Schutzstandards: Wir brauchen ein Update!
Wir zeigen drei Gesundheitslücken auf, die im ArbeitnehmerInnenschutzgesetz dringend geschlossen und von der Regierung berücksichtigt werden müssen.
Die Arbeitswelt verändert sich rasant: Moderne Technologien, immer komplexere Arbeitsprozesse sowie -modelle und veränderte Arbeitsbedingungen aufgrund der Klimakrise oder des demografischen Wandels bringen neue Sicherheits- und Gesundheitsgefahren für Beschäftigte hervor. Bisherige Schutzstandards reichen für die Herausforderungen von heute nicht mehr aus. Ein Update der bestehenden Regelungen im Arbeitnehmer:innenschutz ist mehr als notwendig. Eines ist für uns klar: Sie haben ein Recht auf ein gesundes und sicheres Arbeitsumfeld, und wir als Arbeitnehmer:innenvertretung setzen uns dafür ein.
Wussten Sie, dass
- jährlich in Österreich rund 1.800 Menschen an arbeitsbedingtem Krebs sterben? Veraltete Grenzwerte für gesundheitsschädigende Arbeitsstoffe wiegen Beschäftigte und Betriebe in trügerischer Sicherheit.
- neue arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse klare Grenzwerte für das Tragen und Heben von schweren Lasten liefern, sie jedoch noch immer nicht gesetzlich verankert sind? Für unzählige Beschäftigte gehört das Befördern von schweren Lasten zum Arbeitsalltag. Was vermeintlich anfangs problemlos funktioniert, kann über die Jahre in langfristige Gesundheitsschäden wie Muskel-Skelett-Erkrankungen münden.
- psychische Erkrankungen heute bereits 11 Prozent aller Krankenstandstage (1994: 2,6 Prozent) ausmachen, im Gesetz jedoch nach wie vor Arbeits- und Organisationspsycholog:innen als eigentliche Expert:innen zur Vermeidung von arbeitsbedingten psychischen Gefahren und Folgeerkrankungen nicht verankert sind?
Ob krebserzeugende Stoffe, psychische Belastungen aufgrund von steigendem Arbeitsdruck oder Heben und Tragen von schweren Lasten – den Preis dafür zahlen immer die Arbeitnehmer:innen, und das mit ihrer Gesundheit.
Auf einen Blick: So geht Arbeitnehmer:innenschutz von heute
Die Modernisierung des Arbeitnehmer:innenschutzrechts muss politische Priorität werden und ist längst überfällig. Wir als AK und ÖGB setzen uns ein für
- mehr Schutz vor arbeitsbedingtem Krebs und die Einführung wissenschaftlich aktueller und risikobasierter Grenzwerte.
- eine Verordnung mit verbindlichen Grenzwerten für das Heben und Tragen von schweren Lasten.
- den gesetzlich verpflichtenden Einsatz von Arbeits- und Organisationspsycholog:innen in der betrieblichen Prävention, um die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz sicherzustellen.
Magazin Gesunde Arbeit 2/2026, Stamm-Ausgabe