Zum Hauptinhalt wechseln

Wo Roboter die Menschen entlasten

Beim Höchstdruckwasserstrahlen wird Beton materialschonend abgetragen. Diese Tätigkeit ist körperlich anstrengend, vor allem beim Strahlen über Kopf. Um die Arbeit zu erleichtern und das Unfallrisiko zu reduzieren, setzt die MST Muhr Sanierungstechnik auf einen Roboter, den speziell ausgebildete Beschäftigte bedienen.

Der Roboter übernimmt den körperlich anstrengendsten Teil und wird von zwei Beschäftigten abwechselnd bedient. Markus Zahradnik

Dass Sicherheit und Gesundheit der Arbeitnehmer:innen zur Chefsache erklärt wurden, merkt man schnell bei der MST Muhr Sanierungstechnik GmbH. Der Familienbetrieb mit 57 Beschäftigten wurde vor über 30 Jahren gegründet, hat seinen Sitz in Wien-Favoriten und wird von Harald Muhr geleitet. Seine Frau Marta Muhr ist für die Projektbetreuung verantwortlich und Sicherheitsvertrauensperson (SVP). In dieser Funktion nimmt sie eine aktive Rolle ein: Sie bereitet die Unterweisungsunterlagen vor und sorgt dafür, dass die Ersthelfer:innen ihre Kenntnisse regelmäßig auffrischen. Außerdem ist sie an der Auswahl der persönlichen Schutzausrüstung (PSA) beteiligt.  

Körperliche Belastung beim manuellen Strahlen 

Zu den angebotenen Leistungen des Unternehmens zählt die Betoninstandsetzung. Geschädigte Betonbereiche müssen zuerst fachgerecht abgetragen werden, um einen tragfähigen Untergrund für die Instandsetzungsarbeiten zu schaffen. Dafür setzt man das Verfahren des Höchstdruckwasserstrahlens ein. „Wird die Strahllanze manuell geführt, muss der:die Bedienende die Rückstoßkraft kompensieren“, erklärt Harald Muhr. 
Das erfordert einen erheblichen körperlichen Kraftaufwand. Beim Strahlen entsteht zudem Spritznebel, der die Sicht beeinträchtigt und die Luftfeuchtigkeit stark erhöht. Laute Geräusche entstehen durch das Dieselaggregat, die Hochdruckpumpe und den Wasserstrahl selbst – beim Austritt aus der Düse und beim Auftreffen auf die Betonoberfläche. In geschlossenen Räumen erwärmt sich die Umgebung zusätzlich durch das Dieselaggregat. 
Besonders belastend ist das Höchstdruckwasserstrahlen, wenn die Strahllanze über Schulter- bzw. Kopfhöhe gehalten werden muss. In dieser Zwangshaltung verspannen sich die Muskeln in den Armen, den Schultern, im Nacken und im Rücken. Das verursacht Schmerzen, eine schnellere Ermüdung und begünstigt längerfristig die Entstehung von Muskel-Skelett-Erkrankungen. Bauleiter Ing. Thomas Binder weist auf ein weiteres Risiko hin: „Beim Abtragen von Beton an der Decke löst sich Material und kann zurückgeschleudert werden.“ 

SVP Marta Muhr: Sicherheit ist hier Chefinnensache. Markus Zahradnik

Ein Roboter erleichtert die Arbeit 

Das Ehepaar Muhr suchte nach einer Lösung, um diese Arbeit zu erleichtern. Ein Exoskelett erwies sich in der Praxis als ungeeignet. Schließlich wurden sie auf die Wasserstrahlroboter eines deutschen Herstellers aufmerksam. Der erste Einsatz fand im Mai und Juni 2025 in der Parkringgarage in Wien statt – und verlief sehr zufriedenstellend. Seither nutzt das Unternehmen bei geeigneten Projekten ein Leihgerät für den Betonabtrag an Decken.  
Beim robotergestützten Höchstdruckwasserstrahlen ist die Strahllanze an einem ferngesteuerten Trägersystem befestigt. Bewegungsmuster, Vorschub, Neigung und Strahlgeschwindigkeit werden vorab eingestellt. Da die Rückstoßkraft nicht mehr vom Bediener ausgeglichen werden muss, kann mit einem höheren Druck – 2.500 bis 2.800 bar – gearbeitet werden. Das Wasser wird bei einer Durchflussmenge von etwa 15 bis 20 Litern pro Minute durch eine 0,6 bis 0,9 Millimeter große Düse zu einem feinen Höchstdruckstrahl gebündelt. Nacharbeiten sind selten notwendig: Nur bei rund fünf Prozent der Fläche muss händisch nachgestrahlt werden, etwa in den Ecken eines Raumes. 

