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Sicher ran ans Werk

Junge Menschen werden bei Jugend am Werk für die Arbeitswelt ausgebildet. Gerade in der Lehre spielen Sicherheit am Arbeitsplatz und Unfallprävention eine große Rolle.

Samanta Djordjevic und Ezekiel Baskern absolvieren ihre Lehre in der Karosseriebautechnik – mit klaren beruflichen Zielen und viel Engagement. Markus Zahradnik

Hämmern, Bohren, Schweißen. Eifrig widmen sich Jugendliche ihren Werkstücken, während in anderen Räumen eine Gruppe junger Menschen ihren Ausbildner:innen zuhört. Im Technologiezentrum bei Jugend am Werk im 21. Gemeindebezirk ist schon früh was los. Hier finden Ausbildungen in verschiedenen technischen Lehrberufen statt: u. a. Elektro- und Gebäudetechnik, Fahrradmechatronik, Metallbearbeitung, Maschinenbautechnik, Karosseriebautechnik und Kfz-Technik. 
 
Samanta Djordjevic und Ezekiel Baskern, beide 17 Jahre alt, befinden sich im zweiten Lehrjahr für Karosseriebautechnik und haben schon weitere Pläne. Sie wollen später die Meisterprüfung absolvieren und ihre eigene Werkstätte leiten. „Ich habe hier gelernt, genau zu arbeiten“, berichtet Samanta. Sorgfältig schaut sie, dass auch wirklich alles passt: Ist das Schweißgerät sicher und eben aufgestellt, die Gasflasche korrekt angeschlossen, stimmt der Druck? Natürlich trägt Samanta Schutzkleidung und Helm. Sie wirft einen Blick zum Ausbildner, er hat den Vorgang genau beobachtet und nickt ihr zu, weil alles passt.  

Schutzhandschuhe und präzise Handführung als zentrale Elemente der Unfallprävention. Markus Zahradnik

Unfallvermeidung ab Tag eins 

Etwa 800 junge Menschen absolvieren derzeit bei Jugend am Werk eine überbetriebliche Lehrausbildung. In der Regel sind es junge Lehrstellensuchende, die am regulären Arbeitsmarkt keinen Platz gefunden haben - sie werden vom Arbeitsmarktservice vermittelt. Das Ziel ist, dass sie während ihrer Ausbildung in einen regulären Lehrbetrieb übertreten.  

Arbeitssicherheit ist bei Jugend am Werk kein Extra, sondern Grundlage der Ausbildung. Markus Zahradnik

Arbeitnehmer:innenschutz wird bei Jugend am Werk sehr ernst genommen. „Die allererste Unterweisung zur Sicherheit erfolgt deshalb am ersten Lehrtag“, macht Christoph Weiss, Sicherheitsbeauftragter, deutlich: Was ist im Brandfall zu tun, wo befinden sich Fluchtwege, wo ist der Sammelpunkt, wo der Erste-Hilfe-Kasten? Wer einen handwerklichen Beruf erlernt, erhält zudem die nötige Schutzausrüstung. Dazu gehören etwa Sicherheitsschuhe mit Stahlkappen, Schutzhandschuhe und Augenschutz. 

Schritt für Schritt an die Arbeit  

Jeder Arbeitsunfall wird gemeldet – auch vermeintliche Kleinigkeiten, so Wolfgang Bamberg, stellvertretender Geschäftsführer von Jugend am Werk. Markus Zahradnik

In den ersten Monaten üben die angehenden Handwerker:innen und Techniker:innen an einfachen Werkstücken, um den sicheren Umgang mit Material und Werkzeug zu lernen. Auch wird dabei eine präzise Handführung trainiert, schließlich gilt es, jegliche Art von Verletzung zu vermeiden. Daneben erfolgt eine schrittweise Unterweisung an Maschinen und Geräten, bevor beispielsweise zukünftige Karosseriebautechniker:innen direkt am Auto arbeiten dürfen. In der Werkstätte muss täglich zugepackt werden, alle machen sich – wortwörtlich – die Hände schmutzig. Da kann schon mal was passieren. „Bei uns wird jeder Arbeitsunfall gemeldet, auch wenn es scheinbar eine Kleinigkeit ist“, erklärt Wolfgang Bamberg, stellvertretender Geschäftsführer von Jugend am Werk. Fällt etwa der Hammer auf den Fuß, der vielleicht nur kurz schmerzt, ist es ein Arbeitsunfall. „Wir spielen nichts herunter – das ist uns sehr wichtig“, betont Bamberg. „Schließlich können wir nicht wissen, ob sich eine vermeintlich kleine Verletzung nicht später doch als etwas Ernsteres herausstellt. Allein deshalb muss jeder Vorfall gemeldet werden.“ 
Gerade für Lehrlinge ist es wichtig, das penible Vorgehen zu verstehen – und dass es auch während eines Praktikums in einem Fremdbetrieb gilt. „Wenn ein Betrieb das anders handhabt, sollen uns die Lehrlinge sofort informieren – dann klären wir das direkt mit dem Praktikumsbetrieb“, sagt es Bamberg deutlich. 

