Care-Heldinnen brauchen Entlastung
Care-Arbeit ist mehr als Windeln wechseln oder Betreuung. Sie ist auch unsichtbare Denkarbeit: Termine managen, sich kümmern, Verantwortung tragen. Frauen schultern bezahlte Arbeit plus Sorgearbeit. Die Dauerbelastung frisst Gesundheit und bremst Karrieren – viele schaffen den direkten Übergang von der Erwerbsarbeit in die Pension nicht.
Kaum sind die Kinder aus dem Haus, müssen Eltern oder Schwiegereltern gepflegt und unterstützt werden. Care-Aufgaben prägen ganze Erwerbsbiografien von Frauen. Die Zeitverwendungserhebung der Statistik Austria aus 2022 zeigt: Frauen – mit Kindern oder ohne– verbringen insgesamt mehr Zeit mit Arbeit, auch wenn bezahlte und unbezahlte Arbeit zusammengerechnet werden. Diese Mehrfachbelastung beginnt in jungen Jahren, zieht sich über ein ganzes Leben.
Jede dritte Frau in Österreich wechselt nicht direkt von der Erwerbsarbeit in die Pension, bei Arbeiterinnen jede zweite. Haupttreiber der Erwerbslücke ist Arbeitslosigkeit. Danach wiegen Versicherungslücken schwer mit Folgen wie geringeren Pensionsansprüchen und höherem Armutsrisiko; bei längeren Lücken treten zunehmend gesundheitliche Gründe wie Reha- und Übergangsgeldbezug hinzu. ÖGB-Bundesfrauensekretärin Karin Zimmermann ist überzeugt: „Damit sich das ändert, müssen wir früher ansetzen. Arbeit muss an die Lebensrealitäten von Frauen angepasst werden. Es braucht nicht erst im Alter entsprechende Modelle. Frauen müssen über ihr gesamtes Leben entlastet werden.“
Frauengesundheit und Gendermedizin
Der Frauengesundheitsbericht der österreichischen Regierung zeigt auf, dass Mehrfachbelastungen für Frauen eine wesentliche gesundheitliche Gefahr darstellen. Obwohl Frauen länger leben, verbringen sie weniger Jahre bei guter Gesundheit. Zimmermann dazu: „Gerade die Themen Menstruationsgesundheit und Wechseljahre können im Betrieb mitgedacht werden. Unternehmen können die Arbeitswelt so gestalten, dass Frauen in diesen Zeiten nicht aussteigen oder zurückstecken müssen. Tabus müssen aufgebrochen werden.“
Familienzeit und Entlastung
ÖGB und AK fordern ein Familienarbeitszeitmodell von 28 bis 32 Stunden für beide Elternteile – mit Bonus, damit Betreuung fairer aufgeteilt wird. Zimmermann erklärt: „Die nötigen Veränderungen sind vielschichtig. Einerseits müssen sich die Rollenbilder in Österreich verändern. Aber dazu braucht es die betrieblichen und politischen Rahmenbedingungen, wie flächendeckende ganztägige Kinder- und Ferienbetreuung.“ Auch die Bereitschaft von Unternehmen, Männern Pflegefreistellung oder längere Karenzen zu ermöglichen, zählt dazu.
Gesunde Arbeitsplätze entstehen nicht zufällig – sie sind das Ergebnis guter Gestaltung über alle Lebensphasen hinweg. Dazu zählen vorausschauende Dienstpläne, ergonomisch angepasste Tätigkeiten und verlässliche Erholzeiten. Betriebe, die Rahmenbedingungen aktiv anpassen, entlasten Beschäftigte spürbar.
Betriebliche Gesundheitsförderung ist dabei weit mehr als Symbolik. Wirksam wird sie, wenn sie Körper und Psyche stärkt: mit guten Verpflegungsangeboten, Angeboten zur Konfliktbewältigung und sicheren Arbeitsbedingungen – von flexiblen Einsätzen bis zu einer respektvollen Teamkultur. So bleibt Arbeit gesund machbar, auch in den letzten Jahren des Erwerbslebens.
Magazin Gesunde Arbeit 4/2025, Stamm-Ausgabe