Ohne Erholung geht es nicht
Gute Arbeitsbedingungen hängen auch von ausreichender Erholung ab. Steigende Arbeitsverdichtung und ungünstige Arbeitszeiten können bei fehlenden Erholungsmöglichkeiten die Gesundheit beeinträchtigen.
Wenn das Geforderte nicht zur verfügbaren Zeit passt, entstehen Termin- und Leistungsdruck, Multitasking, häufige Unterbrechungen und eine hohe Aufgabendichte. Befragungen zeigen einen Anstieg der Belastung durch die Arbeitsverdichtung in den vergangenen zehn Jahren. Die Hälfte der Erwerbstätigen arbeitet heute unter starkem Termin- und Leistungsdruck sowie Zeitstress und muss mehr Arbeit in weniger Zeit schaffen als in den Vorjahren. Über 80 Prozent der Beschäftigten sind zudem außerhalb der Arbeitszeit zumindest gelegentlich und 23 Prozent ständig erreichbar.
Arbeitszeit beeinflusst die Erholung doppelt
Zur Erholung braucht es ausreichende Freizeit, die nicht durch ständige Erreichbarkeit oder fragmentierte Arbeit unterbrochen wird. Wie viel und wann jemand vorher gearbeitet hat, wirkt dabei doppelt auf den Erholungsprozess:
Einerseits beeinflusst es das Belastungsniveau, von dem man sich erholen muss. So führen Arbeit in der Nacht, lange Dienste und viele Arbeitstage in Folge zu einem erhöhten Erholungsbedarf. Eine erhöhte Arbeitsintensität verstärkt diese Wirkung, Pausen können sie abfedern.
Andererseits hängt von der Arbeitszeit die zur Erholung verfügbare freie Zeit ab. Längere Dienste verhindern meist ausreichende Ruhezeiten. Bei Nachtarbeit wird am Tag geschlafen – das führt oft zu einer verkürzten Schlafdauer und schlechterer Schlafqualität. Arbeit am Abend und Wochenende schränkt soziale Aktivitäten ein.
Ausreichender Schlaf und „Abschalten“
Guter Schlaf ist wichtig für die tägliche Erholung und ein gesundes Leben. Ein chronisches Schlafdefizit kann Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen hervorrufen und sogar zu einer verfrühten Sterblichkeit führen.
In der restlichen Freizeit spielt das „Abschalten“ von der Arbeit eine wichtige Rolle, um sich wirklich zu erholen. Sonst startet der nächste Arbeitstag bereits mit erhöhtem Erholungsbedarf, und die Arbeit wirkt umso stärker belastend. Wird fehlende Erholung chronisch, kann ein ständiger Zustand der Anspannung entstehen, der langfristig zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führt.
Riskante Kombination: Arbeitsverdichtung und fehlende Erholung
Hoher Arbeitsdruck hängt in vielen Studien mit erhöhten Beeinträchtigungen durch Schlafstörungen, Erschöpfung, Rückenschmerzen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammen. Besonders bei zusätzlich langen Arbeitszeiten, Schichtarbeit oder verkürzten Ruhezeiten entsteht erhöhter Erholungsbedarf. Fehlt dann die Erholung, steigen gesundheitliche Risiken umso stärker an. Eine gute Arbeitsgestaltung optimiert daher beides – die Arbeitsbelastung und die Arbeitszeit.
Autor:innen: Anna Arlinghaus und Marc Sobisch, Ximes GmbH
Magazin Gesunde Arbeit 3/2026, Stamm-Ausgabe