Übergänge sinnvoll gestalten
Der Schritt eines Beschäftigten von der Arbeitswelt in den Ruhestand kann reibungslos und gewinnbringend ablaufen. Wie man späte Berufsphasen motivierend gestaltet und Wissen weitergibt, weiß Experte Wilhelm Baier.
Das Thema Ruhestand beschäftigt viele Menschen schon Jahre vor dem tatsächlichen Pensionsantritt: Wie sieht mein Leben nach dem Erwerbsleben aus? Und wie lassen sich Agenden gut an Kolleg:innen übergeben? Erste betriebliche Überlegungen dazu sollten jedenfalls schon mehrere Jahre vor der Pensionierung angestellt werden.
Betriebliches Übergangsmanagement (BÜGM) befasst sich mit diesen Fragen. Es gilt als Strategie des Personalmanagements, Übergänge in spätere Phasen des Erwerbslebens sowie die Pensionierung möglichst zufriedenstellend für alle Beteiligten zu gestalten. Gut konzipiert und umgesetzt, bringt es einen Gewinn für Beschäftigte und Unternehmen.
Überlegungen zum gelingenden Übergang in den Ruhestand sollten nicht erst knapp vor einer Pensionierung, sondern bereits Jahre davor angestellt werden.
Win-win-Situation
Der Arbeits- und Organisationspsychologe Wilhelm Baier praktiziert ein 5-Ebenen-Modell des Betrieblichen Übergangsmanagements. Dieses sieht er „sehr vielschichtig: Innerbetrieblich geht es darum, für Mitarbeiter:innen in der späten Berufsphase motivierende Rahmenbedingungen der Arbeit sicherzustellen“, sagt er. „Für Menschen am Ende ihres Erwerbslebens geht es insbesondere um Wertschätzung, gesundheitsgerechte Arbeitsbedingungen und einen gelingenden Übergang in die nächste Lebensphase.“
Konkrete Maßnahmen für ein gutes Übergangsmanagement sind etwa eine unterstützende Führungs- und Organisationskultur, die eine altersgerechte Arbeitsgestaltung ermöglicht, oder ein wertschätzender Wissenstransfer. Ein Instrument dafür sind strukturierte Mitarbeiter:innen-Gespräche acht bis zehn Jahre vor Pensionsantritt, um die betroffenen Personen aktiv in die Gestaltung zu involvieren und die Arbeitsfähigkeit zu gewährleisten. Die altersgerechte Laufbahngestaltung ist ein wichtiger Motivator, der es Menschen ermöglicht, ihr Arbeitsleben hindurch gesund und engagiert mitzuarbeiten. Nicht zuletzt gehe es laut dem Experten bei BÜGM darum, den demografischen Wandel gut zu bewerkstelligen und dabei die Bedürfnisse alter und junger Beschäftigter und ebenso der Führung zu berücksichtigen.
Gute und rechtzeitige Planung von betrieblichen Übergangsphasen sei geeignet, „eine mögliche Weiter- oder Wiederbeschäftigung“ zu bewirken. „Es gehört im Team besprochen, wie wertvolles Know-how weitergegeben wird oder ob und in welcher Form erfahrene Mitarbeiter:innen weiterhin zur Verfügung stehen können und wollen“, sagt Experte Baier.
Schließlich sei es für Menschen am Ende ihrer Berufskarriere wichtig, auf das Erreichte zurückzublicken und sich mit anstehenden Zukunftsthemen zu beschäftigen: „Die Pensionierung wirft existenzielle Fragestellungen auf, dabei hat sich ein angeleiteter Austausch bestens bewährt.“
Magazin Gesunde Arbeit 4/2025, Stamm-Ausgabe