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Wer kürzer arbeitet, arbeitet länger gesund

Die Debatte über das Pensionsantrittsalter dreht sich fast ausschließlich um eine Frage: Wie bringen wir Menschen dazu, länger zu arbeiten? Viel wichtiger ist aber: Wie bleiben Beschäftigte überhaupt bis 65 gesund?

Gesunde Arbeit

Die Lebenserwartung in Österreich liegt mit 82,1 Jahren über dem EU-Schnitt von 81,5 Jahren. Die Lebensdauer an sich ist also nicht das Problem. Bei den gesunden Lebensjahren – jenen Jahren, die ohne chronische Erkrankung oder Funktionseinschränkung verbracht werden – zeigt sich hingegen ein anderes Bild: Hierzulande werden im Schnitt 60,6 gesunde Lebensjahre erreicht. Ein Wert, der deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 65,2 Jahren liegt und vor allem klar unter dem gesetzlichen Pensionsantrittsalter. 

Krank vor 65 

Es geht also nicht darum, wie Menschen über das Pensionsantrittsalter hinaus arbeiten können, sondern darum, dass sie überhaupt bis zu diesem arbeitsfähig bleiben. Vor allem in körperlich und psychisch stark belastenden Branchen hält nur ca. die Hälfte der Beschäftigten einen Verbleib bis 65 für realistisch. Menschen scheiden nicht aus Bequemlichkeit früher aus dem Erwerbsleben aus – sondern weil die Arbeitsbedingungen sie krank machen, bevor sie überhaupt das Pensionsalter erreichen. 

Genau hier setzt Arbeitszeitverkürzung an. Kürzere tägliche und wöchentliche Arbeitszeiten verringern die Belastung, schaffen Raum für Erholung und senken Krankenstände sowie Burn-out-Raten. Betriebe, die ihre Arbeitszeit bereits reduziert haben, berichten übereinstimmend von weniger Fehlzeiten und zufriedeneren Belegschaften. Internationale Pilotprojekte, etwa in Island oder Großbritannien, bestätigen diesen Effekt ebenso wie österreichische Musterbetriebe, die auf eigene Faust eine Arbeitszeitverkürzung umgesetzt haben und damit erfolgreich sind. 

30 bis 35 Stunden pro Woche 

Statt das gesetzliche Pensionsalter weiter anzuheben oder Frühpensionen weiter zu erschweren, braucht es also vielmehr eine generelle Verkürzung der Wochenarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich – eine neue, zeitgemäße Vollzeit, die Arbeiten bis zur Pension (und unter Umständen darüber hinaus) überhaupt erst möglich macht. Der Korridor für eine solche liegt bei 30 bis 35 Stunden – also genau dort, wo in Befragungen auch die meisten Menschen ihre Wunscharbeitszeit ansetzen.  

Wer will, dass Menschen gesund bis zur Pension arbeiten, muss die Arbeitszeit während des gesamten Erwerbslebens senken. Alles andere ist verantwortungslos und bedeutet: Beschäftigte werden länger im System gehalten, ohne die gesundheitlichen Voraussetzungen dafür zu schaffen. Arbeitszeitverkürzung ist deshalb keine Verteilungsfrage allein, sondern eine gesundheits- und pensionspolitische Notwendigkeit. 

 

Magazin Gesunde Arbeit 3/2026, Stamm-Ausgabe