Auch Lärm ist ein Risiko: Samanta Djordjevic schützt ihr Gehör im Arbeitsalltag. Markus Zahradnik

Gemeinsames Sicherheitskonzept 

Höheres Gefahrenpotenzial bergen in den Werkstätten alte Autos, an denen die Jungen üben können. Von der Wiener MA 48 werden sie mit leerem Tank angeliefert. Das bedeutet jedoch nicht automatisch einen restlos trockenen Tank – meist befinden sich noch geringe Benzin- oder Dieselrückstände darin. Schädliche Dämpfe können sich bilden, die zu Explosionen führen können. „Deshalb mussten wir gemeinsam mit der Belegschaft und den Sicherheitsfachkräften einen Weg finden, wie wir die Gefahr besser unter Kontrolle bringen können“, erklärt Sicherheitsbeauftragter Christoph Weiss. Nach einer Risikoanalyse, an der sich die Ausbildner:innen und Sicherheitsfachkräfte gemeinsam beteiligten, wurde eine Lösung erarbeitet, damit keine explosionsfähigen Atmosphären entstehen können. Weiss: „Das war ein langer Prozess mit einigen Diskussionen, aber ich glaube, wir sind jetzt auf einem sehr guten und sicheren Weg.“  

Jugend am Werk sieht sich nicht nur als Ausbildungsstätte, die Einrichtung begleitet die jungen Menschen auf mehreren Ebenen: Milan Gidic ist Betriebsrat und Lehrlingsausbildner bei den Kfz-Techniker:innen. „Ich möchte mit den Lehrlingen einen Dialog führen. Sie sollen lernen, zu diskutieren, zu argumentieren und mitzureden“, sagt er. Je nach Situation reagiert Gidic dabei anders, manche Lehrlinge benötigen Struktur, manche seine Vorbildwirkung als Ausbildner, andere seinen Rat als vertraute Ansprechperson. Gibt es gröbere Probleme, können Jugendliche mit Sozialpädagog:innen, die bei Jugend am Werk arbeiten, reden. „Viele wenden sich an sie, weil sie gerade Zoff mit den Eltern haben oder sie von ihrem Freund verlassen wurden“, erklärt Wolfgang Bamberg. Auch Schulden gehören zu den Herausforderungen, die gemeinsam angegangen werden.  

Als Betriebsrat und Ausbildner begleitet Milan Gidic Lehrlinge fachlich und persönlich. Markus Zahradnik

Fokus: Gewaltprävention 

Wo Jugend am Werk zudem aktiv ist (und aktiv sein muss), ist der Kampf gegen Übergriffe und Diskriminierung: Eine Fachstelle für Prävention setzt sich mit De-Radikalisierung, Sexualpädagogik, Gewaltprävention sowie verschiedenen Formen von Gewalt – verbal, sexualisiert oder religiös motiviert – auseinander. Bamberg: „Uns geht es vor allem darum, Probleme offen anzusprechen und klar zu zeigen, dass vieles nicht in Ordnung ist.“ Dafür sind zwei Mitarbeiter:innen abgestellt, bei 800 Jugendlichen könnten sie aber nur begrenzt etwas bewirken. Denn in den vergangenen Jahren hätten die Aufgaben der Mitarbeiter:innen der Fachstelle Prävention stark zugenommen. Gewaltschutz wird immer wichtiger – dafür braucht es endlich mehr finanzielle Mittel und Ressourcen. Und es braucht junge Menschen, denen schon früh bewusst gemacht wird, dass Gewalt auch im Berufsleben keinen Platz hat und dass Arbeitgeber:innen für ihren Schutz verantwortlich sind. 

In der Werkstätte lernt Ezekiel Baskern den verantwortungsvollen Umgang mit Werkzeug und Material. Markus Zahradnik

Inzwischen hat Samanta Djordjevic die Schweißarbeiten beendet. Die Schweißnaht ist perfekt gelungen. „Anfangs war es schwer für mich, aber jetzt bin ich deutlich sicherer geworden“, sagt Samanta. Der Fokus auf Arbeitssicherheit in der Ausbildung bereitet die Lehrlinge auf ein sicheres und gesundes Arbeiten vor. Jetzt heißt es kurz durchatmen - die anstehende Pause kommt genau richtig. 

 

Magazin Gesunde Arbeit 1/2026, Stamm-Ausgabe