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Weiterbildung in jedem Alter

Die Arbeitswelt ändert sich rasant, insbesondere durch die fortschreitende Digitalisierung. Um mit den Entwicklungen mitzuhalten, ist berufliche Weiterbildung unerlässlich. Auch ältere Arbeitnehmer:innen müssen daran teilhaben können.

Weiterbildung bringt Ideen zum Strahlen: Wer Lernen im Betrieb fördert, schafft Motivation, steigert die Kompetenzen und fördert die persönliche Weiterentwicklung. Adobe Stock / robu_s

Neugier ist der Motor fürs Lernen. Auch wenn sie in der Schule manchmal zu kurz gekommen sein mag, kann sie im Berufsleben gezielt gestärkt werden. Lernen passiert dabei auf zwei Wegen: informell, also direkt im Arbeitsalltag durch das „Training on the Job“, und formell in Form von Schulungen und Seminaren. Ob Arbeitnehmer:innen solche in Anspruch nehmen, hängt oft von der Unterstützung durch die Führungskräfte ab. 

Wirksam wird Weiterbildung erst, wenn das neu erworbene Wissen auch genutzt wird. Führungskräfte, die Lernen fördern, wertschätzen und Raum für die Anwendung schaffen, stoßen einen positiven Kreislauf aus Motivation, Erfolgserlebnissen und wachsender Lernfreude an.

Die Forderung

Damit für alle – von Lehrlingen bis zu Beschäftigten kurz vor der Pensionierung – das jeweils passende Lernangebot zur Verfügung steht, fordert der ÖGB, dass Unternehmen gemeinsam mit Betriebsrat und Jugendvertrauensrat verpflichtende betriebliche Ausbildungspläne erstellen. Der Betriebsrat muss erweiterte Kompetenzen und Mitspracherecht in Bezug auf betriebliche Weiterbildung erhalten, etwa in Form eines jährlichen Qualifizierungsgesprächs, analog zum Wirtschaftsgespräch.

Bildung auch für Ältere

Häufig werden Ältere von Bildungsmaßnahmen ausgeschlossen, wie Alexander Prischl vom ÖGB erklärt: „Um ältere Personen im Arbeitsmarkt halten zu können, ist neben der gesundheitlichen Komponente auch die Frage der Qualifizierung von hoher Bedeutung. Alternsgerechtes Arbeiten bedeutet daher auch, älteren Beschäftigten den Zugang zu innerbetrieblichen Qualifizierungen zu ermöglichen und sie vor allem zu fördern. Leider ist der typische Teilnehmer bei innerbetrieblicher Qualifizierung noch immer männlich und jung.“
Das bestätigen auch Daten des deutschen Statistischen Bundesamts: Erwerbstätige zwischen 25 und 34 Jahren nehmen mit 6,8 Prozent am häufigsten an beruflichen Weiterbildungsveranstaltungen teil, bei den 55- bis 64-Jährigen sind es nur 4,8 Prozent.

Altersabhängige Lerntypen

Jüngere Menschen lernen in der Regel schneller, sind offen für Neues und bevorzugen digitale Lernformen. Ältere verfügen über ein umfassendes Erfahrungswissen – sie lernen leichter, wenn sie neue Inhalte mit bereits bekannten verknüpfen können und das Gelernte praktische Relevanz hat. Gerade Personen, deren letzte Lernerfahrungen weiter zurückliegen, fürchten häufig, mit den Anforderungen nicht Schritt halten zu können.

Damit Weiterbildung für Ältere gelingt, braucht es eine aktive Einladung zu Bildungsveranstaltungen und eine gezielte Ansprache – vor allem, wenn es Ängste gibt. In fortgeschrittenem Alter ist es besonders wichtig, im eigenen Tempo lernen und die Inhalte so oft wie nötig wiederholen zu können. Häufig müssen geeignete Lerntechniken (wieder) erworben werden. Rücksicht ist auch bei den Lehrenden gefragt, wenn zum Beispiel geänderte Arbeitsabläufe ein Umlernen erfordern. Nicht zuletzt trägt ein gutes Gruppenklima zusätzlich zum Lernerfolg bei, unabhängig vom Alter.

 

Magazin Gesunde Arbeit 4/2025, Stamm-Ausgabe