Gesunde Arbeit

Anti-Stress-Kampagne der EU: ExpertInnentagung „Psychische Belastungen in der Arbeitswelt“

Sozialministerium und AK Wien luden am 16. Juni 2015 zur Fachtagung „Psychische Belastungen in der Arbeitswelt“. Die Veranstaltung war Teil der laufenden EU-Kampagne „Gesunde Arbeitsplätze - den Stress managen“ . Über 100 ExpertInnen informierten sich über neueste arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse sowie Präventionsmöglichkeiten für eine gesunde Arbeitswelt.
v.l.n.r.: AK Vizepräsident Willibald Steinkellner, Dr.in Anna Ritzberger-Moser, Leitung der Sektion Arbeitsrecht und Zentral-Arbeitsinspektorat, Sozialministerium v.l.n.r.: AK Vizepräsident Willibald Steinkellner, Dr.in Anna Ritzberger-Moser, Leitung der Sektion Arbeitsrecht und Zentral-Arbeitsinspektorat, Sozialministerium
v.l.n.r: Mag.a Veronika Jakl, Willibald Steinkellner, Dr.in Anna Ritzberger-Moser, Univ.-Prof. Dr. Jürgen Glaser, Mag.a Sigrid Schmiedl, MA v.l.n.r: Mag.a Sigrid Schmiedl, MA, Willibald Steinkellner, Dr.in Anna Ritzberger-Moser, Univ.-Prof. Dr. Jürgen Glaser, Mag.a Veronika Jakl

Im Bildungszentrum der AK Wien begrüßten Dr.in Anna Ritzberger-Moser, Leitung der Sektion Arbeitsrecht und Zentral-Arbeitsinspektorat, Sozialministerium, und Willibald Steinkellner, Vizepräsident AK Wien.

EU-Kampagne gegen Stress: Sensibilisierung, Vernetzung, Weiterbildung
Im April 2014 startete die Kampagne  ‚Gesunde Arbeitsplätze – den Stress managen‘ der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA - www.healthy-workplaces.eu). Diese ist die weltweit größte Kampagne zum Thema ArbeitnehmerInnenschutz. Ziel ist es, Unternehmen dabei zu unterstützen, arbeitsbedingten Stress erfolgreich zu managen. Nationale Anlaufstelle für die Umsetzung in Österreich ist das Sozialministerium.

„Wir waren im ersten Kampagnenjahr bei der Sensibilisierung von Unternehmen und ArbeitnehmerInnen für das Thema psychische Belastungen am Arbeitsplatz sehr erfolgreich – nun ist es in aller Munde. Heute geht es uns um die Praxis der Umsetzung von Maßnahmen am Arbeitsplatz. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Weiterbildung der österreichischen ArbeitsmedizinerInnen und ArbeitspsychologInnen – denn diese spielen eine Schlüsselrolle bei der Gestaltung gesunder Arbeitsplätze“, so Anna Ritzberger-Moser.

Arbeitsplatzevaluierung psychischer Belastungen als Schlüssel zu menschengerechter Arbeitsgestaltung
„Stress und psychische Belastungen am Arbeitsplatz als ‚nicht wichtig‘ abzutun kann teuer kommen“, warnte Ritzberger-Moser. „Die Verringerung der Produktivität, die Erhöhung der Personalfluktuation, vermehrte Fehlzeiten und erhöhte Unfallgefahr führen zu massiven finanziellen Einbußen.“

AK-Vizepräsident Willibald Steinkellner hob in seinen Begrüßungsworten die hohen gesamtwirtschaftlichen Kosten von rund 3,3 Milliarden Euro jährlich, die psychische Erkrankungen neben seelischem Leid für die Betroffenen mit sich bringen, hervor.
„Eine teure Rechnung, die wir alle zahlen – die Betroffenen, die Unternehmen und alle SteuerzahlerInnen“, so Steinkellner. Das wichtigste Instrument zur Schaffung einer menschengerechten und humanen Arbeitswelt „im Sinne aller“ sei die Evaluierung der arbeitsbedingten psychischen Belastungen. „Es herrscht hier ein enormer Aufholbedarf. Die gesetzlichen Vorgaben sind auf Punkt und Beistrich einzuhalten“, kritisierte er säumige Unternehmen.

