Lange Arbeitszeit, hohes Unfallrisiko
Die Wahrscheinlichkeit eines Arbeitsunfalls steht in engem Zusammenhang mit der Anzahl der täglichen und wöchentlichen Arbeitsstunden, mit Schichtarbeit, Ruhezeiten und Pausen.
Ein langer Arbeitstag neigt sich dem Ende zu. Man ist müde, unkonzentriert, macht mehr Fehler – und dann passiert etwas. Ein Stolpern, eine Verletzung … oder Schlimmeres. Dass das kein Einzelfall ist, beweisen zahlreiche wissenschaftliche Studien: Lange Arbeitszeiten erhöhen das Unfallrisiko!
Tages- und Wochenarbeitszeit
Bereits nach der achten Arbeitsstunde nimmt die Aufmerksamkeit ab und die Müdigkeit zu. Nach der neunten Stunde steigt das Unfallrisiko exponentiell an, nach der zwölften ist es bereits um 173 Prozent höher als in der achten Arbeitsstunde. Die Wachheit sinkt mit der Zahl der gearbeiteten Stunden, insbesondere bei Tätigkeiten mit hoher Belastung.
Die Wochenarbeitszeit hat ebenfalls einen großen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit von Unfällen. Arbeitnehmer:innen, die mehr als 64 Stunden pro Woche arbeiten, haben ein um 88 Prozent höheres Unfallrisiko als Beschäftigte mit höchstens 40 Wochenstunden.
Schichtarbeit
Nicht nur das Arbeitspensum, sondern auch, wann es geleistet wird, spielt eine Rolle: Schichtarbeit und speziell Nachtschichten stellen eine besondere Belastung dar, beeinträchtigen die Schlafqualität und verstärken daher die Müdigkeit während der Arbeit. Im Vergleich zur Frühschicht besteht in der Nachtschicht ein um 36 Prozent erhöhtes Unfallrisiko. Das kumulative Schlafdefizit und damit auch die Unfallwahrscheinlichkeit erhöhen sich, wenn man mehrere Schichten hintereinander ohne ausreichende Erholungszeit dazwischen arbeitet.
Ruhezeiten und Pausen
Durch ausreichende Ruhezeiten kann das gestiegene Unfallrisiko wieder auf den Ausgangswert gesenkt werden. Je mehr Stunden man durchgehend arbeitet und je höher die Arbeitsbelastung ist, desto längere Erholungsphasen braucht man. Nach einer Nachtschicht wird eine längere Ruhezeit benötigt.
Pausen reduzieren die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls, wobei längere Unterbrechungen von mehr als 30 Minuten stärker risikosenkend wirken als kürzere. Dieser Effekt schwächt sich in den Stunden nach der Pause wieder ab.
Wegunfälle
Aufmerksamkeit ist nicht nur während der Arbeit gefragt, sondern auch auf dem Arbeitsweg – vor allem, wenn man selbst ein Fahrzeug lenkt. Das Unfallrisiko auf dem Heimweg von der Arbeit steigt mit zunehmender wöchentlicher Arbeitszeit und mit der Länge der Fahrzeit an. Besonders gefährdet ist, wer – z. B. vor einer Nachtschicht – nicht bzw. nicht ausreichend geschlafen hat: 17 Stunden ohne Schlaf haben einen ähnlichen Einfluss auf das Reaktionsvermögen wie 0,5 Promille Alkohol.
Magazin Gesunde Arbeit 3/2026, Stamm-Ausgabe