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Psychische Belastungen junger Beschäftigter

Die heutige Arbeitswelt ist geprägt von Digitalisierung, Flexibilisierung, Informationsflut und zunehmender Komplexität. Junge Menschen, die sich noch in einem Reifungsprozess befinden, sind besonders anfällig für arbeitsbedingte psychische Überforderung. In einer sensiblen Lebensphase treffen Berufseinsteiger:innen auf Anforderungen, die für sie aufgrund begrenzter Erfahrung und noch wenig erprobter Handlungsstrategien belastend sein können. Entscheidend für eine gesunde Entwicklung ist die im Arbeitnehmer:innenschutz verankerte Ermittlung und Beurteilung psychischer Belastungen.

Speziell Lehrlinge erleben häufig eine Mehrfachbelastung durch den Berufsschulbesuch und die Arbeit im Lehrbetrieb. AdobeStock / Mofazzelh

Als zentrales Element der Arbeitsplatzevaluierung dient sie dazu, Gefahren am Arbeitsplatz zu erfassen, zu bewerten und geeignete Präventionsmaßnahmen abzuleiten. Als psychische Belastungen gelten dabei alle äußeren Einflüsse, die im Arbeitskontext auf Menschen einwirken. Sie können motivierend wirken und Ressourcen aktivieren, aber auch Über- oder Unterforderung und damit negativen Stress auslösen.  

Multiple Belastungen auf mehreren Ebenen 

Speziell Lehrlinge erleben häufig eine Mehrfachbelastung durch den Berufsschulbesuch und die Arbeit im Lehrbetrieb. Hinzu kommen einschneidende Lebensveränderungen wie der Auszug aus dem Elternhaus oder erste Schritte in die finanzielle Unabhängigkeit. Fehlende Routinen, geringere emotionale Stabilität sowie Konflikte können zu Überlastung beitragen. 
In unserem digitalen Zeitalter erhöhen permanente Erreichbarkeit, ständige Vergleichsmöglichkeiten und ein ausgeprägter Selbstoptimierungsdruck die psychische Beanspruchung. Arbeit hat für viele junge Menschen nicht mehr höchste Priorität; sie bewegen sich zwischen Beruf und Freizeit, direkten sozialen Kontakten und Online-Präsenz sowie zahlreichen Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten. 
Zusätzlich verstärken gesellschaftliche Veränderungen wie Fachkräftemangel und demografischer Wandel die Anforderungen an junge Beschäftigte. Neueinsteiger:innen übernehmen früh Verantwortung, für die ihnen oft Erfahrung bzw. Einschulung fehlt. Fehlendes Mentoring, hohe Arbeitsdichte sowie Spannungen zwischen unterschiedlichen Generationen und Wertesystemen erhöhen das Risiko für Stresserleben. 
Komplexe Aufgaben, wechselnde Anforderungen sowie Unsicherheit in Bezug auf Erwartungen im Betrieb können zu Überforderung führen. Auch Leistungsdruck und fehlende Pausen tragen zu emotionaler Erschöpfung bei. Junge Menschen verfügen oft über eine geringere Gesundheitskompetenz, wodurch Warnsignale später erkannt und Unterstützungsangebote verzögert in Anspruch genommen werden. 

Vier Bereiche der Evaluierung psychischer Belastungen 

Um potenzielle Risikofaktoren im Betrieb zu identifizieren, werden im Rahmen der Evaluierung psychischer Belastungen vier gesetzlich definierte Dimensionen beleuchtet: 

  • Arbeitsaufgabe und Art der Tätigkeit erfassen körperliche, geistige und emotionale Belastungen, Über-/Unterforderung, Qualifikationsanforderungen, Arbeitsmenge, Handlungsspielräume und Verantwortung etc. 
  • Arbeitsumgebung bezieht sich u. a. auf Platzverhältnisse, Ausstattung, die Benutzer:innenfreundlichkeit digitaler Systeme. 
  • Sozial- und Organisationsklima beinhalten Zusammenarbeit, Gruppendynamiken, Feedbackkultur, Führungsstil und Informationsfluss. 
  • Arbeitsorganisation und Arbeitsabläufe umfassen Arbeitsprozesse, Zeitvorgaben, Unterbrechungen, Arbeitszeitgestaltung, Zuständigkeiten und Rollenkonflikte. 

Eine sorgfältige Planung, transparente Kommunikation und die Einbindung möglichst vieler Mitarbeitender sind entscheidend für eine aussagekräftige Evaluierung. Aufgrund der fachlichen Anforderungen sollte sie von Arbeits- und Organisationspsycholog:innen durchgeführt werden, die über arbeitswissenschaftliches Fachwissen sowie Kompetenzen in Moderation, Interviewführung und Gruppenleitung verfügen. 

Instrumente der Evaluierung 

Je nach Betriebsgröße und Tätigkeitsbereichen kommen unterschiedliche, qualitätsgesicherte Instrumente zum Einsatz: 

  • Mitarbeiter:innenbefragungen zur systematischen Erhebung von Belastungsschwerpunkten im Betrieb.  
  • Gruppeninterviews und Workshops zur Feinanalyse und zur Entwicklung passgenauer Maßnahmen unter Beteiligung der Belegschaft. 
  • Beobachtungsverfahren, bei denen Arbeitsabläufe, Arbeitsumgebung und soziale Interaktionen analysiert werden. 
  • Einzelinterviews, insbesondere in Kleinstbetrieben. 

Die aktive Beteiligung junger Beschäftigter ist dabei zentral: Sie lernen, ihre Belastungen zu benennen und Ressourcen wahrzunehmen. Durch das Einbringen ihrer Perspektiven in die Gestaltung gesünderer Arbeitsbedingungen erleben sie Selbstwirksamkeit und Mitsprache. Gleichzeitig wird die Identifikation mit dem Arbeitsumfeld gefördert und eine nachhaltige Bindung an das Unternehmen unterstützt. Für den Betrieb bietet sich die Möglichkeit, strukturelle Risiken frühzeitig zu erkennen – vorausgesetzt, es herrscht ein Betriebsklima, in dem Rückmeldungen willkommen sind und echtes Interesse an Veränderung besteht. 

Arbeitsplatzevaluierung und Beteiligung als Chance 

Wenn Erfahrung auf neue Perspektiven trifft, können psychische Fehlbeanspruchungen reduziert und gleichzeitig individuelle sowie organisationale Ressourcen gestärkt werden. Moderner Arbeitnehmer:innenschutz verbindet damit Prävention und Entwicklung: Er schafft Rahmenbedingungen, in denen junge Beschäftigte Vertrauen in ihre Rolle entwickeln und ihre Potenziale entfalten können. Davon profitieren nicht nur die jungen Menschen selbst, sondern auch Betriebe, die langfristig auf gesunde, engagierte und lernfähige Mitarbeiter:innen angewiesen sind. 

Das AMZ® Mödling bietet Präventionsleistungen wie Arbeitsplatzeva-
luierungen, betriebliches Gesundheitsmanagement und arbeitsmedi-
zinische Betreuung an. Nutzen Sie das arbeitspsychologische Angebot
wie psychologische Beratung/Workshops, (Führungskräfte-)Coaching,
Gesundheitschecks, Mitarbeiter:innenbefragungen u .v. m.

Kontaktieren Sie das AMZ® Mödling unter +43 2236 22914
bzw. office@amz.at

 

Magazin Gesunde Arbeit 1/2026, Niederösterreich-Ausgabe

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