Ergo4All: Eine Frage der Haltung
Wie gut passen mein Arbeitsplatz und meine Körperhaltung? Die kostenlose App „Ergo4All“ erkennt Probleme und macht Ergonomie verständlich.
Ergonomie wird oft erst Thema, wenn Rücken, Nacken oder Schultern bereits schmerzen. Das von der AK Niederösterreich geförderte Projekt „Ergonomics for All“ von TU Wien und USTP St. Pölten setzt präventiv an. Seit April steht die kostenlose App zur Verfügung, mit der Probleme früher sichtbar werden.
Die Bedienung ist unkompliziert: Beschäftigte filmen eine Tätigkeit mit dem Smartphone, eine KI analysiert ihre Haltung und zeigt anhand interaktiver Visualisierungen, wo es Verbesserungspotenzial gibt. Die Daten werden ausschließlich am Gerät verarbeitet und sind für niemanden sonst einsehbar. Das Werkzeug ersetzt weder eine fachkundige Evaluierung noch die Verantwortung der Arbeitgeber:innen – es wurde entwickelt, um Risiken für Muskel-Skelett-Erkrankungen schneller zu erkennen und Arbeit gesünder zu gestalten.
Mehr als 100 Personen wurden bereits dazu befragt, erzählt Projektleiter David Kostolani von der TU. Die App hat ihnen im Rahmen der Studie geholfen, Fehlhaltungen aufzudecken, die sie sonst als ergonomisch unbedenklich wahrgenommen hätten.
Ähnlich der Abraka-Assembly-Tisch der TU: Er erkennt ungünstige Körperhaltungen und passt seine Höhe automatisch an. Das erwies sich in einer Studie mit Industriemitarbeiter:innen als akkurater als die eigenen Einstellungen.
3 Fragen an die Ergonomin Franziska Mally, AUVA
Was kann so eine App tatsächlich leisten?
Franziska Mally: Sie kann spielerisch für das Thema sensibilisieren und das Bewusstsein für die eigene Körperwahrnehmung fördern. Sie ersetzt aber keinesfalls den geschulten Blick von Ergonom:innen, die Verhalten und Verhältnisse am Arbeitsplatz ganzheitlich betrachten.
Welche Schritte empfehlen Sie?
Man sollte die durch KI ermittelten Ergebnisse prüfen, mit der tatsächlichen Körperhaltung vergleichen und das Gesamtsystem aus äußeren und inneren Einflussfaktoren berücksichtigen. Genau dafür holt man sich am besten Ergonom:innen.
Können digitale Tools die Verantwortung auf Beschäftigte schieben?
Die Fürsorgepflicht bleibt aufseiten der Arbeitgeber:innen. Im Idealfall sind Sicherheit und Gesundheit aber ein gemeinsames Ziel.
Magazin Gesunde Arbeit 3/2026, Stamm-Ausgabe