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Arbeiten unter extremen Bedingungen

Die Folgen der Klimakrise beeinflussen die Arbeitsrealität vieler Beschäftigter. Seit Anfang 2026 gelten erstmals klare gesetzliche Regeln zum Hitzeschutz. Doch die Anpassung der Arbeitsplätze hat gerade erst begonnen. Voraussetzung dafür: Unternehmen, die das Risiko ernst nehmen.

Hitze am Arbeitsplatz ist ein Gesundheitsrisiko. Adobe Stock / Quality Stock Arts

Die Hitzewelle im Osten und Norden Österreichs 2024 dauerte 27 Tage. Dieser Sommer war der zweitwärmste in der 258-jährigen Messreihe – und kein Ausreißer. Seit den 1990er-Jahren sind die österreichischen Sommer im Mittel rund 2,5 Grad wärmer als im 19. Jahrhundert.  

Vom Schwindel bis zum Hitzschlag 

Für Hunderttausende Beschäftigte ist diese Entwicklung längst Teil ihres Arbeitsalltags: auf Baustellen, in der Landwirtschaft, aber auch in Innenräumen wie in der Pflege. Dass Österreich mit der neuen Hitzeschutzverordnung, die seit 1. Jänner 2026 gilt, erstmals verbindliche Pflichten für Arbeitgeber:innen bei Arbeiten im Freien festgelegt hat, ist ein wichtiger Schritt. Er signalisiert: Hitze am Arbeitsplatz ist ein ernst zu nehmendes Gesundheitsrisiko. Besonders gefährdet sind ältere Beschäftigte, Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen und Personen, die erst seit kurzer Zeit unter Hitze arbeiten – der Körper braucht Zeit zur Akklimatisierung.  

Hitze, Regen, Trauma 

Hitze ist jedoch nur ein Teil der Auswirkungen. Auch Starkregen und Hochwasser gefährden Beschäftigte im Freien. Beschädigte Infrastruktur, Sturzfluten, Muren oder Lawinen erhöhen das Unfallrisiko. Durch intensivere UV-Strahlung steigt das Hautkrebsrisiko für Menschen, die regelmäßig im Freien arbeiten. Mit der Klimaerwärmung breiten sich zudem neue Krankheitsüberträger aus, wie etwa die Asiatische Tigermücke, die das Denguefieber einschleppen kann. Nicht zu unterschätzen ist auch die psychische Belastung: Extreme Arbeitsbedingungen, Jobunterbrechungen und Zukunftsängste führen zu Stress. 

Unternehmen, die vorangehen 

Viele österreichische Unternehmen reagieren bereits auf diese Bedingungen. Im Baugewerbe verlegen fortschrittliche Betriebe schwere Arbeiten an Hitzetagen in die frühen Morgenstunden, richten Kühl- und Schattenzonen auf Baustellen ein und nutzen digitale Systeme, die vor Hitze warnen.  

Im Pflegebereich erproben Trägerorganisationen flexible Arbeitszeitmodelle für heiße Tage. Grüne Infrastruktur gewinnt an Bedeutung: Begrünte Betriebsgelände und Schatten spendende Bäume können die Umgebungstemperatur nachweislich senken und das Wohlbefinden der Beschäftigten dauerhaft verbessern. 

Der gesetzliche Rahmen ist geschaffen. Was jetzt zählt, ist die konsequente Umsetzung – und das Bewusstsein, dass Klimaanpassung keine Kür ist, sondern eine Voraussetzung für gesunde und produktive Arbeit. Dazu gehört auch, Notfallpläne und angepasste Risikobewertungen für Extremwetter in die betriebliche Evaluierung aufzunehmen, um Unfälle zu vermeiden und den Geschäftsbetrieb auch unter schwierigen Bedingungen aufrechtzuerhalten. 

 

Magazin Gesunde Arbeit 2/2026, Stamm-Ausgabe