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Kinderarbeit: Wenn Stoffe die Gesundheit rauben

Rund 138 Millionen Kinder sind weltweit von Kinderarbeit betroffen und arbeiten unter ausbeuterischen Bedingungen. Giftige Chemikalien, Staub und gefährliche Arbeit schädigen ihre Gesundheit. Um das zu verhindern, braucht es wirksame gesetzliche Regelungen.

Michael Wögerer arbeitet im Internationalen Referat des ÖGB und ist Projektleiter des entwicklungspolitischen Vereins solidar Austria. Markus Zahradnik

Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und UNICEF vom Juni 2025 zeigen: Rund 138 Millionen Kinder sind weltweit von Kinderarbeit betroffen, das sind knapp 8 Prozent aller Kinder. In der Textilindustrie sind sie vor allem in der Vorproduktion tätig: beim Baumwollanbau, in Spinnereien, in Färbereien und in der Lederverarbeitung. Sie nähen, sortieren Fasern, tragen schwere Lasten oder arbeiten mit hochgiftigen Chemikalien – meist ohne Schutzkleidung. 

Chemikalien als Gesundheitsgefahr 

Die gesundheitlichen Folgen sind gravierend. In der Lederindustrie, etwa in Bangladesch oder Indien, hantieren Kinder ungeschützt mit toxischen Gerbstoffen. Diese können Hauterkrankungen, Atemwegsprobleme, Allergien und Krebs verursachen. Besonders gefährdet sind Kinder, weil sich ihr Organismus noch entwickelt und Schadstoffbelastungen lebenslange Folgen haben können. 
Auch im Baumwollanbau sind Kinder erheblichen Risiken wie Pestiziden und extremer Hitze ausgesetzt. In Fabriken atmen sie stundenlang Feinstaub ein, was zu chronischen Atemwegserkrankungen führt. Dazu kommen lange Arbeitszeiten, körperliche Überlastung und Unfallgefahren. 

Gesetzliche Regelungen im Fokus 

Die Bekämpfung von Kinderarbeit erfordert verbindliche staatliche und internationale Maßnahmen. Zwar verbieten die ILO-Konventionen 138 und 182 Kinderarbeit eindeutig, aber die Umsetzung bleibt in vielen Ländern unzureichend. 
Auf EU-Ebene sollte die Lieferkettenrichtlinie (CSDDD) Unternehmen verpflichten, Menschenrechte und Umweltstandards entlang globaler Lieferketten zu wahren. Doch nach massivem Lobbydruck stimmte das EU-Parlament im November 2025 für weitreichende Abschwächungen. 
Österreichische NGOs wie solidar Austria und die Initiative „Kinderarbeit stoppen“ sowie ÖGB und Arbeiterkammer kritisieren diese Entwicklung scharf. Sie fordern ein starkes Lieferkettengesetz, das Unternehmen wirksam zur Verantwortung zieht. 

Staatliche Verantwortung 

Produktionsländer wie Bangladesch, Indien, Pakistan und Vietnam stimmten 2022 im Rahmen eines UN-Programms zu, den Einsatz gefährlicher Chemikalien in der Textilindustrie zu überwachen. Die Umsetzung bleibt jedoch schwierig. Armut, fehlender Zugang zu Bildung und schwache Arbeitsaufsicht begünstigen weiterhin Kinderarbeit. 
Wirksame Gegenmaßnahmen umfassen: Ausbau sozialer Sicherungssysteme, kostenlose Schulbildung, Stärkung der Arbeitsinspektionen, Förderung von Gewerkschaften und existenzsichernde Löhne für Eltern. Nur so lässt sich verhindern, dass Kinder gezwungen sind, unter ausbeuterischen und gefährlichen Bedingungen zu arbeiten. 

 

Magazin Gesunde Arbeit 1/2026, Stamm-Ausgabe