Sinn, Wertschätzung und klare Grenzen: Die Arbeitswelt der Generation Z
Die Generation Z stellt die gängigen Bedingungen der Arbeitswelt infrage und wird dabei oft missverstanden: Sie fordert kein Luxusprogramm, sondern ein neues Arbeitsverständnis, das ihre Gesundheit schützt, Sinn stiftet und Grenzen respektiert. Die Bereitschaft zur Selbstausbeutung gehört nicht mehr dazu.
Die Arbeitswelt ist vielerorts geprägt von Leistungsdruck, Entgrenzung, Beschleunigung und mangelnder Wertschätzung. Überdurchschnittliches Engagement wird oft als selbstverständlich betrachtet, gerechte materielle oder immaterielle Gegenleistungen fehlen vielfach. Die Generation Z – heute zwischen 16 und 26 Jahre alt – bringt neue Werte und Prioritäten mit, die all das kritisch hinterfragen. Aber: Was bedeutet das genau? Und: Wie wollen junge Menschen heute arbeiten?
Sinn, Wertschätzung und klare Grenzen sind ein Muss
Arbeit ist für die Generation Z nicht bloß Mittel zum Zweck, sondern Teil eines gelungenen Lebensentwurfs. Neben fairer Bezahlung fordern junge Menschen vor allem auch Sinnhaftigkeit, Respekt, Sicherheit und Wertschätzung. Die Ö3-Jugendstudie 2025 bestätigt diesen Anspruch: Jobsicherheit, eine sinnstiftende Tätigkeit, Arbeit auf Augenhöhe und Teamarbeit stehen etwa ganz oben auf der Prioritätenliste (jeweils rund 75 %). Auch eine ausgewogene Work-Life-Balance spielt eine zentrale Rolle (59 %), ebenso die Möglichkeit zu Homeoffice (29 %) und eine Viertagewoche (25 %). Beruflicher Aufstieg bzw. ein hohes Einkommen bleibt für rund die Hälfte wichtig. Gleichzeitig widerlegt die Studie das Klischee einer „arbeitsscheuen“ Generation: 80 Prozent sind bereit, Vollzeit zu arbeiten – wesentlich ist eine strikte Grenze zwischen Berufs- und Privatleben.
Quiet Quitting – gesunde Reaktion auf mangelhafte Arbeitsbedingungen
Klar ist: Auch junge Beschäftigte wollen ihren Job engagiert ausüben – allerdings nicht um den Preis von Burn-out oder Herzinfarkt. Vor diesem Hintergrund gewinnt das Phänomen des Quiet Quitting an Bedeutung: Der Arbeitseinsatz orientiert sich konsequent an dem, was vertraglich vereinbart ist – nicht mehr und nicht weniger. (Unbezahlter) Mehrarbeit oder zusätzlichen Aufgaben, für die es keine adäquate Gegenleistung gibt, wird die rote Karte gezeigt. Entgegen gängiger Vorurteile ist Quiet Quitting kein Ausdruck von Faulheit oder fehlender Arbeitsmoral. Vielmehr handelt es sich um eine Schutzstrategie gegen Überlastung, um einen Versuch, erlebte Ungerechtigkeit auszugleichen, und um ein verändertes Werteverständnis: Arbeit muss Raum für das Leben außerhalb des Jobs lassen.
Systemische Defizite und neue Chancen
Quiet Quitting ist mehr als individuelle Abgrenzung – es spiegelt systemische Defizite der Arbeitswelt wider. Hier braucht es ein Umdenken: Bedürfnisse und Forderungen nach Sinn, Anerkennung, Fairness und guten Arbeitsbedingungen müssen ernst genommen und umgesetzt werden. Betriebe, die hier aktiv handeln, schaffen Arbeitsplätze, die nicht nur junge Beschäftigte langfristig motivieren und binden. Angesichts des demografischen Wandels und Fachkräftemangels ist dies für alle Seiten ein Gewinn.
Magazin Gesunde Arbeit 1/2026, Stamm-Ausgabe