Sowohl die körperliche Belastung als auch das Unfallrisiko wurden durch die Maschine erheblich gesenkt. Markus Zahradnik

Mehr Sicherheit, weniger Belastung 

Für die beim Höchstdruckwasserstrahlen eingesetzten Arbeitnehmer – bei MST Muhr Sanierungstechnik ausschließlich Männer – bringt der Robotereinsatz klare Vorteile: Die körperliche Beanspruchung entfällt. Der Bediener hält sich während des Strahlvorgangs in sicherer Entfernung zum Arbeitsbereich – außerhalb des Spritznebels – auf. Da er nicht direkt unter der zu bearbeitenden Decke steht, verringert sich die Gefahr deutlich, von sich lösenden Betonteilen getroffen zu werden. Wie beim händischen Strahlen arbeiten die Beschäftigten auch bei der Bedienung des Roboters zu zweit, um sich abzuwechseln. 
Auch für das Unternehmen zahlt sich die Technik aus: Das Erkrankungs- und Unfallrisiko sinkt, zugleich steigt die Produktivität, weil länger ohne Unterbrechungen gearbeitet werden kann. Zudem garantiert die automatisierte Führung der Strahllanze einen einheitlichen Betonabtrag. 

Herabgeschleuderte Teile waren früher ein Risiko, erzählt Bauleiter Thomas Binder. Markus Zahradnik

Schulung und Schutzmaßnahmen 

Der Roboter wird über eine Fernbedienung mit Joystick gesteuert, die mit einem Not-Halt-Schalter ausgestattet ist. Für diese Aufgabe ist Fachwissen erforderlich, betont Baustellenleiter Günter Wagner: „Man muss vom Strahlmuster eine Ahnung haben. Derzeit dürfen drei Arbeitnehmer den Roboter bedienen.“ 
Die Einschulung übernehmen Angestellte des Herstellers. Wie bei jeder Schulung und Unterweisung wird anschließend überprüft, ob alle Inhalte verstanden wurden. Viele Beschäftigte haben eine andere Muttersprache, doch ihre Deutschkenntnisse reichen in der Regel aus. Falls nötig, wird zusätzlich jemand zum Übersetzen hinzugezogen. 
Beim händischen Höchstdruckwasserstrahlen ebenso wie bei der Bedienung des Roboters ist druckbeständige persönliche Schutzausrüstung (PSA) Pflicht: Schutzanzug, Schutzhandschuhe und Sicherheitsstiefel. Dazu kommen ein Vollschutzhelm mit Visier und abziehbaren Schutzfolien sowie Gehörschutz. 
Marta Muhr achtet darauf, dass die PSA auch verwendet wird. Sie wird bei der Auswahl von Arbeitskleidung und PSA beteiligt und berücksichtigt dabei die Wünsche der Beschäftigten – aus gutem Grund: „Wenn sich die Arbeitnehmer:innen Kleidung und Schutzausrüstung selbst aussuchen dürfen, tragen sie sie lieber.“ 

Nur qualifizierte Mitarbeiter:innen dürfen den Ro boter bedienen, betont Polier Günter Wagner. Markus Zahradnik
Harald Muhr: Höhere Produktivität, geringere Risiken. Markus Zahradnik

Auf den Punkt: 

Um die körperliche Belastung durch Überkopfarbeit beim Höchstdruckwasserstrahlen zu reduzieren, setzt MST Muhr Sanierungstechnik einen Roboter ein, den speziell ausgebildete Beschäftigte bedienen. 

 

Magazin Gesunde Arbeit 2/2026, Stamm-Ausgabe