Wie Führung für alle Generationen hinweg gelingt
Gute Führung bringt Menschen unterschiedlichen Alters am Arbeitsplatz zusammen – und ermutigt sie, ihre Potenziale zu entdecken. Generationenübergreifende Führung orientiert sich dabei an Lebensphasen und schafft Handlungsspielraum.
Führung bedeutet, Rahmenbedingungen der Arbeit so zu gestalten, dass Mitarbeiter:innen motiviert arbeiten können. „Eine gesundheitsförderliche Führung sollte idealerweise immer gelebt werden. Diese achtet auf viele Aspekte – besonders auf Fairness, Gemeinschaftsgefühl, gemeinsame Werte und Anerkennung. Ein wichtiger Punkt ist außerdem der Handlungsspielraum bzw. die Autonomie. Gerade für ein alterns- und altersgerechtes Arbeiten ist dieser entscheidend: Er ermöglicht, dass Beschäftigte ihre Erfahrung und Kompetenzen wahrgenommen sehen und sinnvoll einsetzen können“, erklärt Paul Jiménez, Psychologieprofessor an der Universität Graz.
Neben dem Alter müssen Führungskräfte auch die jeweilige Lebensphase der Arbeitnehmer:innen berücksichtigen. Der Zeitpunkt von Lebensphasen wie Berufseinstieg oder Familiengründung kann individuell stark variieren. So benötigen Beschäftigte bei späterer Elternschaft noch mit Ende 30 Arbeitsbedingungen, die eine Vereinbarkeit von Job und Familie ermöglichen. Quereinsteiger:innen jenseits der 50 brauchen neue Skills, lernen aber anders als ihre jungen Kolleg:innen.
Gezielte Maßnahmen
Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, brauchen Führungskräfte einen Überblick über die Altersstruktur in ihrem Unternehmen und die Qualifikationen der Arbeitnehmer:innen. Auf dieser Basis lassen sich gezielte Maßnahmen setzen: Beschäftigte können an Arbeitsplätzen eingesetzt werden, die ihren Fähigkeiten und Bedürfnissen entsprechen, sie erhalten passende Weiterbildungsangebote, und Teams können so zusammengestellt werden, dass sich die Stärken Jüngerer und Älterer ideal ergänzen.
Für die Arbeitszufriedenheit von Beschäftigten spielt auch die Wertschätzung durch Führungskräfte eine entscheidende Rolle, wie eine in Deutschland durchgeführte Studie zeigt: Die Wahrscheinlichkeit, die Arbeitsfähigkeit von über 50-Jährigen zu verbessern, war bei wertschätzender Führung 3,6-mal höher.
Praxisbeispiel Metallgewerbe
Zahlreiche Unternehmen setzen das Konzept generationenübergreifender Führung bereits erfolgreich um. So hat etwa ein mittelgroßer Metallgewerbebetrieb mit dem Ziel, die Fehlerquoten weiter zu senken, eine wöchentliche Besprechung des Produktionsleiters mit seinen Gruppenleitern eingeführt. In diesen Runden bringen die älteren Meister ihr Wissen und ihre Erfahrung ein, um Lösungen zu finden, während die jüngeren Kolleg:innen kreative Ideen beitragen und die Umsetzung von Neuerungen forcieren. So entsteht ein wertschätzendes Miteinander, von dem die Arbeit und die Gemeinschaft gleichermaßen profitieren.
Magazin Gesunde Arbeit 4/2025, Stamm-Ausgabe