Frisch in die Lehre – und schon mittendrin: Arbeit für junge Menschen gesund gestalten
Der Start in die Lehre bringt Chancen, aber auch Belastungen. Warum gute Einschulung, sichere Arbeitsbedingungen und ein unterstützendes Umfeld entscheidend dafür sind, dass junge Menschen gesund ins Berufsleben starten.
Der Einstieg ins Berufsleben ist für viele Jugendliche ein großer Schritt. Neue Abläufe, mehr Verantwortung und ein ganz anderes Tempo als in der Schule prägen die ersten Wochen einer Lehre. Viele junge Menschen berichten, dass sie sich gerade am Anfang beweisen wollen und dabei rasch an Belastungsgrenzen stoßen. „Ich war am Anfang total überfordert – alles neu, alles schnell. Aber ich wollte unbedingt zeigen, dass ich das schaffe“, erzählt Lara (17), Lehrling im Einzelhandel. Wie ihr geht es vielen Jugendlichen, die gerade in die Lehre oder ihren ersten Job gestartet sind. Der Wechsel von Schule zu Arbeitswelt bringt neue Freiheiten, aber auch Herausforderungen mit sich, sowohl körperlich als auch psychisch und organisatorisch.
Gut eingeschult ist halb gewonnen
Gerade die Anfangsphase entscheidet oft darüber, wie gesund Lehrlinge langfristig arbeiten. Deshalb spielt vor allem die richtige Unterweisung eine große Rolle. Besonders in körperlich fordernden Lehrberufen ist es entscheidend, dass Hebetechniken, Bewegungsabläufe und der korrekte Einsatz von Schutzkleidung verständlich erklärt werden. Viele Arbeitsunfälle und Verletzungen wären vermeidbar, wenn junge Menschen nicht ohne Anleitung „einfach mitlaufen“ müssten. Tobias (18), Elektrotechnik-Lehrling, erinnert sich: „In der ersten Woche habe ich mir gedacht: Augen zu und durch. Aber dann kam die erste Rückenverspannung.“
Doch gesund bleiben bedeutet nicht nur, körperlich richtig zu arbeiten. Gerade in den ersten Wochen versuchen viele Lehrlinge, besonders engagiert zu sein – Pausen werden da oft als Schwäche empfunden. Dabei ist das Gegenteil der Fall: Nur wer regelmäßig abschaltet, kann dauerhaft konzentriert und leistungsfähig bleiben. Lara sagt: „Ich habe lernen müssen, dass ich mich nicht beweisen muss, indem ich auf meine Pause verzichte. Jetzt nutze ich sie bewusst – um mit Kolleg:innen zu reden oder einfach kurz raus an die frische Luft zu gehen.“
Auch psychisch ist der Einstieg herausfordernd: neue Teams, Erwartungen und Verantwortlichkeiten können überfordern. Ein offenes Arbeitsklima sorgt dafür, dass Lehrlinge Belastungen ansprechen können, bevor sie sich verfestigen. „Ich war froh, dass mein Ausbildner mich ernst genommen hat, als ich mal überfordert war. Seitdem traue ich mich schneller, was zu sagen“, erzählt Tobias.
Lehrlingssituation im Burgenland
Die AK Burgenland führte 2025 gemeinsam mit der Gewerkschaftsjugend und den Fachgewerkschaften PRO-GE und GPA eine umfassende Umfrage durch, und diese gibt wichtige Einblicke in die Sichtweise der Lehrlinge auf ihre Ausbildung. Zwar geben rund 47 % der Befragten an, mit ihrer Lehre zufrieden oder sehr zufrieden zu sein – das bedeutet im Umkehrschluss jedoch, dass über die Hälfte nur neutrale oder sogar negative Erfahrungen macht. Besonders auffällig ist der häufig geäußerte Wunsch nach mehr praktischen Übungen, besserer Betreuung durch Ausbildner:innen und abwechslungsreicheren Aufgaben. Diese Ergebnisse zeigen: Zufriedenheit allein darf nicht über strukturelle Defizite hinwegtäuschen – es gibt klaren Handlungsbedarf, um die Qualität der Ausbildung flächendeckend zu sichern und zu erhöhen. Auch die aktuelle Lehrlingsstatistik der WKO zeigt ein klares Bild: 2024 ist die Zahl der Lehrlinge in sämtlichen Bundesländern zurückgegangen. Im Burgenland verzeichnete man im Vergleich zum Jahr 2023 einen Rückgang von 2,1 Prozent.
Tipps für eine gesunde und starke Lehrzeit
- Pausen bewusst nutzen: Sie sind gesetzlich vorgesehen und reduzieren Stress sowie Fehler.
- Frühzeitig reden: Überforderung offen mit Ausbildner:innen oder Vertrauenspersonen ansprechen.
- Ausreichend Schlaf: 8–10 Stunden unterstützen Konzentration, Lernfähigkeit und Erholung.
- Psychische Belastungen ernst nehmen: Viele Lehrlinge fühlen sich gestresst – Druck ist kein Einzelfall.
- Rechte kennen: Aufgaben ohne Ausbildungsbezug sind nicht erlaubt und müssen nicht übernommen werden.
- Arbeitszeiten mitnotieren: Schützt vor Überlastung und sorgt für gerechte Entlohnung.
- Bewegung im Alltag einbauen: Kurze Stretching- oder Aktivpausen beugen Verspannungen vor.
- Regelmäßig essen: Stabile Energie fördert die Leistungsfähigkeit und hebt die Stimmung.
- Hilfe annehmen: AK, ÖGJ und Rat auf Draht (147) unterstützen kostenlos und vertraulich.
Ein gutes Ende – und ein guter Anfang
Gesundes Arbeiten in der Lehre ist kein Selbstläufer. Es braucht klare Strukturen, verlässliche Betreuung und ein Umfeld, in dem junge Menschen wachsen können. Die Ergebnisse der Lehrlingsumfrage zeigen deutlich, dass viele Jugendliche motiviert in ihre Ausbildung starten, aber Unterstützung benötigen, um langfristig gesund, sicher und erfolgreich arbeiten zu können. Um das zu fördern, bietet beispielsweise die AUVA umfassende Angebote zur Unfallprävention an. Die Arbeiterkammer unterstützt Lehrlinge und ist Ansprechpartnerin in allen rechtlichen Belangen. Ob Fragen zu Arbeitszeiten, Pausen oder zur Ausbildungspflicht – die AK-Expert:innen stehen mit Rat und Tat zur Seite. Auch Lara hat einen abschließenden Tipp für alle Lehrlinge: „Sprecht mit anderen Lehrlingen – ihr seid nicht allein. Und wenn euch was auffällt, das euch nicht guttut: Redet drüber. Es geht um euch und eure Zukunft.“
Magazin Gesunde Arbeit 1/2026, Burgenland-Ausgabe