Zerrissene Tage: Geteilte Dienste in der Pflege und Reinigung
Zweimal am Tag aus dem Haus gehen, verdoppelte Arbeitswege. Zwischen den Schichten die Kinder versorgen, den Haushalt managen: So sieht der Alltag vieler Beschäftigter mit geteilten Diensten aus.
Geteilte Dienste sind in Branchen üblich, in denen die Arbeit über den Tag ungleich verteilt ist: Beschäftigte arbeiten zum Beispiel in der Früh ein paar Stunden und haben dann eine zweite Schicht am späten Nachmittag. Verbreitet sind sie etwa in der Büroreinigung, in der mobilen Pflege, in der Gastronomie oder bei Buslenker:innen.
Eingeschränktes Familienleben
Wir haben geteilte Dienste in der Reinigungsbranche und der mobilen Pflege in Österreich untersucht. Es zeigt sich: Diese fragmentierten Arbeitszeiten sind mit gravierenden Folgen für die Arbeits- und Lebensqualität verbunden. Das Sozial- und Familienleben ist stark eingeschränkt: Da Beschäftigte sowohl spät heimkommen als auch früh aufstehen, ist es schwierig für sie, unter der Woche an sozialen Aktivitäten teilzunehmen. Besonders in der Büroreinigung, wo geteilte Dienste täglich vorkommen können, wirken sich diese erheblich auf den Familienalltag aus. Manche Beschäftigte sehen unter der Woche ihre Kinder kaum.
Der Körper im Takt der Arbeitszeit
Diese Dienste sind anstrengend für Körper und Psyche. Pflegekräfte berichteten uns, dass sie die Unterbrechung zwischen zwei Schichten benötigen, um Kraft für die Abendschicht zu sammeln. Gleichzeitig ist es herausfordernd, mehrmals am Tag den Modus zu wechseln und immer wieder zwischen Erwerbsarbeit, Hausarbeit, Kinderbetreuung sowie Freizeit zu switchen. In der Arbeitsforschung wird ein solches Muster als Fragmentierung der Arbeitszeit bezeichnet – und es wird in Studien immer deutlicher, dass diese mit großen Belastungen einhergeht. Echte Erholung und das Abschalten von der Arbeit werden dadurch erschwert.
Alternative Arbeitszeitmodelle
Welche Alternativen gibt es? Unsere Forschung zeigt: Das kommt auf die Branche an. In der Pflege etwa prägen menschliche Bedürfnisse die Arbeitszeiten: Frühstück lässt sich nicht am Nachmittag servieren, Medikamente müssen zu bestimmten Zeiten verabreicht werden. Hier wäre es wichtig, dass die Arbeit weniger verdichtet ist, sodass Pflegekräfte keine Unterbrechung brauchen, um einen ganzen Arbeitstag zu schaffen. Auch wird in Österreich mit zusammenhängenden Blockdiensten experimentiert, die beispielsweise in Schweden verbreitet sind. In der Büroreinigung ist ein Umstieg auf Tagesreinigung eine wichtige Alternative zu geteilten Diensten an den Tagesrändern: Beschäftigte arbeiten dann zu den gleichen Zeiten wie anderes Personal im Gebäude, sie haben weniger atypische Arbeitszeiten und werden sichtbarer.
Magazin Gesunde Arbeit 3/2026, Stamm-Ausgabe