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Kraftakt Rettungsdienst – wenn der Arbeitnehmer:innenschutz ignoriert wird

Die Arbeit im Rettungsdienst gilt als verantwortungsvoll, aber auch als physisch wie psychisch extrem belastend. Während in vielen Ländern technische Hilfsmittel längst zum Standard gehören, hinkt der Arbeitnehmer:innenschutz in Österreich hinterher.

Die Arbeit im Rettungsdienst gilt als verantwor tungsvoll, aber auch als physisch wie psychisch extrem belastend. AdobeStock / LIGHTFIELD STUDIOS

In vielen Rettungs- und Krankentransportorganisationen fehlen elektrohydraulische Fahrtragen, kraftunterstützte Tragstühle oder zusätzliche Transferhilfen. Stattdessen müssen Patient:innen weiterhin überwiegend mit reiner Muskelkraft bewegt werden – auf Kosten der Gesundheit der Beschäftigten. 

Krankentransporte belasten den Rücken massiv 

Betroffen sind bereits junge Menschen im Zivildienst oder Freiwilligen Sozialen Jahr. Sie steigen meist körperlich gesund in den Dienst ein und klagen schon nach wenigen Monaten über Schmerzen im Rücken, in Schultern und Knien. Hauptberufliche Mitarbeiter:innen können den Belastungen nur begrenzt mit „Hebetechnik“ und Erfahrung begegnen. Die auftretenden Beschwerden werden oft als „normal“ abgetan, anstatt die strukturellen Ursachen zu beseitigen: fehlende technische Unterstützung, schlechte ergonomische Bedingungen und ein hoher Leistungsdruck, der riskante Hebe- und Tragepraktiken begünstigt. 

Es ist unethisch und unwürdig, dass der Rettungsdienst in Österreich auf Kosten der Gesundheit aller Mitarbeiter:innen aufrechterhalten wird!
Stefan Wehinger, Notfallsanitäter und Betriebsrat

Arbeitgeber:innen in der Pflicht  

Das ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG) verpflichtet Arbeitgeber:innen, Gefährdungen systematisch zu evaluieren und Schutzmaßnahmen nach dem STOP-Prinzip umzusetzen: zuerst technische (wie Hebehilfen), dann organisatorische (wie ausreichend Personal) und zuletzt personenbezogene Maßnahmen (wie Schulungen). Für die Bewertung körperlicher Belastungen stehen etablierte Instrumente wie die Leitmerkmalmethoden der deutschen Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zur Verfügung. 

AUVAfit-Projekt zeigt Handlungsbedarf auf  

Die europäische Norm für Rettungsdienstfahrzeuge EN 1789 definiert kraftunterstützte Beladesysteme seit ihrer jüngsten Überarbeitung im deutschen Vorwort explizit als Stand der Technik. In Österreich sind aber weiterhin Fahrzeuge ohne solche Systeme im Einsatz. Ein AUVAfit-Projekt – als Präventionsprogramm zur Optimierung von Arbeitsplätzen – hat mithilfe von Leitmerkmalmethoden und Bewegungsanalysen die tatsächlichen körperlichen Belastungen beim Personentransport beim Roten Kreuz 2024 in Innsbruck untersucht und dringenden Handlungsbedarf festgestellt. 

Arbeitgeber:innen sind ebenso gefordert wie Auftraggeber:innen, auf nachhaltige Lösungen zu setzen. Notwendig sind konsequente Gefährdungsbeurteilungen, verbindliche Maßnahmenpläne, rasche Umrüstung auf elektrohydraulische Tragen und Tragstühle, zusätzliche Transferhilfen sowie ergonomische Fahrzeugkonzepte.

 

Magazin Gesunde Arbeit 1/2026, Stamm-Ausgabe