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Arbeitnehmer:innenschutz im Handel

Im September 2025 wurde der EUROSPAR in der Schoellerstraße in Neunkirchen wiedereröffnet. Die ehemalige Mitarbeiterin und nunmehrige Geschäftsführerin, Frau Monika Mayerhofer, führt die Filiale mit 47 Beschäftigten als selbstständige Kauffrau.

V. li. n. re.: ÖGB-Regionalsekretär David Oprodovsky, AK Niederösterreich-Bezirksstellenleiterin Marianne Landa, Geschäftsführerin Monika Mayerhofer, AK Niederösterreich-Präsident Markus Wieser. AK Niederösterreich / Martin Langer

Sie sind von der Angestellten in die Rolle der Chefin gewechselt. Wie sehen Sie den Arbeitnehmer:innenschutz heute?
Schon als angestellte Führungskraft habe ich mich laufend mit den Gesundheits- und Sicherheitsgefahren beschäftigt. Im Handel geht es natürlich nicht nur um Risiken durch Arbeitsunfälle, sondern in hohem Ausmaß auch um psychische Belastungen. Jetzt als Arbeitgeberin trage ich noch mehr Verantwortung für das Wohlergehen der Beschäftigten. Da bin ich auch sehr froh, Sicherheitsfachkraft und Arbeitsmediziner der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt als Partner an unserer Seite zu haben, die Belastungen sowie Sicherheitsgefahren erheben und laufend Verbesserungsvorschläge machen. 

Gibt es auch schon eine Sicherheitsvertrauensperson im Betrieb? 
Demnächst haben wir eine ausgebildete Sicherheitsvertrauensperson in unseren Reihen, die sich dieser verantwortungsvollen Herausforderung stellt und die gesetzlich vorgeschriebene 24-stündige Grundausbildung zur Sicherheitsvertrauensperson der AK Niederösterreich macht. Empfohlen hat uns diese Ausbildung Claudia Tastel, SVP-Betreuerin der AK Niederösterreich, mit der wir sehr gut zusammenarbeiten. Sie hat uns informiert, dass ab elf Mitarbeiter:innen SVP zu melden sind, uns das umfangreiche Bildungsprogramm der AK Niederösterreich gebracht und die Anmeldung erledigt. Auch in Zukunft wird sie uns bei regelmäßigen Besuchen mit Informationen rund um den Arbeitnehmer:innenschutz versorgen. 

Uns ist aufgefallen, dass die Kassen etwas weiter vom Ausgang entfernt stehen und unterschiedliche Ausrichtungen haben. Warum ist das so? 
Durch den Abstand zum Ausgang herrscht im Kassenbereich weit weniger Zugluft als in vergleichbaren Filialen. Auch die unterschiedliche Ausrichtung der Kassen bietet einen großen Vorteil für unser Personal. So kann der einseitigen körperlichen Belastung vorgebeugt werden, wenn während des Arbeitstages der Kassenarbeitsplatz mehrmals gewechselt wird. Die Mitarbeiter:innen an den Kassen bewegen gewaltige Gewichtsmengen über die Scannerfläche – die Hand zu wechseln, bringt hier große Entlastung. 

Wie beurteilen Sie als Unternehmerin die Besuche durch das Arbeitsinspektorat im Betrieb?  
Rund drei Wochen nach der Übernahme der Filiale hatten wir Besuch vom Arbeitsinspektor. Sie können sich vorstellen, dass ich als frischgebackene Geschäftsführerin sehr gespannt gewesen bin, was dabei herauskommt. Jedenfalls hat der Arbeitsinspektor zwei Sicherheitsgefahren erkannt, und diese konnten wir dank seiner Beratung umgehend beheben.  

Uns interessiert natürlich sehr, was das Arbeitsinspektorat thematisiert hat. 
In unserem Gästebereich, wo die Kundinnen und Kunden Kaffee trinken oder einen Imbiss zu sich nehmen, ist ein Tisch zu nahe im Bereich des Notausganges gestanden. Jetzt ist der Fluchtweg auch im Notfall frei. Das zweite Thema war, dass eine Palette mit Waren vor einem Feuerlöscher platziert war - auch das also ein relativ leicht zu behebendes Problem, auf das wir bei der anschließenden Unterweisung der Mitarbeiter:innen Bezug nehmen konnten.  

Diese Ausgabe der Gesunden Arbeit hat die Arbeitszeit zum Schwerpunkt. Wie hoch ist bei Ihnen im Markt eigentlich der Anteil der Teilzeitkräfte?  

Unser Markt hat an fünf Wochentagen von 6.50 Uhr bis 19.00 Uhr und am Samstag von 6.50 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet. Dafür braucht es auch Teilzeitkräfte, um die Filiale ausreichend personell zu besetzen. Dennoch haben die meisten Mitarbeiter:innen Vollzeitstellen, was im Handel nicht immer selbstverständlich ist. Es finden sich aber auch immer wieder Kolleg:innen, die aus verschiedenen Überlegungen Teilzeit arbeiten möchten. Es ist aus meiner Sicht immer ganz wichtig, individuelle Lösungen zu finden, um beispielsweise Betreuungspflichten und Arbeit unter einen Hut zu bringen. 

Geschäftsführung und Beschäftigte gehen also aufeinander zu und finden gemeinsam Lösungen? 
Genau, und da habe ich noch ein Beispiel. Die Pausen wollten wir elektronisch erfassen und vorab festlegen, genauso wie die Anwesenheitszeit im Betrieb. Für die Mitarbeiter:innen war das aber, wie ich aus vielen Gesprächen weiß, zu viel Druck und Stress, weshalb wir davon wieder abgekommen sind. Jetzt nimmt jede bzw. jeder seine Pause individuell. Mir ist nur wichtig, dass die Absprache untereinander funktioniert, also jeder Bereich immer besetzt ist. Die Mitarbeiter:innen fühlen sich mit dieser Regelung sehr wohl. 

Es ist sicher nicht immer leicht, die Erfordernisse eines scharfen Wettbewerbs im Handel mit den individuellen Anliegen der Beschäftigten unter einen Hut zu bringen? 

Dazu ein Beispiel: Soll der Markt am 8. Dezember offenhalten oder nicht? Im Dezember 2025 habe ich das Arbeiten an diesem Feiertag auf freiwilliger Basis ermöglicht, und es hat funktioniert. Da braucht es keinen Druck, sondern vor allem ein gutes Betriebsklima. Wir werden auch heuer so vorgehen und binden alle Mitarbeiter:innen rechtzeitig ein. 

Gibt es eigentlich auch im Handel eine persönliche Schutzausrüstung? 

Selbstverständlich, im Lager und beim Umgang mit schweren Gütern sind Sicherheitsschuhe zu verwenden. Das Öffnen der vielen Kartonagen erfordert das Tragen von schnittfesten Handschuhen. Man lernt im Arbeitnehmer:innenschutz einfach immer wieder Neues dazu, und mir ist wichtig, die vielen Angebote von AUVA und AK Niederösterreich in den Arbeitsalltag zu integrieren. 

Wir danken herzlich für die Einblicke in eine sichere Arbeitswelt im Handel!

Martin Langer, AK Niederösterreich

Magazin Gesunde Arbeit 3/2026 Niederösterreich-Ausgabe
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