Ritzberger-Moser verwies auf eine Beratungs-und Kontrolloffensive der Arbeitsinspektion seit der Novelle des ArbeitnehmerInnenschutzgesetzes 2013.
In ca. 36 % der Fälle musste 2014 eine schriftliche Aufforderung an die Betriebe erfolgen, Mängel zu beheben. Die meisten Beanstandungen der Arbeitsinspektion erfolgten im Einzelhandel, in der Gastronomie und im Gesundheitswesen.

Fachtagung informierte über arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse, Trends und Maßnahmen
In drei Fachvorträgen wurde das Thema „psychische Belastungen“ von verschiedenen Seiten beleuchtet:

Univ.-Prof. Dr. Jürgen Glaser vom Institut für Psychologie der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck betonte, dass es erforderlich sei, Arbeitsprozesse im Sinne lebenslangen Lernens sowie je nach individuellen Lebens- und Bedürfnislagen (z.B. alternsgerecht, familienunterstützend) und veränderbar zu gestalten. Dies sei wichtig, um neben der Gesundheit der Beschäftigten auch Innovation und Kreativität in Unternehmen zu ermöglichen

„Menschengerechte Arbeit muss nicht nur ausführbar sein, sondern MitarbeiterInnen sollen auch daran wachsen können“, so Mag.a Veronika Jakl, Leitung von Arbeitspsychologie Jakl in Wien, und Mag.a Sigrid Schmiedl, MA, Inhaberin Arbeitspsychologisches Consulting Wien. Ein Negativ-Beispiel: Die Krankenschwester, die im medizinischen Labor tagaus, tagein Blut abnimmt. „Persönlichkeitsfördernd ist das nicht“, sagte Jakl. Hier könne durch Job-Rotation Abhilfe geschaffen werden.
 
„Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Arbeitswelten und Arbeitsbedingungen wachsen, dennoch nehmen psychische Belastungen generell zu. Während sich in einem Teil der Arbeitswelt der Handlungs- und Entscheidungsspielraum deutlich ausweitet, was zum Burn-out führen kann, ist auf der anderen Seite das Fließband mit standardisierten Tätigkeiten nach engen Vorgaben sozusagen auch in manche Büros eingedrungen“, so Univ.-Prof. Dr. Jörg Flecker vom Institut für Soziologie, Universität Wien.
 

Themen-Workshops von Datenschutz bis zu Erfolgsfaktoren
Im Anschluss an die Vorträge fanden interaktive Themen-Workshops für die TeilnehmerInnen unter der Leitung von VertreterInnen von Forba (Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt, Wien), GPA-djp (Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier), FAOW (Fachforum für Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie) sowie des Zentral-Arbeitsinspektorates, der Arbeitsinspektion und der AK statt. Diskutiert wurden die Themen Datenschutz, Herausforderungen im Rahmen der präventivdienstlichen Tätigkeit - also der Tätigkeit von Sicherheitsfachkraft, Arbeitsmedizin und sonstigen Fachleuten, wie ArbeitspsychologInnen im Betrieb - Arbeitsplatzevaluierungen in kleinen und mittleren Unternehmen sowie Erfolgsfaktoren für eine wirkungsvolle  Umsetzung der Arbeitsplatzevaluierung.

Informationen zur EU-Kampagne:
www.healthy-workplaces.eu

Informationen zur Arbeitsplatzevaluierung psychischer Belastungen:
www.arbeitsinspektion.gv.at
Broschüren und Informationen zu Sicherheit und Gesundheit in der Arbeit
http://wien.arbeiterkammer.at/service/broschueren/arbeitundgesundheit/index.html

Mehr Infos zur Kampagne auf www.gesundearbeit.at

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