SVP-Grundausbildung für Lehrlinge
Die Gesunde Arbeit war diesmal bei der Flughafen Wien AG zu Besuch. Dort haben bereits mehrere Lehrlinge das Angebot von ÖGB und AK Niederösterreich zum Besuch einer SVP-Grundausbildung genutzt. Was haben Emina Tabakovic, Teilnehmerin im Jahr 2023 und mittlerweile ausgebildete IT-Betriebstechnikerin, sowie Jennifer Haupt, Teilnehmerin im Jahr 2024 und Elektrotechnikerin, vom Besuch der Grundausbildung speziell für junge Arbeitnehmer:innen mitgenommen?
Gesunde Arbeit: Kollegin Mag.a Veronika Schäffer, Sie sind Leiterin der Präventivdienste bei der Flughafen Wien AG. Wie haben Sie von der Grundausbildung für Lehrlinge erfahren und warum haben Sie dieses Angebot genutzt?
Veronika Schäffer: Erfahren haben wir von diesem Angebot durch unseren SVP-Betreuer von der AK Niederösterreich. Er hat uns angesprochen, und wir haben die Idee gerne aufgegriffen, weil es bei uns im Unternehmen einfach null Toleranz für Sicherheitsrisiken am Arbeitsplatz gibt und jede Investition in diesem Bereich sich mehrfach bezahlt macht. Gerade Lehrlingen fehlt es oft an Erfahrung bei diesem Thema und jede Initiative für mehr Information über Sicherheitsgefahren am Arbeitsplatz ist uns willkommen. Dass die AK diese SVP-Grundausbildung kostenfrei anbietet, hat es für uns noch einfacher gemacht, die Lehrlinge zu einer Teilnahme einzuladen.
Gesunde Arbeit: Emina und Jennifer, was habt ihr aus der SVP-Grundausbildung mitnehmen können?
Emina Tabakovic: Ich war neugierig, was uns in diesen drei Tagen im Seminarhotel erwartet. Gut ist natürlich gleich mal der Kontakt zu Lehrlingen aus anderen Betrieben gewesen, die sich auch für die Arbeitssicherheit interessieren. Wir haben viele Beispiele für richtiges Verhalten in Gefahrensituationen gehört. Mir ist jetzt viel bewusster, warum es beim Thema Arbeitssicherheit viele Regeln braucht. Bei uns im Betrieb ist es so, dass niemand alleine auf eine Leiter steigt. Die zweite Person sichert, hält die Leiter fest, gibt aus der guten Übersicht Tipps und macht vorbeikommende Kolleg:innen auf die Gefahr aufmerksam. Um solche Regelungen zu verstehen, hilft die SVP-Grundausbildung ungemein.
Jennifer Haupt: Durch die SVP-Grundausbildung ist mir klar geworden, dass es nicht nur um meine Sicherheit geht, sondern ich durch richtiges Verhalten auch einen großen Beitrag zur Sicherheit meiner Kolleg:innen leisten kann. Zur Vermeidung und Prävention von Gefahren gibt es bei uns im Unternehmen einen klaren Prozess: Beobachtungen werden dem/der Abteilungsleiter:in gemeldet, der/die sich um das Sicherheitsthema kümmert.
Gesunde Arbeit: Eine Frage an alle: Welche Angebote gibt es im Unternehmen, um sich im Bereich der Arbeitssicherheit fortzubilden?
Veronika Schäffer: Wir haben ein mehrtägiges Präventionsseminar für Lehrlinge mit dem Titel „Sicher arbeiten“ entwickelt. Dabei geht es natürlich vor allem um die Arbeitssicherheit, den richtigen Schutz vor gesundheitsschädigendem Lärm oder Hautschutz und darüber hinaus um die psychische Gesundheit. Ganz wichtig ist uns ebenso Erste Hilfe am Arbeitsplatz und das richtige Verhalten im Brandfall.
Zusätzlich durchlaufen alle Lehrlinge einmal jährlich Schulungen zu Schwerpunktthemen rund um Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz. Da war beispielsweise der „Gesunde Rücken“ schon Thema, um das richtige Heben und Tragen, die korrekte Haltung am PC, praktikable Ausgleichsübungen und vieles mehr ins Bewusstsein zu rücken.
Jennifer Haupt: Nach der Lehre bin ich einen Monat lang von einem sogenannten Buddy begleitet worden, der mich unterstützt und meine Fragen beantwortet hat. Dieser Buddy hat mir natürlich gerade im Hinblick auf das sichere Arbeiten viele wichtige Tipps gegeben.
Emina Tabakovic: Mir ist unter vielen Angeboten besonders unser verpflichtender Workshop für den sicheren Umgang mit E-Scootern in Erinnerung. Das Flughafengelände ist sehr groß. Manchmal muss es bei der Behebung einer Störung schnell gehen, weshalb ich auch mal den E-Scooter nutze. Da war es super hilfreich, auf einem Parcours Erfahrungen mit dem Gerät zu sammeln sowie den richtigen Schulterblick oder das Verhalten in unterschiedlichen Bremssituationen zu üben.
Gesunde Arbeit: Der Arbeitnehmer:innenschutz begleitet euch also laufend?
Jennifer Haupt: Über Sicherheit und Schutz am Arbeitsplatz wird permanent informiert und geschult. Ein Praxisbeispiel möchte ich noch nennen: Als Elektrotechnikerin nutze ich immer wieder Arbeitsbühnen. Jedes Gerät ist in der Bedienung jedoch etwas anders. Auch ist nicht immer offensichtlich, wo die persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz festgemacht ist oder wie der hydraulische Notablass aktiviert werden kann. Deshalb erhalten wir für die richtige Handhabung dieser Arbeitsbühnen jährlich eine Einschulung auf den verschiedenen Modellen, die bei uns im Einsatz sind.
Veronika Schäffer: Unser zweimal jährlich stattfindender SVP-Stammtisch, an dem natürlich auch die Arbeitsmediziner:innen und die vier internen Sicherheitsfachkräfte teilnehmen, dient genau dieser permanenten Information und dem Austausch über nachhaltige Prävention von Sicherheits- und Gesundheitsgefahren. So machen wir auch Exkursionen und haben beispielsweise schon die Sicherheitstechnische Prüfstelle der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt besucht oder auch den Tower hier bei uns am Flughafen. Das gemeinsame Arbeiten an diesem wichtigen Thema macht einfach noch mehr Freude!
Magazin Gesunde Arbeit 1/2026, Niederösterreich-Ausgabe