Rechte kennen, Gesundheit schützen: An der Seite junger Menschen
Wer ins Berufsleben startet, sieht sich oft mit großen Herausforderungen konfrontiert: Lehrstellensuche, faire Bezahlung, sichere Arbeitsbedingungen oder der Umgang mit Konflikten im Betrieb. Genau hier setzt die Österreichische Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) an. Als größte politische Jugendorganisation Österreichs setzt sie sich gezielt für die Rechte junger Menschen in Ausbildung und Beruf ein – von der Lehre bis zum ersten Job. Ihr Motto lautet: Stark für dich – stärker mit dir!
Einsatz für Lehrlinge und junge Beschäftigte
Ein zentraler Schwerpunkt der ÖGJ liegt auf Lehrlingen und jungen Beschäftigten. Sie informiert über Rechte und Pflichten im Arbeitsalltag, etwa zu Arbeitszeit, Entlohnung, Berufsschule oder Urlaub. Wenn es Probleme im Betrieb gibt – von unbezahlten Überstunden bis zu Mobbing –, bietet die ÖGJ Beratung und Unterstützungsangebote:
- Beratung: Kompetente Hilfe zu Arbeitsrecht, Lehre, Förderungen, Zivil- und Präsenzdienst sowie sozial- und steuerrechtlichen Fragen.
- Bildung und Fortbildung: Seminare und Workshops zu gewerkschaftlicher Arbeit, Mitbestimmung, Arbeitsrecht und Engagement.
- Kurse: Kostenlose Erste-Hilfe-Kurse sowie ein Lernmodul für die Führerscheinprüfung exklusiv für ÖGJ-Mitglieder.
- Vergünstigungen und Extras: Rabatte beim Einkaufen, bei Events und Freizeitangeboten sowie ein kostenloser Jugendherbergsausweis für weltweites günstiges Reisen.
- Freizeit und Vernetzung: Veranstaltungen wie Bildungsreisen (z. B. nach Brüssel), Freizeit- und Vernetzungsangebote schaffen Austausch und stärken die Gemeinschaft.
Auch für jugendliche Arbeitnehmer:innen setzt sich die ÖGJ ein. Sie macht auf Missstände aufmerksam, bringt Anliegen in Kollektivvertragsverhandlungen ein und arbeitet daran, dass Gesetze zum Arbeitnehmer:innenschutz nicht nur auf dem Papier stehen, sondern im Alltag wirken.
Mitbestimmen, mitgestalten, vernetzen
Die ÖGJ ist aber mehr als Beratung: Sie gibt jungen Menschen eine Stimme. In Kampagnen, Aktionen und Workshops können Mitglieder ihre Themen einbringen – von fairer Bezahlung über sichere Arbeitsplätze bis zu psychischer Gesundheit am Arbeitsplatz. Bildung spielt dabei eine wichtige Rolle: Schulungen vermitteln Wissen über Arbeitsrecht, Mitbestimmung und Gesundheitsschutz.
Durch Vernetzung mit anderen Jugend- und Gewerkschaftsorganisationen schafft die ÖGJ Solidarität über Betriebe und Branchen hinweg. So wird klar: Gute Arbeit für junge Menschen ist kein Einzelfall, sondern eine gemeinsame Aufgabe.
Auf den Punkt:
Die ÖGJ sorgt dafür, dass Lehrlinge und junge Arbeitnehmer:innen nicht allein dastehen. Sie informiert, schützt und stärkt – und leistet damit einen wichtigen Beitrag zu gesunder, fairer Arbeit von Anfang an.
„Lehre darf nicht krank machen“ – die ÖGJ-Spitze im Gespräch
Wenn 16-Jährige den ganzen Tag nur Haare zusammenkehren, Brötchen holen oder Botengänge machen, statt ausgebildet zu werden, läuft etwas grundlegend falsch. Im Interview mit der Gesunden Arbeit erklären ÖGB-Bundesjugendsekretär Matthias Hauer und PRO-GE-Bundesjugendvorsitzende Laura Zandonella, warum eine Lehre nicht krank machen darfwo Sicherheitsvertrauenspersonen (SVPs) unterstützen können und warum psychische Gesundheit endlich Teil der Prävention werden muss.
Matthias, was ist für dich das Besondere an der Gewerkschaftsjugend?
Matthias Hauer: Überall, wo man zur ÖGJ kommt, trifft man junge Menschen, die genauso engagiert sind wie man selbst – egal, ob Tischlerin oder Bürokaufmann. Der branchenübergreifende Austausch ist unsere Stärke: Wir sitzen alle an einem Tisch, reden über Probleme im Betrieb und suchen gemeinsam Lösungen.
Laura, welche Themen beschäftigen junge Beschäftigte derzeit am meisten?
Laura Zandonella: Ganz klar: die mentale Gesundheit. In den letzten Jahren sind viele Krisen gleichzeitig auf junge Menschen eingeprasselt – oft bleiben sie mit ihren Sorgen allein. Psychische Erkrankungen werden in der Ausbildung kaum thematisiert und im Betrieb selten als Grund ernst genommen, nicht arbeiten zu können. Aber eine Lehre soll nicht krank machen, sondern ein guter, gesunder Start ins Berufsleben sein.
Wie hast du betriebliche Sicherheit in deiner Ausbildung erlebt?
Laura Zandonella: Ich hatte das Glück, dass in meinem Betrieb Sicherheit ernst genommen wurde. Persönliche Schutzausrüstung, ergonomisches Arbeiten, strukturierte Unterweisungen – das war selbstverständlich. Es gab regelmäßige Feedbackgespräche, auch zur Frage: Wie geht es dir wirklich – mit der Arbeit, dem Team, der Belastung? Das sollte Standard sein.
Wo siehst du die größte Belastung im Lehrlingsalltag?
Matthias Hauer: Im dualen System kommt der Druck von Betrieb und Berufsschule. Einerseits durch den Noten- und Leistungsdruck, andererseits den Anspruch, das Gelernte sofort anwenden zu können. Dazu kommt eine Generation, die lange im Distance Learning war. Viele sagen uns: „Online war ich gut dabei – aber im Betrieb tue ich mir schwer, Anschluss zu finden.“
Was fordert ihr konkret für den Arbeitnehmer:innenschutz junger Menschen?
Laura Zandonella: Wir wollen, dass mentale Gesundheit und psychische Sicherheit fixer Bestandteil jeder Ausbildung werden. Es braucht Zeit und Räume, in denen über Belastungen gesprochen werden kann, und das klare Signal: Mit einer psychischen Erkrankung hast du das Recht auf Schutz und Unterstützung.
Wir unterstützen die gewerkschaftliche Forderung, die Evaluierung psychischer Belastungen konsequent umzusetzen und Arbeits- und Organisationspsycholog:innen als dritte Präventionskraft im Betrieb zu verankern. So kann auf Probleme frühzeitig reagiert werden.
Viele unserer Leser:innen sind SVPs. Was wünscht ihr euch von ihnen?
Matthias Hauer: Dass sie Lehrlinge bewusst ansprechen und ernst nehmen. SVPs sehen oft als Erste, wenn Belastungen steigen.
Laura Zandonella: Und dass sie Verbündete sind, wenn es um psychosoziale Risiken geht: gemeinsam mit Betriebsrat, Jugendvertrauensrat und ÖGJ.
Magazin Gesunde Arbeit 1/2026, Stamm-Ausgabe