Gesichert am Mast, klare Infos am Monitor
„Wann kommt der Zug, auf welchem Bahnsteig?“ Für Fahrgäste ein schneller Blick auf den Monitor. Für Informations- und Telekommunikationstechniker:innen bei den ÖBB steckt dahinter ein Lehrberuf. In 3 ½ Jahren lernen Lehrlinge, wie Kundeninformation von A nach B gelangt: Bahnsteiganzeigen, Kameras, Lautsprecher, Funkanlagen.
Das Berufsbild ist eine Mischung aus Elektronik, IT und Eisenbahn. Netzwerke, Server und Übertragungsstrecken werden installiert, Anlagen für Bild, Ton und Funk programmiert. Fehler werden mit Messgeräten gesucht, Bauteile getauscht, Anlagen wieder in Betrieb genommen. Mostafa Radwan hat die Ausbildung samt Spezialisierungen zum Facharbeiter abgeschlossen und weiß, wie wichtig Sicherheit am Arbeitsplatz ist: „Schon beim Einstieg in den Lehrberuf gibt es Sicherheitsunterweisungen zu elektrischen Gefahren und Verhalten im Bahnbereich, die passende Schutzausrüstung und eine ,Welcomeʻ-Gesundenuntersuchung, inklusive Gleistauglichkeit.“
Klettern mit Gurt statt mit Bauchgefühl
Ein besonderes Kapitel ist die Arbeit in der Höhe. Für Einsätze auf Funkmasten gibt es eine eigene Kletterausbildung in der Lehrwerkstätte. „Damit diese Einsätze sicher ablaufen, greifen mehrere Schutzebenen: geprüfte PSA, Kletterausbildung, Wetterbeurteilung und klare Anweisungen, was in welcher Höhe zu tun ist – vieles an der Anlage kann und soll aus gutem Grund vom Boden aus erledigt werden“, so Mostafa. „Raufklettern auf einen Funkmast ist anstrengend. Wenn du oben bist, merkst du, wie der Mast bei Wind schwingt. Da braucht es Überwindung. Aber die Aussicht ist unglaublich.“
Geplant wird Wartung möglichst im Sommer, weil Eis auf Sprossen oder Stahl ein Zusatzrisiko ist. Spezielle Kleidung, Arbeitshandschuhe und das vollständige Sicherungsgeschirr sind Standard. Ergänzt wird das Ganze durch regelmäßige arbeitsmedizinische Kontrollen.
Störung im Gleisbereich – Verantwortung in Stufen
Einer der sensibelsten Teile des Berufs ist die Störungsbearbeitung im Umfeld von Gleisen und Bahnsteigen. „Ohne Abstimmung passiert gar nichts“, stellt Mostafa klar. Erst wenn alle Freigaben erteilt sind und alle Bescheid wissen, wird im Gleisbereich gearbeitet.
Für die Lehrlingsausbildung ist entscheidend, dass Verantwortung langsam wächst. Der Außendienst war für Mostafa „das Spannendste“. Ob Lager, Montage oder Außeneinsatz: Lehrlinge sind immer mit Facharbeiter:innen gemeinsam im Einsatz. Erst nach der Lehrabschlussprüfung folgt eine Zusatzausbildung, die befähigt, als Facharbeiter:in Störungen eigenständig zu beheben.
Dieser gestufte Aufbau aus Lehre, Arbeitsschutzunterricht, Kletter- und Gleisschulungen, arbeitsmedizinischer Begleitung und interner Weiterbildung macht deutlich: Der „Funker“ bei den ÖBB ist ein hochspezialisierter Beruf, in dem Fahrgastinformation, Bahnsicherheit und Gesundheit der Beschäftigten zusammenhängen. „Die Züge würden zwar fahren, aber niemand wüsste genau, wo und wann – und ohne auf Sicherheit und Gesundheit zu achten, wäre der Job schlicht nicht machbar.“
Magazin Gesunde Arbeit 1/2026, Stamm-Ausgabe