das nützt der Gesundheit der Beschäftigten und reduziert teure Behandlungskosten“, appellierte Siegfried Pichler, AK-Präsident und ÖGB-Landesvorsitzender in Salzburg, angesichts rasant steigender Krankenstände aufgrund seelischer und psychiatrischer Leiden an die Unternehmen (zwischen 1994 und 2011 gab es eine Steigerung um fast 200 Prozent). Psychische Gesundheit sei nichts Abstraktes oder Unbeeinflussbares, sondern machbar. Diesem Umstand Rechnung tragend, geht die AK Salzburg mit gutem Beispiel voran und beschäftigt seit Anfang 2014 eine eigene Arbeitspsychologin. „Wir müssen die Psyche des Menschen verstehen um zu wissen, wie Arbeit mit und für die Menschen gesund gestaltet werden kann“, beschreibt Mag.a Karin Hagenauer ihren Ansatz. „Unternehmen müssen sich zu gesunden Organisationen entwickeln, um ihre Beschäftigten langfristig arbeitsfähig zu halten.“

EU-Kampagne „Gesunde Arbeitsplätze – den Stress managen“
Stress und psychische Belastungen am Arbeitsplatz sind ein gesamteuropäisches Problem. Aufgrund der sich zuspitzenden Dramatik hat die EU im Frühjahr 2014 eine zweijährige Informations- und Aufklärungskampagne gestartet. Wichtig sei eine Enttabuisierung des Themas, erklärte die österreichische Kampagnenleiterin, Mag.a Martina Häckel-Bucher, Sozialministerium: „Bei der Beurteilung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz geht es in keiner Weise darum, individuelle Schwächen der Arbeitnehmer/innen aufzudecken. Vielmehr sollen gemeinsam kollektive und relevante Störfaktoren am Arbeitsplatz – von Lärm oder störenden Telefonanrufen bis hin zu unklaren Arbeitsanweisungen – aufgedeckt werden. Mit der Kampagne wollen wir den Unternehmen zeigen: Psychosoziale Risiken lassen sich ebenso systematisch beurteilen und managen wie andere Risiken im Arbeitnehmer/innenschutz.“

Der erste Schritt zu gesunden Arbeitsplätzen
Als einer der Pioniere Europas hat Österreich bereits vor geraumer Zeit Maßnahmen gesetzt, um psychische Belastungen am Arbeitsplatz besser in den Griff zu bekommen. Die Novelle des ArbeitnehmerInnenschutzgesetzes vom 1. Jänner 2013 regelt klar, dass neben der körperlichen Gesundheit auch Gefahren durch arbeitsbedingte psychische Belastungen, die zu Fehlbeanspruchungen führen, ermittelt und beurteilt werden müssen. Erforderliche Maßnahmen zur Vermeidung und Reduktion dieser Gefahren sind in der Folge ebenso vorgeschrieben. „Immer mehr Betriebe erkennen die Chance, mit einer Arbeitsplatzevaluierung psychischer Belastungen ‚Schwachstellen’ zu beheben. Noch immer führen mangelnde Arbeitsschutzkenntnisse aber mitunter zu mangelhaften Evaluierungen. Hier unterstützt das Arbeitsinspektorat durch Beratungen und Kontrolle“, so Mag.a Julia Steurer, Sozialministerium. Zahlreiche Informationen zum Thema bietet die Website der Arbeitsinspektion www.arbeitsinspektion.gv.at.

Wissenschaftliche Erkenntnisse zu Stress am Arbeitsplatz
Als „Besorgnis erregend“ bezeichnete auch der deutsche Experte Dr. Jürgen Reusch, Redakteur der Jahrbuchreihe Gute Arbeit, die Verbreitung von arbeitsbedingtem Stress in Europa. „50-60 % aller Ausfalltage stehen europaweit mit arbeitsbedingtem Stress in Verbindung. Die Kampagne der EU ist daher sehr positiv einzuschätzen“, so Reusch. Deutschland habe bei der Thematik im europäischen Vergleich leider deutlich Nachholbedarf: Ganzheitliche Gefährdungsbeurteilungen mit Berücksichtigung psychischer Belastungen seien weiterhin die Ausnahme.

LKH Salzburg: Ruheräume für Power Napping und bewusste Entspannung
Das Universitätsklinikum LKH Salzburg ist eines jener österreichischen Unternehmen, die aktiv Maßnahmen für gesunde Arbeitsplätze setzen. „Seit 2013 unterstützen wir unsere Beschäftigten und Stationsleitungen aktiv bei der Gestaltung eigener arbeitsplatznaher Ruheräume für Power Napping und bewusste Entspannung. Die Nutzung erfolgt meist im Zusammenhang mit 12-Stunden-Diensten, insbesondere auch bei einer Abfolge von zwei bis drei langen Diensten hintereinander. Es gibt derzeit geschätzt  15 Ruhemöglichkeiten im LKH. 75% der befragten Leitungen mit Ruhemöglichkeit auf Station berichten, dass die Wirkung bei den Mitarbeiter/innen offensichtlich ist. Auch die Mitarbeiter/innenzufriedenheit wird positiv beeinflusst“, so Mag.a Brigitta Gruber, Arbeits- und Organisationspsychologin der Salzburger Landeskliniken.

Podiumsdiskussion
Den Abschluss der Veranstaltung bildete eine Podiumsdiskussion, an der u.a. Mag.a Karin Hagenauer, AK Salzburg, Mag.a Silvia Huber, AMD Salzburg, Betriebsrat Heinz Leitinger, Salzburger Sparkasse, sowie Ferdinand Loidl, Leitung Arbeitsinspektion Salzburg, teilnahmen. Diskutiert wurde, wie man noch mehr Unternehmen für die Evaluierung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz gewinnen kann. Fazit: Bewusstseinsbildung und Sensibilisierung tun weiterhin not.

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