Erfahrung zählt: Wechseljahre am Arbeitsplatz
Die Wechseljahre – ein Thema, das in vielen Bereichen der Gesellschaft noch immer mit Unsicherheiten und Missverständnissen behaftet ist. Dabei betrifft diese Lebensphase Millionen von Frauen, von denen viele in systemrelevanten Berufen arbeiten. Gerade in Berufen mit hoher Verantwortung, erhöhter psychischer und physischer Belastung oder mit Schichtarbeit ist es essenziell, die Auswirkungen der Wechseljahre besser zu verstehen und konstruktiv damit umzugehen.
Während die meisten Frauen wenig Veränderungen spüren, erlebt ein Drittel erhebliche Belastungen. Häufig leiden sie unter Schlafstörungen, Hitzewallungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Stimmungsschwankungen oder Beschwerden am Bewegungsapparat. Ein entscheidender Punkt ist: Beschwerden sind individuell. Trotzdem fällt es schwer, offen darüber zu sprechen – aus Sorge, als weniger leistungsfähig und belastbar wahrgenommen zu werden. Ein offener, sachlicher Umgang im Betrieb ermöglicht frühzeitige Entlastungen, ohne dass intime Details offengelegt werden müssen.
Lösungen müssen praxistauglich sein. Ein flexibler Umgang mit Arbeitszeiten, Erholungspausen oder Anpassungen im Schichtdienst können Frauen helfen, aktiv und gesund zu bleiben. Es geht darum, pragmatische Wege zu finden, um bewährte Fachkräfte im Beruf zu halten.
Individuelle Beratung notwendig
Noch immer sind viele Symptome der Wechseljahre in der medizinischen Versorgung unterrepräsentiert. Frauen mit stärkeren oder massiven Beschwerden erhalten häufig die Rückmeldung, das sei „normal“ und müsse einfach durchgestanden werden.
Dabei existieren heute unterschiedliche Ansätze, die Beschwerden lindern können – von hormonellen über nicht hormonelle Optionen bis zu Lebensstilmaßnahmen. Entscheidend ist eine fundierte ärztliche Beratung, die individuell auf die Bedürfnisse jeder Frau eingeht. Doch gerade bei der medizinischen Aus- und Weiterbildung besteht hier noch erheblicher Nachholbedarf.
Forderungen der Gewerkschaftsfrauen:
- Forschung und Gendermedizin vorantreiben
- Betriebliche Gesundheitsförderung stärker auf die Bedürfnisse von Frauen abstimmen
- Konzepte für alternsgerechtes Arbeiten auch für die Wechseljahre weiterentwickeln
Wechseljahre gehen alle etwas an
Auch Männer erleben hormonelle Veränderungen – die sogenannte Andropause ist mit Testosteronschwankungen verbunden, die sich auf Stimmung, Leistungsfähigkeit und Gesundheit auswirken können. Ein offener Umgang mit solchen Themen nützt daher nicht nur Frauen, sondern verbessert insgesamt das Verständnis für biologische Veränderungen im späteren Berufsleben.
Die Wechseljahre sind keine Schwäche, sondern eine Phase des Wandels. Frauen mit jahrzehntelanger Erfahrung und Fachwissen bringen Kompetenz, Professionalität und Routinen mit, die unverzichtbar sind. All das ist gefragt, besonders in jenen Jobs, wo Fachkräfte intensiv gesucht werden.
Ein starkes Team zeichnet sich durch gegenseitiges Verständnis, Wissen und den offenen Umgang mit Herausforderungen aus. Wer die Wechseljahre enttabuisiert, sorgt für ein leistungsfähiges und gesundes Arbeitsumfeld – und davon profitieren letztlich alle.
Magazin Gesunde Arbeit 4/2025, Stamm-Ausgabe