Immer mehr Gewalt am Arbeitsplatz – das darf kein Jobrisiko sein!
Arbeitsunfälle durch Gewalt nehmen zu. AUVA, ÖGB und vida fordern mehr Prävention, klare Verfahren und bessere Schutzmaßnahmen in den Betrieben.
Gewalt am Arbeitsplatz ist kein unvermeidbarer Teil bestimmter Berufe – sondern ein Thema guter Arbeitsgestaltung. Dass Betriebe stärker vorbeugen müssen, zeigen die Zahlen der AUVA: Anerkannte Arbeitsunfälle durch Gewalt sind seit 2020 um rund 40 Prozent gestiegen. „Menschen, die geschlagen, gestoßen, getreten, gebissen werden – das erschüttert mich“, sagte AUVA-Präventionsdirektorin Caroline Krammer beim Pressegespräch „Tatort Arbeitsplatz: Gewalt ist kein Jobrisiko“ am 6. August in Wien.
Rund 1.750 Arbeitsunfälle infolge von Gewalt wurden 2025 in Österreich registriert, um etwa 65 Prozent mehr als noch 2021. Die tatsächlichen Zahlen dürften noch höher liegen, denn reine Belästigungen sowie viele nicht AUVA-versicherte Beschäftigte sind in der Statistik nicht enthalten. Besonders betroffen sind Arbeitnehmer:innen im Gesundheits- und Sozialbereich, im öffentlichen Verkehr, im Handel, in der Verwaltung und in der Gastronomie. Rund ein Drittel der Fälle entfällt auf interne Gewalt, zwei Drittel passieren durch externe Täter:innen.
Für Krammer ist klar: Gewalt darf nicht als individuelles Problem betrachtet werden. „Genauso wie wir als AUVA über Absturzsicherung reden, müssen wir über Gewalt reden.“ Ein wichtiger Ansatzpunkt sei daher die Arbeitsplatzevaluierung. Die AUVA hat dafür u. a. eine Checkliste zur Gewaltprävention entwickelt, mit der Betriebe Risiken erkennen und geeignete Maßnahmen ableiten können.
Auch ÖGB-Expertin Dinah Djalinous-Glatz sieht Handlungsbedarf: „Die Zahlen der AUVA sind nur die Spitze des Eisberges.“ Hinter jedem Vorfall stehen menschliches Leid, Krankenstände, betriebs- und volkswirtschaftliche Kosten und letztlich oft der Weggang von Beschäftigten. Gewaltprävention müsse stärker in die betriebliche Prävention integriert werden. Verschiedenste Maßnahmen können hier helfen: Etwa, dass Nachtdienste nicht alleine absolviert werden, aber auch Deeskalationstrainings und vor allem klar definierte Abläufe und Ansprechpersonen im Betrieb.
„Gewalt ist kein Berufsrisiko, auch wenn Beschäftigten das oft eingeredet wird“, betonte vida-Bundesfrauenvorsitzende Yvonne Rychly. Sie ist auch Schirmherrin der Initiative "Tatort Arbeitsplatz", mit der sich die Gewerkschaft seit Jahren für besseren Schutz einsetzt – etwa durch Schulungen für Betriebsrät:innen, Branchenlösungen und klare Verfahren für den Umgang mit Übergriffen.
Die Verantwortung liegt letztlich bei den Arbeitgeber:innen: Sie müssen Arbeitsbedingungen schaffen, die Gewalt verhindern, und Betroffene unterstützen. Betriebsrät:innen und Sicherheitsvertrauenspersonen können dabei eine wichtige Rolle übernehmen – etwa indem sie Vorfälle sichtbar machen und Verbesserungen im Betrieb einfordern.
Redaktion Gesunde Arbeit